Runflat-Reifen: Das steckt hinter den Reifen mit Notlauf-Eigenschaften

Reifen mit Notlauf-Eigenschaften erlauben das Weiterfahren auch bei totalem Luftverlust. Beim so genannten Runflat-Reifen spielt BMW die Pionierrolle und rüstet etliche Modelle serienmäßig mit dieser Technik aus.

Das beste Reserverad ist jenes, das man nicht braucht. Reifenpannen sind so selten geworden, dass ein Großteil aller Ersatzräder, die Autohersteller in den Kofferraum gelegt haben, am Ende eines Autolebens unbenutzt beim Verwerter landet. Kein Wunder, dass die Autobauer nach Möglichkeiten suchen, das klassische Reserverad loszuwerden. Denn es nimmt viel Platz weg, und es ist schwer. Kilos, die man unnütz spazieren fährt, kosten Kraftstoff.

Vielfältige Alternativen zum Reserverad

Zu den vielfältigen Alternativen zählen Noträder und Pannensets, mit denen ein defekter Reifen abgedichtet und wieder aufgepumpt werden kann. Was allerdings nur bei kleinen Punkturen funktioniert. Beim Notrad mutet man dem Autofahrer immer noch den Radwechsel zu - auch keine perfekte Lösung. Das Beste, sagten sich da die Entwickler, wäre ein Reifen, mit dem man auch dann noch weiterfahren kann, wenn er platt ist. So kam es zu verschiedenen konkurrierenden Systemen.

Im von Michelin entwickelten Pax-Reifen findet sich ein Stützring aus synthetischem Gummi, der im Pannenfall der Lauffläche des Reifens Halt gibt. Nachteil: Dazu braucht man spezielle Felgen. Das hat mit dazu beigetragen, dass sich das System nicht durchgesetzt hat.

Runflat-Reifen: BMW mit Pionierrolle

Weitere Verbreitung findet der Runflat-Reifen, wobei BMW die Pionierrolle spielt und etliche Modelle serienmäßig damit ausrüstet. Die Entwicklung stammt von Bridgestone, aber auch andere Hersteller fertigen inzwischen Reifen nach diesem System mit verstärkten Flanken. Sie sorgen dafür, dass der Reifen bei Luftverlust nahezu die gleiche Form behält wie bei korrektem Luftdruck.

Bei Tests von auto motor und sport funktionieren die Runflats überzeugend. Nur aufmerksame Fahrer werden überhaupt registrieren, dass sie mit einem luftleeren Reifen unterwegs sind. Das ist mit ein Grund dafür, dass der Gesetzgeber bei der Ausrüstung mit Notlauf-Pneus ein automatisches Reifendruck-Kontrollsystem vorschreibt. Wer sich an das im Pannenfall vorgeschriebene 80-km/h-Limit hält, kann selbst bei voller Zuladung damit rechnen, dass der Reifen deutlich über 100 Kilometer hält, bevor ihm die durch die Walkarbeit verursachte starke Hitzeentwicklung endgültig den Garaus macht.

Nachteile der Runflat-Reifen

Die Runflat-Pneus haben aber auch Nachteile. Die steifen Flanken verschlechtern den Abrollkomfort erheblich. Hersteller befinden sich in einem Zielkonflikt: auf der einen Seite steht der Komfort, auf der anderen eine möglichst lange Notlaufstrecke. Im Laufe der Entwicklung, das haben die letzten Jahre gezeigt, sind die Runflat-Reifen deutlich geschmeidiger geworden. Aber das reicht offensichtlich noch nicht, um sich flächendeckend durchzusetzen.

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Götz Leyrer

Autor:

auto motor und sport, Heft 09 / 2009

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