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S-Klasse Sicherheit

Nacht-Wächter

Foto: Daimler Chrysler 5 Bilder

Die neue Mercedes S-Klasse kennt viele Helfer. Ganz neu ist dabei der Nachtsicht-Assistent. Sein Ansinnen: weniger Unfälle mittels Infrarot- Augen, die auch im Dunkeln sehen.

11.08.2005

Kein Mensch ist vollkommen. Niemand weiß das besser als die Unfallforscher von Mercedes- Benz. Wären wir beispielsweise des Nachts nicht alle blind wie die Maulwürfe, gäbe es allein in Deutschland 40 Prozent weniger Verkehrstote. Das sind 2.630 Opfer unseres biologischen Unvermögens. In den USA liegt die Rate sogar bei 50 Prozent. Es leuchtet also ein, dass hier technischer Fortschritt ein gutes Werk vollbringen könnte. Er hat uns das Fahren gelehrt, das Fliegen und das drahtlose Telefonieren. Nur bei Dunkelheit sehen, da muss der Mensch, zumindest der normale, noch passen.

Musste. Denn von nun an können unterwegs wenigstens schon mal die S-Klasse-Käufer das Dunkel durchdringen, vorausgesetzt, sie ordern den innovativen Nachtsicht-Assistenten (1.508 Euro). Dabei ist die Frage, warum man ein derartiges Gerät benötigt, wenn es Scheinwerfer gibt, verständlich, aber auch leicht zu beantworten: Bei Abblendlicht, das im Interesse des Gegenverkehrs zumeist reichen muss, sieht es jenseits von 70 Meter Entfernung auch bei Xenon-Befeuerung schon ziemlich duster aus.

Bei Tempo 120 bleiben also gerade mal zwei Sekunden, um den Kontakt mit einem Hindernis zu vermeiden. Da wird es selbst bei einer unverzüglich eingeleiteten Vollbremsung ziemlich eng.

Der Nachtsicht-Assistent als potentieller Lebensretter.

Folglich ist der Nachtsicht-Assistent denn auch keine technische Spielerei, sondern ein Lebensretter. Ein dunkel gekleideter Fußgänger zum Beispiel, der sonst erst bei 72 Metern im Blickfeld auftaucht, kann nun schon aus 164 Meter Distanz ausgemacht werden. Aber selbst die Scheinwerfer entgegenkommender Autos beeinträchtigen kaum noch die Sicht auf weiter entfernte Objekte. Obendrein bleibt auch der Verlauf der Strecke nicht länger im Dunkeln - beruhigend in Anbetracht der Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Verursacher von Nachtunfällen von der Straße abkommen.

Wie funktioniert’s? Zwei Infrarot-Lichtquellen in den Scheinwerfergehäusen beleuchten die Fahrbahn. Hinzu kommt eine vor störenden Lichtreflexen geschützte Kamera an der Innenseite der Frontscheibe. Eine Elektronik kombiniert deren Aufnahmen mit dem reflektierten Infrarot-Licht, das Ergebnis sieht der Fahrer auf einem Acht-Zoll-Bildschirm im Kombi-Instrument.

Zuvor muss das System per Schalter aktiviert werden, was voraussetzt, dass es dunkel ist und das Abblendlicht brennt. Dann schaltet sich der Nachtsicht-Assistent ab einer Geschwindigkeit von 15 km/h automatisch ein und bleibt beim Abbremsen bis etwa zehn km/h aktiv. Da der auf dem Bildschirm ansonsten eingeblendete Rundtacho im Nachtsichtmodus verschwindet, kann die Geschwindigkeit auf einer horizontalen Balkendarstellung abgelesen werden.

Auch in der Praxis funktioniert das System tadellos.

Der praktische Versuch bestätigt, dass die Vorzüge der Infrarot-Augen keineswegs zu verachten sind. Hindernisse, die mit bloßem Auge in der Dunkelheit nicht auszumachen sind, erscheinen in unterschiedlichen Grautönen klar und deutlich auf dem Monitor, gespenstisch geradezu, suggerieren sie dem Fahrer doch hellseherische Fähigkeiten. Plötzlich sieht er das, was er andernfalls höchstens bei Fernlicht erkennt - eine Bewusstseins- Erweiterung, die man eigentlich auch außerhalb des Autos nicht missen möchte.

Die Prognose, dass der Nachtsicht- Assistent keine Spezialität der neuen S-Klasse bleiben wird, bedarf denn auch keiner Weitsicht. Neben Zulieferer Bosch, der Mercedes mit der neuen Technik ausstattet, warten auch die Spezialisten Autoliv und Siemens VDO inzwischen mit einbaufertigen Nachtsicht-Lösungen auf.

Bei Siemens VDO kann das Video-Bild wahlweise mittels Head-up-Display in die Windschutzscheibe gespiegelt werden. Alternativ zum so genannten Nah-Infrarot-System arbeitet man dort auch an einem Fern-Infrarot, das auf die Wärmestrahlung der Umgebung reagiert. So lassen sich lebendige Objekte, Passanten oder Tiere von leblosen Gegenständen unterscheiden.

Aber auch in den USA stehen Nachtsicht-Geräte kurz vor dem Einzug ins Auto. Vorreiter spielt hier der Spezialist Raytheon, ein führender Zulieferer im militärischen Bereich, dessen System (Fern-Infrarot) bei Cadillac schon im Teststadium ist. Es soll in Kürze auch in Serie gehen.

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