Verkehrschilder-Erkennung: Opel-Eye und Blaupunkt-Gerät im Vergleich

Sicherheit Schilder-Erkennung

Die Anzeige von Verkehrsschildern im Cockpit soll Autofahrer eigentlich entlasten. Doch der Vergleich eines fest eingebauten Systems mit einer nachgerüsteten Lösung offenbart noch reichlich Schwächen.

Exakte Zahlen gibt es nicht, doch es dürften so um die 20 Millionen Verkehrszeichen sein, die den Rand deutscher Straßen säumen. Im Schnitt müssen Autofahrer daher alle 30 Meter ein Schild beachten, was vor allem auf langen Strecken oder bei häufig wechselnden Tempolimits enorme Konzentration abverlangt.

Opel-Eye sucht nach Überholverboten

Hersteller wie BMW, Mercedes oder Opel entwickeln daher mit ihren Zulieferern Systeme, die Verkehrsschilder automatisch erkennen und im Cockpit anzeigen sollen. Im Insignia filmt eine Kamera permanent den Straßenrand ab, um die Aufnahmen an einen Rechner zu leiten. Der untersucht sie auf bekannte Muster wie rote Ränder, die für Tempolimits stehen. Eine Bildverarbeitungssoftware vergleicht dann die Zahl im Inneren des Schildes mit hinterlegten Ziffern. Neben Tempolimits macht sich das Opel-Eye genannte System auch auf die Suche nach Überholverboten.

Doch nicht nur Neuwagenkäufer können in den Genuss der Technik kommen: Mit Blaupunkt stattet ein Navigationshersteller einige seiner Saugnapf-Lotsen mit einer Kamera plus Logik aus. Um zu untersuchen, wie sich Werks und Nachrüstlösung in der Praxis schlagen, ging auto motor und sport zunächst tagsüber bei optimaler Lichtsituation auf eine rund 80 Kilometer lange Testrunde.

Viele Falschmeldungen auf der Autobahn

Da das Opel-System erst ab 55 km/h arbeitet, zeigt es jenseits der Stuttgarter Stadtgrenze die ersten Geschwindigkeitsbeschränkungen im Bordcomputer-Display an. Nach vier richtig erkannten Schildern die erste Falschmeldung: Ein entfernt stehendes Tempo-50-Schild, das für eine Parallelfahrbahn gedacht ist, wird unserer Spur zugerechnet, auf der 80 gilt. Kaum auf der Autobahn, entgeht dem Opel Insignia eine problemlos sichtbare Tempo-100-Beschränkung, weswegen er uns unbehelligt mit 120 km/h weiterfahren lässt.

Erkennungsquote liegt bei 80 Prozent

Die Erkennungsquote liegt am Ende der Runde mit hohem Autobahnanteil bei etwa 80 Prozent. Nicht schlecht, doch unter den 20 Prozent Falschmeldungen befinden sich ein paar dicke Patzer wie die Anzeige von Beschränkungen, die nur für Gefahrgut-Lkw oder in Ausfahrten gelten. Einmal wollte das System sogar ohne nachvollziehbaren Grund bei Tempo 120 plötzlich ein 50er-Schild gesichtet haben.

Opel-Eye besser als Blaupunkt-Gerät

Im Vergleich zum Blaupunkt kommt das Opel-Eye immer noch auf eine brillante Quote: Die winzige Kamera in der Saugnapf-Navigation erkennt auf derselben Teststrecke nur rund die Hälfte aller Schilder korrekt und zeigt sich gegenüber Wechselzeichen mit LED-Lämpchen gänzlich blind. Immerhin behilft sich das Gerät, indem es Tempolimits einblendet, die auf dem Navigations- Kartenmaterial gespeichert sind. Doch die Vorteile einer Kamera-Lösung, aktuelle Veränderungen zu berücksichtigen, gehen damit verloren. Nachts müssen Blaupunkt-Kunden sogar ganz auf die gespeicherten Daten zurückgreifen. Mit Einsetzen der Dämmerung wird es der Linse zu dunkel.

Opel-Eye ist fast nachtblind

Doch auch das mit Lichtexperte Hella entwickelte Opel-Auge outet sich mit einer Erkennungsquote von rund 60 Prozent als reichlich nachtblind. Auf der gleichen Runde interpretiert es im Scheinwerferlicht blau-weiße Pfeilschilder als Überholverbote oder, noch schlimmer, macht aus der Aufhebung eines Lkw-Überholverbots das Ende des 120-km/h-Limits. Auch wenn das Opel-System mehr Schilder erkennt als das von Blaupunkt, scheint die Technik noch nicht ausgereift: Da sich der Fahrer nie hundertprozentig darauf verlassen kann, dass die Anzeige stimmt, kümmert er sich um die Schilder-Erkennung lieber weiterhin selbst.

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Dirk Gulde

Autor:

auto motor und sport, Heft 12 / 2009

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