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Runflat-Reifensysteme

Platt da

Foto: Frank Herzog 17 Bilder

Reifen mit Notlaufeigenschaften – ein zukunftsträchtiger Hit oder nur ein fauler Kompromiss? Diese Frage beantworten umfangreiche Fahrversuche mit Bridgestone-Runflat-Reifen und dem Pax-Reifensystem von Michelin.

29.04.2005

Rein statistisch gesehen ist sie vom Aussterben bedroht – die Reifenpanne. Wenn sie aber eintritt, dann trifft sie den Fahrer gänzlich unerwartet und oft unter ungünstigsten Bedingungen: in Zeitnot auf einer stark befahrenen Schnellstraße, zu später Stunde in der Dunkelheit oder bei nasskalter Witterung.

Was für ein Luxus, wenn man in einer solchen Situation hinter dem Lenkrad sitzen bleiben kann, um in aller Ruhe das gemütliche Zuhause, die rettende Werkstatt oder den nächsten Reifenhändler anzusteuern.

Das erlauben derzeit nur Runflat-Pneus, die fast alle renommierten Reifenhersteller fertigen, und das Rad-Reifensystem Pax von Michelin. Damit kann man weiterfahren, nicht sehr schnell (80 km/h), aber je nach Wagenbeladung und Hersteller-Empfehlung bis zu rund 200 Kilometer weit.

Andere Behelfsmittel wie etwa Notrad oder Tirefit sind dazu keine ernsthaften Alternativen: Das schmale Notrad muss schließlich auch montiert werden, und mit der Gummilösung aus der Füllflasche lassen sich nur kleinere Defekte beheben. Dennoch bieten bisher nur wenige Autofirmen eine dieser beiden Technologien an. BMW geht mutig voran und rüstet Mini, 1er, 3er sowie Z4 ausschließlich und alle anderen Modelle wahlweise mit Runflat-Bereifung aus. Wenige andere Marken wie etwa Audi und demnächst der schon lange angekündigte Bugatti 16.4 Veyron setzen auf Pax.

Bei den Fahrversuchen überzeugen die neuen Notlauf-Reifen

Aufgrund der Bauweise mit steiferen Reifenflanken versprechen alle Hersteller auch Vorteile bezüglich Lenkpräzision und Handling. auto motor und sport ging es bei den Fahrversuchen allerdings hauptsächlich um die Notlaufqualitäten der beiden Reifen. Und zwar nicht nur um ihre Laufleistung bei luftleerem Zustand, sondern vor allem um die dann noch gewährleisteten Fahreigenschaften.

Die Testfahrten wurden mit einem BMW 320d (Runflat) und einem frontgetriebenen Audi A4 (Pax) absolviert. Zum Vergleich wurde jeweils auch ein Satz konventioneller Reifen adäquater Dimension gefahren.

Beim Bremsen aus Tempo 100 kommt der BMW mit beiden Bereifungen exakt nach 37,6 Metern zum Stehen. Mit einem luftleeren Runflat-Pneu vorne verlängert sich der Bremsweg erwartungsgemäß. Erstaunlich dagegen: Mit plattem Runflat hinten verzögert der BMW so gut wie mit vier korrekt befüllten Reifen. In der Slalom-Disziplin erweisen sich die Runflat-Reifen aufgrund höherer Steifigkeit und Lenkexaktheit als klar überlegen. Selbst mit plattem Reifen erzielt der BMW noch achtbare Zeiten, obgleich ihn kräftiges Untersteuern (vorne platt) und starkes Übersteuern (hinten platt) einbremsen.

Im Komfort setzen die konventionellen Bridgestone-Reifen die Maßstäbe: Auf den mit kleinen Unebenheiten gespickten Strecken zeigen sie Vorzüge sowohl im Schluckvermögen als auch im Abrollgeräusch.

Deutlichere Unterschiede liefert der Audi beim Bremsen: Schon mit Pax-Bereifung und korrektem Luftdruck leidet die Verzögerung spürbar, mit plattem Pneu vorne sinkt sie auf ein vergleichsweise bescheidenes Niveau. Mit platten Pax-Pneus verhält sich der Audi tendenziell ähnlich wie der BMW.
Allerdings baut der luftleere Reifen deutlich weniger Seitenführung auf als der Runflat in gleichem Zustand. Zudem rollt er erheblich lauter ab, wie eine breite Palette unterschiedlicher Walkgeräusche zeigt. Sind die Pax-Reifen korrekt aufgepumpt, machen sie in den Federungseigenschaften trotz des niedrigeren Querschnitts einen besseren Eindruck als die konventionellen Pneus ähnlicher Dimension. Erfreulich auch: Sie bieten eine etwas höhere Lenkpräzision.

Schlagartiger Luftverlust kein Schreckgespenst mehr

Der schlimmste Fall einer Reifenpanne ist schlagartiger Luftverlust am kurvenäußeren Hinterrad in einer schnell gefahrenen Biegung. Um diese Situation zu simulieren, wird kurz vor dem Einlenken in die Kurve bei Tempo 125 das Ventil aus der Felge gezogen. Gefahren wird dieser Versuch mit konventioneller und Sonderbereifung.

Die Reaktionen des BMW 320 auf den plötzlichen Verlust an Seitenführung am stärksten belasteten Rad sind so unterschiedlich wie Schwarz und Weiß. Mit den Standard-Reifen bestückt, die BMW zwar nicht liefert, die aber auch unter Verwendung der Runflat-Felge nachgerüstet werden können, schlägt der 3er gewaltige Kapriolen. Er bricht schlagartig und heftig mit dem Heck aus. Geht dagegen dem Runflat-Pneu hinten rechts die Luft aus, zuckt der BMW nur ganz kurz mit dem Heck, stabilisiert sich sofort wieder und fährt weiter, als wäre nichts gewesen.

Ganz so problemlos meistert der Pax-bereifte Audi die Situation nicht. Er beginnt kräftig zu übersteuern, lässt sich aber mit rascher Lenkkorrektur auf Kurs halten. Deutlich stärker reagiert er mit herkömmlicher Bereifung. Er stellt sich vehement quer und braucht viel Platz – es ist nur dem Fahrkönnen des Testpiloten zu verdanken, dass dieses Manöver nicht mit einer Pirouette endet.

Wie weit kann man mit plattem Runflat oder Pax tatsächlich noch fahren? Mit vier Personen an Bord und simulierter Panne auf der Antriebsachse schaffen beide Probanden unter Berücksichtigung des Höchsttempos 80 auch bei zügiger Fahrweise die Vorgabe – der Audi 204 und der BMW 152 Kilometer.

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