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Spritspartechnik im Vergleich

Was ist segeln?

Segelboote, Imagebild Foto: Hersteller 7 Bilder

Segeln ist das neue Modewort im Spritspar-Jargon der Autobauer. Technisch verbirgt sich dahinter antriebsfreies Gleiten ohne das bremsende Schleppmoment des Motors. Und praktisch? Nicht alle Hersteller meinen ein und dasselbe.

25.07.2011 Powered by

Segeln mit Start-Stopp-System

Seit seinem Facelift hat der Peugeot 308 1.6 e-HDi einen besonders cleveren Spritspar-Trick drauf. Komisches Gefühl, wenn der Diesel während der Fahrt plötzlich abstirbt. Als hätte seine Blackbox einen Aussetzer. Rums, Ruhe. Es geschieht bei knapp zehn km/h in der Stadt – kann der Peugeot 308 etwa die rote Ampel erkennen? Nein, er segelt. Sein Start-Stopp-System schaltet den Motor auch in der Rollphase, also kurz vorm Stillstand der Räder ab. Ob das was bringt?

Eine Uhr im Cockpit zählt die besonders sparsamen Sekunden – erstaunlich, wie schnell im Stadtverkehr fünf Minuten zusammenkommen, in denen man keinen Sprit verbraucht. Und wie einfach die Technik ist, die dahintersteckt. Das Start-Stopp-System arbeitet wie bisher, einziger Unterschied: Bei Handschaltern kann man unterhalb zwanzig km/h in den Leerlauf schalten und auskuppeln. Bei Automatikversionen genügt ab zehn km/h ein Druck aufs Bremspedal. Gesegelt wird jedoch nur – also ohne Motorkraft gerollt –, wenn die Bordbatterie genug Strom für alle Verbraucher hat. 15 Prozent weniger Kraftstoffverbrauch verspricht Peugeot durch die weiterentwickelte Start-Stopp-Technik, was sich ausschließlich in der Stadt und von Dorf zu Dorf bemerkbar macht. Deshalb schickten wir den 308 auf eine Verbrauchsrunde, die keine Autobahn enthält. Ergebnis: Bei vorausschauender Fahrweise segelt der 308 vorbildlich, spart aber weniger als erhofft: 6,2 L/100 km beträgt der Testverbrauch – 4,2 Liter sollten es laut Peugeot sein.

Segeln mit Motorabschaltung

Die Hybridversionen von Porsche Cayenne S und Panamera S überraschen auch die abgeklärtesten Fahrer – dann, wenn sie vorausschauend vom Gas gehen und sich der Dreiliter-Kompressormotor abkuppelt und abgeschaltet wird. In jenen Momenten segelt der Wagen ohne die Antriebskraft des V6 dahin (maximal bis 165 km/h möglich), was den niedrigen Durst erklärt: Vorausschauend bewegt, unterbot der 380 PS starke Cayenne S Hybrid im Test sogar seinen Normverbauch von 8,7 L/100 km.

Während des Segelns werden Servolenkung, Bremskraftverstärker, der Ölkreislauf des Automatikgetriebes, die Klimaanlage, Radio, Scheinwerfer und Scheibenwischer elektrisch betrieben. Ist nicht genug Strom in der Batterie, bleibt der Benziner an. Im Unterschied zum Mildhybrid-System von Honda trennt Porsche mit einer Kupplung V6 und Elektromotor – so kann Letzterer auch allein den Vortrieb übernehmen, ohne den Benziner mitzuschleppen. Allerdings funktioniert das nur bis 85 km/h und bei sensiblem Gasfuß. Wer Richtung Kickdown tritt, lässt den Benziner sofort erwachen. Dabei funktioniert der Elektromotor generell als Anlasser.

Segeln mit Strom

Bei Honda können die Hybridmodelle kurze Strecken elektrisch gleiten, der Hersteller nennt es Segeln – genau genommen ist es das nicht. Wenn der Mildhybridantrieb von Honda (hier am Beispiel des Insight) in Segellaune verfällt, schließen sich bei seinem 1,3 Liter großen Benzinmotor 1 alle Ein- und Auslassventile – der Elektromotor übernimmt den Vortrieb. Mit seinen 15 kW schafft er allerdings keine Beschleunigung, sondern nur sanftes Dahingleiten.

Honda beschreibt diesen Zustand auch als Segeln – der Fahrer bemerkt den Unterschied nur an der Momentanverbrauchsanzeige, die plötzlich sinkt. An der Stellung der Nadel im Drehzahlmesser oder an der Geräuschkulisse ändert sich nichts, denn Benziner und Elektromotor sind fest miteinander verbunden. Der eine dreht den anderen mit, weshalb das Schleppmoment des Benziners immer zu spüren ist. Honda setzt dieses Antriebskonzept auch in den Modellen CR-Z und Jazz ein – Letzterer soll im Schnitt 4,5 Liter verbrauchen. Im Test kam er auf 5,8 L/100 km.

Segeln im Freilauf

Der VW-Konzern interpretiert Segeln auf ganz eigene Art – Fahrer und Motor müssen dabei nichts tun. Getriebefreilauf? Das hatte doch schon der selige Trabant. Richtig, aber nur im vierten Gang. Bei den DSG-Modellen des VW-Konzerns soll es zukünftig in allen Fahrstufen funktionieren. Die Technik wird gerade sukzessive eingeführt.

So funktioniert‘s: Die Steuerung des Doppelkupplungsgetriebes erkennt, wenn kein Gas gegeben wird, und schaltet automatisch in den Leerlauf. Dadurch wirkt das Schleppmoment des Motors nicht mehr auf den Antriebsstrang, Drehzahl und Durst des Motors sinken. Zwei Haken: Der Motor stellt sich nicht ab und beim plötzlichen Gasgeben sortiert das DSG ganz schön lange und legt den Gang mit einem spürbaren Ruck ein.

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