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Technik BMW 7er

Wolke Sieben

Foto: BMW 13 Bilder

Im neuen BMW 7er soll das neu entwickelte Fahrwerk höchste Fahrdynamik im Luxus-Segment mit bestem Federungskomfort verbinden. Innovationen gibt es auch bei Antrieb, Navigation und Assistenzsystemen.

26.08.2008 Hermann-Josef Stappen

Auch wenn sportliche Fahreigenschaften zum Erbgut der Marke BMW gehören, entwickelt sich nicht jedes neue Familienmitglied ohne weiteres Zutun zum aktiven Sportler. Vor allem dann nicht, wenn wie im Falle des 7er ein gewisser Hang zum Übergewicht in den Klassengenen verankert ist und es ausgewachsene Exemplare schnell auf zwei Tonnen bringen. Ein spezielles Fitness-Programm sollte beim neuen Siebener deshalb helfen, die guten familiären Anlagen zum Vorschein zu bringen.

Neue Vorderachse

Zum Grundlagen-Training gehörte die Entwicklung einer komplett neuen Vorderachse. Statt an einer Federbeinachse werden die Vorderräder erstmals bei BMW an doppelten Querlenkern geführt. Solchermaßen von Radführungsaufgaben befreit, soll die Federung besonders sensibel ansprechen. Außerdem ermöglicht die Konstruktion eine präzisere Radführung und durch die spezielle Kinematik höhere Seitenführungskräfte bei Kurvenfahrt.

Serienmäßig besitzt der Siebener zudem variable Dämpfer, bei denen Zug- und Druckstufe dank jeweils eigener Ventile erstmals unabhängig voneinander verstellt werden können. Das erfolgt stufenlos und automatisch je nach Fahrsituation und Einstellung der ebenfalls serienmäßigen Fahrdynamik Control. Über den entsprechenden Schalter in der Mittelkonsole wird aber nicht nur die Dämpferkennung in den Stufen „Comfort“, „Normal“, „Sport“ und „Sport+“ vorgewählt, sondern auch das Ansprechverhalten von Gaspedal, Automatikgetriebe, DSC und Servolenkung spürbar beeinflusst.

Beim Basisfahrwerk bezieht sich das jedoch nur auf die Lenkunterstützung. Erst mit der optionalen Integral-Aktivlenkung (1.750 Euro) erfolgt auch eine Anpassung der Lenkübersetzung. Zusätzlich zur bisher nur für 5er und 3er lieferbaren Aktivlenkung per Überlagerungsgetriebe an der Vorderachse verfügt das System im 7er über lenkbare Hinterräder. In diesem Fall wirkt ein an der weiterentwickelten Integral-Hinterachse angebrachter Elektromotor per Spindeltrieb auf die hinteren Spurstangen und ermöglicht so Lenkwinkel von bis zu drei Grad.

Hinterräder schlagen ein

Beim Rangieren und bei Geschwindigkeiten bis etwa 60 km/h schlagen die Hinterräder in die den Vorderrädern entgegengesetzte Richtung ein, wodurch besonders bei den L-Modellen mit 14 Zentimeter längerem Radstand die Wendigkeit verbessert wird.

In die gleiche Richtung wie vorne erfolgt der Einschlag der Hinterräder bei höherem Tempo. Dadurch erhöht sich die Stabilität beispielsweise bei Ausweichmanövern auf der Autobahn, weil das System die Aufteilung der Seitenkräfte zwischen Vorder- und Hinterachse besser ausbalanciert. Gleichzeitig wird die Drehbewegung der Karosserie um die Hochachse mit ihren großen Trägheitsmomenten reduziert, was bei hoher Fahrgeschwindigkeit die gefürchteten Konter beim Zurücklenken auf die ursprüngliche Fahrbahn vermindert.

Noch weiter verfeinern lässt sich das Fahrwerk des 7ers wie schon beim Vorgänger mit der Dynamic Drive genannten Wankstabilisierung (2.360 Euro), die sowohl alleine als auch in Verbindung mit der Integral-Aktivlenkung geordert werden kann.

Alle Fahrwerkssysteme sowie E-Gas und Automatikgetriebe werden vom Integrierten Chassis Management (ICM) koordiniert, um über die effektivste Kombination der verschiedenen Eingriffmöglichkeiten das Fahrverhalten dem Fahrerwunsch und der aktuellen Situation bestmöglich anzupassen. Untereinander vernetzt sind die Einzelsysteme des ICM über die besonders schnelle Datenverbindung Flex Ray.

Wie gut das funktioniert, konnte auto motor und sport bei ersten Testfahrten mit einem nahezu dem Serienstand entsprechenden 750 Li-Prototyp erfahren. In der „Comfort“-Stellung gleitet die Limousine ruhig über kurze wie lange Bodenwellen hinweg, ohne dabei wie ein Schiff auf hoher See zu schaukeln. Mit jeder Betätigung des Fahrdynamik Control-Tasters in Richtung „Sport“ wird die Abstimmung straffer und das Fahrverhalten agiler. Den Handling-Kurs meistert der Zweitonner mit bemerkenswerter Leichtigkeit, den Slalom und die Ausweichgasse sicher und mit hoher Präzision. So beweist der neue Siebener, dass er ein echter Spross der BMW-Familie ist – nicht zuletzt dank innovativer Fahrwerktechnik. Spätere Tests müssen allerdings zeigen, ob das auch für Modelle mit Basisfahrwerk gilt.

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