TFT-Bildschirme im Auto: Neue Bediensysteme im Test

Porsche 918 Spyder

Die klassischen Cockpit-Anzeigen bekommen zunehmend Konkurrenz von TFT-Bildschirmen. Mit ihrer Flexibilität eignen sie sich ideal für die immer komplexer werdenden Informationen und Funktionen.

Die Ausgangslage ist ein Traum für jeden Techniker: "Wir fingen beim Cockpit für den Porsche 918 Spyder mit einem weißen Blatt Papier an", strahlt Porsche-Elektronik-Entwickler Rolf Hartmann. Ohne Rücksicht auf Firmentraditionen galt es, ideale Anzeige- und Bedienelemente für das in Genf präsentierte Hybrid-Konzeptauto zu entwickeln. Trotzdem kein leichtes Unterfangen, denn schließlich sollte der Fahrer in die Lage versetzt werden, das Zusammenspiel von Elektro- und Benzinantrieb im Auge zu behalten sowie umfangreiche Komfort- und Assistenzsysteme möglichst ablenkungsfrei zu bedienen.

Porsche 918 Spyder: Neuartiges Bediensystem

Als Erstes entrümpelte Hartmanns Team im Porsche 918 Spyder das Lenkrad. Sämtliche Tasten dienen ausschließlich Fahrfunktionen wie Licht, Scheibenwischer, Gangwahl oder Hybrid-Modus. Multimedia-Anwendungen wie Radio oder Telefon wurden vom Steuer verbannt. Rein ums Fahren geht es auch bei den drei Rundinstrumenten, von denen nur noch der zentrale Drehzahlmesser über einen konventionellen Zeiger verfügt.

Die Zusatzanzeigen rechts und links bestehen aus TFT-Displays, denen eine dreidimensional abgesetzte Skala am Rand die Wertigkeit edler Armbanduhren geben soll. Dank hochauflösender XVGA-Displays versprechen die virtuellen Zeiger, vom Fahrersitz aus so echt wie ihre gedruckten Kollegen zu wirken. Zudem lassen sich bei Bedarf weitere Funktionen einblenden.

Von einem elektronischen Copiloten könnten sich Porsche 918 Spyder-Fahrer auf Rennstrecken Bremspunkte anzeigen lassen oder auf öffentlicher Straße, in wieviel Metern ein Überholverbot aufgehoben wird. Die nötigen Informationen über Kurvenradien und Verkehrszeichen steuert das Navigationsgerät bei.

Bediensystem im Porsche 918 Spyder funktioniert über Touchscreen

Im Porsche 918 Spyder wird der Routenführer selbst über einen riesigen Touchscreen bedient, der den größten Teil der Mittelkonsole einnimmt. Der Black-Panel-Monitor sieht nicht nur edel aus, durch die flexible Belegung mit unterschiedlichsten Funktionen kommt die Mittelkonsole mit zwei Drehreglern aus. Durch die sensible Oberfläche des kapazitiven Displays lassen sich wie beim iPhone per Fingerschnipps MP3-Alben suchen, Telefonnummern wählen oder die Lüftung feinjustieren.

Der eigentliche Navigationsmonitor reagiert hingegen nicht auf Fingerzeig. Für optimale Ablesbarkeit wurde er sehr hoch und damit außerhalb der Griffweite platziert. Die Eignung für E-Fahrzeuge von morgen beweisen jedoch Zusatzfunktionen wie die Reichweitenanzeige, die den Teil der Karte, der nicht mehr aus eigener Batteriekraft angesteuert werden kann, dunkel färbt und Stromtankstellen markiert.

Bediensystem in Continental-Studie erlaubt Abstimmungsänderungen

Ebenfalls ganz aufs Display setzt die Continental-Studie "Simplify Your Drive". Bei dem umgebauten VW Passat CC hat der Fahrer die Möglichkeit, per Knopfdruck die Abstimmung des kompletten Fahrzeugs zu verändern. Je nachdem, ob eher sportlich oder spritsparend gefahren werden soll, stellen sich Fahrwerk, Motorsteuerung oder Automatikgetriebe um.

Da die Conti-Techniker den kompletten Instrumenteneinsatz durch einen Bildschirm ersetzten, lassen sich je nach Fahrmodus unterschiedliche Anzeigen einspielen. Geht der Fahrer auf Sport, blickt er auf einen zentralen Drehzahlmesser sowie eine Anzeige der Querbeschleunigung. Entscheidet er sich für Eco, bekommt er Empfehlungen zum spritsparenden Fahren.

Ganz nach Geschmack wäre aber auch jede andere Art der Einspielung möglich: auf das Nötigste reduzierte Basis-Informationen oder Instrumente im Nostalgie-Look. Displays lassen ihren Entwicklern eben alle Freiheiten - ganz wie ein weißes Blatt Papier.

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Dirk Gulde

Autor:

auto motor und sport, Heft 10 / 2010

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