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Sommerreifentest 2008

Acht Sommerreifen der Dimension 235/55 R 17

Foto: Beate Jeske 19 Bilder

Acht Sommerreifen der Dimension 235/55 R 17 Y/W konkurrieren im großen Reifentest. Und das günstigste Produkt im gesamten Feld, das auf einer Mercedes S-Klasse getestet wurde, sorgt für eine handfeste Überraschung.

27.03.2008 Götz Leyrer

Ihre S-Klasse braucht neue Reifen? Der Mercedes-Händler hält sie bereit. Termin vereinbaren, montieren lassen, vergessen. So einfach ist das, und so wird es wohl meist ablaufen. Der Mercedes-Service verkauft, was die Werks-Experten für gut befunden haben und was als Erstausrüstung verwendet wird. Das sind renommierte Marken, mit denen man erfahrungsgemäß nicht viel falsch machen kann. Kein Grund also für den Mercedes- Besitzer, das umfangreiche Reifen-Angebot zu studieren und womöglich die Marke zu wechseln? Der Test von acht Fabrikaten zeigt, dass das ein Trugschluss ist.

Zahlreiche Fahrversuche

Die zahlreichen Fahrversuche auf nasser und trockener Fahrbahn bringen zum Teil höchst überraschende Ergebnisse. Die geprüfte Reifendimension 235/ 55 R 17 ist Basisausstattung bei der SKlasse, wird aber auch von Audi (A8), BMW (X3), Jaguar (XF) und Volkswagen (Multivan und Phaeton) eingesetzt. Rückschlüsse auf die Qualitäten von Reifen benachbarter Dimensionen sind, wie die Erfahrungen von auto motor und sport zeigen, durchaus zulässig. Das Rückgrat des Reifentests bilden die Prüfungen auf nasser Fahrbahn. Hier sind generell die größten Unterschiede zwischen den einzelnen Fabrikaten zu beobachten.

Wobei schon der Aquaplaningtest erkennen lässt, dass die so genannten Premium-Marken, deren Produkte sich durch stolze Preise von über 200 Euro auszeichnen, die erheblich billigeren Außenseiter von Kumho (Japan) oder Hankook (Korea) nicht grundsätzlich auf Distanz halten können. Gefahren wird auf einer geraden Strecke mit einer Wassertiefe von acht Millimetern – mit steigender Geschwindigkeit, bis die Räder an der Vorderachse durch den sich unterhalb der Lauffläche bildenden Wasserfilm aufzuschwimmen beginnen. Der Messwert beziffert jenes Tempo, bei dem die Drehzahldifferenz zwischen Vorderund Hinterachse 15 Prozent erreicht.

Der Fulda Carat Exelero als bester Reifen erreicht 89,5 km/h, der Kumho Ecsta SPT als Schlusslicht liegt bei 85,0 km/h – keine Differenz also, die in der Praxis eine nennenswerte Rolle spielt. Bei der Traktionsprüfung zieht sich das Feld schon weiter auseinander. Hier geht es um Beschleunigung auf nasser Straße – mit eingeschaltetem ESP, wie im wirklichen Leben. Denn die Elektronik sorgt für die besten Werte. Wer unter solchen Umständen den Ausschaltknopf betätigt, kommt wegen verstärkten Schlupfs deutlich schlechter vom Fleck. Gemessen wird von null bis 60 km/h – darüber spielt beim gegebenen Reibwert der Reifenschlupf keine Rolle mehr. Das Gros der Reifen pendelt sich im Bereich zwischen sieben und acht Sekunden ein.

Aber es gibt zwei Ausreißer: Mit dem Michelin findet der S-Mercedes mit seinem drehmomentstarken V8 beim Start nur schwer Grip, die Schlupfregelung fährt die Leistung stark zurück. Das Ergebnis sind schwache 8,25 Sekunden.

Hankook gibt den Ton an

Auf der anderen Seite die positive Überraschung: Der neue Ventus Prime von Hankook verkrallt sich förmlich mit dem Asphalt und ermöglicht eine Beschleunigungszeit von nur 6,2 Sekunden – weit besser als alles, was die Renommiermarken zustandebringen.Auf der bewässerten Kreisbahn setzt der Hankook gleich noch eins drauf: Der Korea-Reifen zeigt ein neutrales Eigenlenkverhalten und belegt mit seiner Rundenzeit den ersten Platz. Da scheint sich ein unerwartetes Szenario anzubahnen. Tatsächlich setzt der Hankook seinen Durchmarsch fort.

Auf dem 1,5 km langen Handlingkurs des Continental-Testgeländes in Texas, das zum Zeitpunkt des Tests im Januar bereits sommerliche Wetterbedingungen bietet und dessen Strecken exakt dem Contidrom bei Hannover nachgebaut sind, fährt er der Konkurrenz ebenfalls davon. Bestzeit wiederum, was aber allein für die mögliche Höchstpunktzahl nicht ausreicht. Bewertet wird zusätzlich der subjektive Eindruck des Fahrverhaltens, und auch da leistet sich der Hankook mit weitgehend neutralem Eigenlenkverhalten und präzisen Lenkreaktionen keine Schwäche.

Rest des Feldes fährt sich gutmütig

Der Rest des Feldes, wenn auch etwas langsamer, fährt sich ebenfalls ausgesprochen gutmütig, allein der Goodyear Excellence fällt durch eine etwas erhöhte Neigung zum Untersteuern auf. Die letzte Nassprüfung ist auch die wichtigste, weil sie für die Praxis die größte Relevanz hat: Vollbremsung – aus 100 km/h bis zum Stillstand. Der Asphalt-Belag ist nass, aber griffig. Und schon wieder profiliert sich der Hankook. Mit ihm steht der Mercedes bereits nach 47 Metern. Mit dem zweitplatzierten Goodyear verlängert sich der Bremsweg bereits auf 49,1 Meter. Am 47-Meter-Punkt ist der Mercedes damit immerhin noch fast 21 km/h schnell. Der Fulda auf dem letzten Platz braucht im Mittel aus mehreren Messungen 52,7 Meter, was nach 47 Metern eine Restgeschwindigkeit von stattlichen 32,9 km/h bedeutet. In der Summe der Nässe-Eigenschaften erzielt der Hankook mit 97 von 100 möglichen Punkten ein Traumergebnis.

Die Frage ist: Wurden die exzellenten Nass-Eigenschaften durch Zugeständnisse auf Trockenheit erkauft? Bei den Bremsversuchen, die auto motor und sport von allen Trockenversuchen am höchsten bewertet, ist davon nichts zu erkennen. Knapp hinter dem Kumho belegt der Hankook den zweiten Platz. Am Ende des Feldes rangieren der Fulda und der Michelin, deren Bremsweg rund drei Meter länger ausfällt als bei den beiden Spitzenreitern.

In den schnellen Kurven des trockenen Handling-Kurses zeigen alle Reifen ein sehr gut kontrollierbares, sicheres Fahrverhalten. Die Unterschiede sind hier längst nicht so groß wie auf nasser Fahrbahn – auch der Kumho und der Michelin, deren Rundenzeiten leicht abfallen, zeichnen sich durch hohe Gutmütigkeit bis in den Grenzbereich aus. Der Hankook belegt Platz drei, und sein Profil sieht nach zahlreichen Testrunden nicht schlechter aus als das seiner Konkurrenten. Seine nässefreundliche Gummimischung bedeutet also keinen sichtbar erhöhten Verschleiß. Die Sensation ist damit perfekt: Der Hankook landet in der Gesamtwertung vor einem Mittelfeld durchweg empfehlenswerter Reifen mit einem stattlichen Abstand auf dem ersten Platz. Womit auch für S-Klasse-Fahrer gilt: sich vor dem Reifenkauf erst einmal gründlich informieren.

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