Navigationsgeräte-Test: Spart ein Navi wirklich Kraftstoff?

spritsparende Navigationsgeräte

Klingt verlockend: Neueste Navigationsgeräte versprechen, möglichst spritsparend ans Ziel zu lotsen. Doch enthält das heutige Kartenmaterial schon genügend Daten für eine wirklich optimale Routenwahl?

Wenn es ums Spritsparen geht, müssen alle mit anpacken. Längst feilen Autohersteller beim Thema Verbrauchsreduktion nicht mehr nur an Motoren oder der Aerodynamik. Denn was nutzt ein sparsames Fahrzeug, wenn auf einer längeren Route unnötig Sprit verbrannt wird? Daher berechnen Navigationssysteme einiger Hersteller wie BMW oder Audi sowie diverse Saugnapf-Varianten neben der schnellsten oder kürzesten Strecke auf Wunsch auch die effizienteste.

Die schnellste Route kostet mit dem BMW X6 M 12,3 Liter auf 100 Kilometer

Ob sich damit tatsächlich Kraftstoff sparen lässt, probierte auto motor und sport auf einer Testrunde von Stuttgart ins oberschwäbische Sigmaringen aus. Als Testfahrzeug diente ein BMW X6 M, der sich mit seinem hohen Normkonsum von 13,9 Litern besonders eignet, Verbrauchsunterschiede aufzuzeigen. Im Modus schnellste Route führt das System zunächst auf die A 81 Richtung Singen, um dann bei Sulz am Neckar über Land zu lotsen. Für die 124 Kilometer lange Strecke, auf der wir uns exakt an Tempolimits halten und bei unbeschränkten Autobahnabschnitten nicht schneller als 160 fahren, genehmigt sich der 555 PS starke V8 15,2 Liter, was einem Durchschnittsverbrauch von 12,3 L/100 km entspricht.

Höherer Verbrauch trotz effizienterer Route

Als effiziente Route für den Rückweg berechnet der Navigator eine autobahnlose, 99 Kilometer lange Strecke über die Schwäbische Alb. Beim abschließenden Tanken in Stuttgart dann die Überraschung: Trotz der rund 20 Prozent kürzeren Strecke benötigte der stattliche SUV 17,5 Liter - obwohl das Ziel rund 400 Höhenmeter tiefer liegt als der Startpunkt. Ein Fehler im Navigationssystem? Doch auch ein zum Vergleich herangezogener Audi A5 wird auf dieselben Strecken geschickt, je nachdem, ob die schnelle oder ökonomische Routenoption gewählt wird. Selbst Saugnapf-Kollege Garmin nüvi 1.490 lotst im Eco-Modus über die verbrauchsungünstige Schwäbische Alb. BMW Efficient Dynamics-Entwickler Norman Wiebking bringt Licht ins Dunkel: Aktuelle Systeme seien nur in der Lage, einen Kompromiss aus der Streckenlänge und Fahrzeit zu treffen.

Höhenunterschiede werden nicht berücksichtigt

Nach dem Motto, "nimm den kürzeren Weg, wenn es nicht viel länger dauert". Tatsächlich waren wir zurück auch nur drei Minuten länger unterwegs. Spritsparend sei eine Route jedoch in Wirklichkeit nur dann, wenn mit moderater Geschwindigkeit und möglichst gleichmäßig ohne Stopps gefahren werden kann. Und genau darin lag das Problem unserer Testroute. Da die Rückfahrt durch viele Ortsdurchfahrten ging, in denen Kreuzungen und Ampeln zum Anhalten zwingen, wurde der theoretische Gewinn mehr als aufgefressen. Zudem finden Höhenunterschiede noch keine Berücksichtigung. Sparpotenzial sieht Wiebking auch darin, das Straßennetz gleichmäßig zu nutzen, statt den gesamten Verkehr durch enge Nadelöhre zu lotsen. Für eine wirklich effiziente Routenberechnung bedarf es daher zusätzlicher Parameter wie die der tageszeitabhängigen Straßenauslastung.

Auch erprobte Navis versagen beim Spritsparen

Ein Pluspunkt für das TomTom GO 950? Schließlich verwenden die Niederländer bereits seit einem Jahr ein System namens IQRoutes, bei dem Straßen mit uhrzeitabhängigen Geschwindigkeitsprofilen versehen werden. Obwohl IQ-Routes bei anderen Tests bereits seine Vorzüge bewiesen hat, versagt es beim Spritsparen: Das GO 950 wählt die ungünstige Alb-Route kurioserweise im Öko- wie im Schnell-Modus. Doch Fortschritt ist in Sicht: Schon in Kürze werden BMW-Navigationsgeräte berücksichtigen, ob das Fahrzeug mit einem Start-Stopp- oder Hybrid-System ausgestattet ist. Damit kann dann eher mal durch die Stadt gelotst werden als mit Autos, bei denen der Motor an roten Ampeln weiterläuft. Für ein Hybrid-Modell wirken auch Berge weit weniger konsumsteigernd, da auf Abfahrten Energie zurückgewonnen wird, während ein konventioneller Verbrenner möglichst gleichmäßig auf der Ebene laufen sollte. Daher soll das Kartenmaterial schnell um brauchbare, sprich flächendeckende Höhenangaben erweitert werden.

Bis Navis wirklich Kraftstoff sparen, vergehen noch ein paar Jahre

Zudem entwickelt BMW an Systemen, die für eine gleichmäßige Straßenauslastung sorgen und nicht erst dann eine Umleitung berechnen, wenn es irgendwo tatsächlich klemmt. Weitere Assistenten empfehlen die optimale Geschwindigkeit für eine grüne Welle in der Stadt. Bis zum Serieneinsatz vergehen jedoch noch einige Jahre, da zusätzliche Informationsquellen wie Verkehrsleitzentralen angezapft werden müssen, um sie über eine breitbandige Datenverbindung ins Auto zu senden.

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Dirk Gulde

Autor:

auto motor und sport, Heft 24 / 2009

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