Reifentest: Billig-Reifen aus China

Reifen aus China drängen auf den Markt. Sie kosten nur halb so viel wie die Produkte renommierter Marken. Aber sind sie auch sicher? Sechs Sommerreifen der Dimension 195/65 R 15 H im Test.

Der große Knall kommt nach acht Minuten und 22 Sekunden. Der China-Reifen Linglong Radial 600 rotiert auf der Prüftrommel mit 220 km/h, als die Seitenwand auf einer Länge von mehreren Zentimetern aufplatzt. 220 km/h überschreiten zwar das zulässige Limit für Reifen mit Speedindex H, aber in der Praxis kommen oft andere Risikofaktoren ins Spiel: zu geringer Reifendruck etwa oder zu hohe Beladung. Dem Linglong fehlen die nötigen Sicherheitsreserven, die beispielsweise für den als Referenz geprüften P6 der italienischen Firma Pirelli selbstverständlich sind. Das Gleiche gilt auch für den Sonar SX-608 N.

Erschwerte Bedingungen

Der Schnelllauf-Test wurde unter jenen verschärften Bedingungen durchgeführt, die bei Volkswagen üblich sind. Das heißt: weniger Luftdruck (2,4 bar), drei Grad negativer Sturz, maximal 220 km/h. Die ECE-Norm sieht 2,8 bar und null Grad Sturz vor, außerdem wird bei Reifen mit Speedindex H nur bis zur erlaubten Höchstgeschwindigkeit getestet (20 Minuten mit 210 km/h). Den ECE-Test bestehen alle hier geprüften Reifen aus China.

Wie steht es mit den Fahreigenschaften der Billigprodukte? Bei Trockenheit zeigt sich nichts Unerwartetes. Auf dem kurvenreichen Handlingkurs sind zwar alle Produkte aus China deutlich langsamer als der Pirelli, aber sie zeigen auf dem als Testwagen dienenden VW Golf ein gutmütiges, deutlich untersteuerndes Eigenlenkverhalten.

Einschränkungen müssen auch beim Komfort gemacht werden. Was den Rollwiderstand angeht, präsentieren die Billigprodukte allerdings durchweg bessere Ergebnisse als der Pirelli-Reifen.

Probleme bei Nässe

Auf nasser Straße ändert sich das Bild teilweise dramatisch. Selbst der Linglong, beim Nassbremsen aus 100 km/h der beste Billigreifen, braucht schon 3,5 Meter mehr Bremsweg als der Pirelli.

Auch bei der Aquaplaning-Prüfung überzeugt allein der Pirelli. Bei einer Wassertiefe von sieben Millimetern beginnt er bei 90 km/h aufzuschwimmen (15 Prozent Schlupf an der Vorderachse). Nur der beste Reifen aus China (Wanli S-1093) kommt da noch mit, alle anderen liegen weit darunter. Gemessen an den gewohnten Standards ist auch das Kurvenverhalten auf Nässe deprimierend.  Klares Resultat also: "nicht empfehlenswert" für alle zum Test angetretenen Billigreifen.

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Götz Leyrer

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