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Backseat-Entertainment

Foto: Beate Jeske 13 Bilder

Fond-Videosysteme sind elektronischer Baldrian für die Rückbank, aber teuer. Vergleich von Werkssystemen mit einer günstigen Nachrüstlösung. Hoffentlich ist es noch weit. Um bei längeren Autofahrten diesen Satz von ihren Sprösslingen zu hören, würden viele Eltern eine Menge tun. Zum Beispiel ein Videosystem für den Fond kaufen.

05.05.2008 Alexander Bloch

Stundenlang können dann nicht nur Kinder dem Zeichentrick-Fisch Nemo auf seinem Weg nach Australien folgen oder mit einer angeschlossenen Spielkonsole neue Rekorde aufstellen. Einziges Risiko: Die kleinen Racker wollen vielleicht nicht mehr aus dem Auto raus, bevor der Film zu Ende oder der Spiellevel geschafft ist.

So ein Rücksitz-Videospaß muss nicht einmal teuer sein. Beim letzten Test der Bildschirm-DVD-Einheiten zeigte ein 199 Euro teures Nachrüst-Gerät selbst teilweise 15 Mal so teuren Werksangeboten, was ein gutes Bild ist.

Plug-and-Play-Lösung ist günstiger

Allerdings mit einem eklatanten Nachteil: Die Crashsicherheit von Bildschirmen, die nur um die Kopfstütze geschnallt sind, ist dürftig. Bei einem Frontaufprall können die Systeme zu gefährlichen Elektronikschleudern werden. Der Hersteller Alea aus dem bayerischen Greifenberg integriert bei seinem 399 Euro teuren Videosystem zum Nachrüsten daher die DVD-Einheit in eine fertig konfigurierte Kopfstütze. Alte Stütze raus, neue rein, fertig ist die Fond-Belustigung.

Klingt verlockend, aber kann eine solche Plug-and-Play- Lösung mit den integrierten Systemen der Auto-Hersteller mithalten? Stolze 2.320 Euro verlangt VW für seinen ausklappbaren Deckenmonitor im Touareg. Immerhin liegen bei der VW-Einheit neben der Fernbedienung zwei Infrarot-Kopfhörer für drahtlosen Musikgenuss bereit. Über zwei 3,5-Millimeter-Buchsen lassen sich aber auch normale Kabel-Kopfhörer andocken, und ein Cinch-AV-Eingang nimmt die Bild- und Tonsignale von externen DVD-Spielern oder Spielekonsolen an. Außer einer logisch aufgebauten Fernbedienung steuern große, bei Nacht beleuchtete Tasten an der Deckeneinheit den Videospaß. Ein wichtiges Detail, wenn die Kontrolleinheit mal in den Untiefen des Autos verloren gegangen ist. Leider sitzen die Knöpfe aber etwas zu hoch für den im Kindersitz festgeschnallten Nachwuchs.

Das Bild des sieben Zoll und damit 18 Zentimeter in der Diagonale messenden LCD-Monitors überzeugt nicht vollkommen. Die Darstellung wirkt körnig, und bei schnellen Bewegungen zeigen sich deutliche Unschärfen an den Kanten. Probleme, die schon beim Test der Rearseat-Lösung für den Touran auftraten. Dafür passen die Farben, und die Helligkeit lässt sich schnell und feinfühlig regulieren. Aus beiden Kopfhörern dringt zwar auch das typische, an UKW-Sender erinnernde Rauschen von Infrarot-Systemen, sie erlauben mit ihrem ausgewogenen und bassstarken Klang aber über Stunden hinweg angenehmen Filmgenuss. Die DVD-Einheit im Ford S-Max glänzt sogar mit zwei Bildschirmen. Sauber integriert sitzen die beiden sieben Zoll großen LC-Displays direkt in den Kopfstützen.

Happige Mehrkosten bei Werkssystemen

Trotzdem sind 2.525 Euro ein happiger Aufpreis, der für viele Familien nicht zu stemmen ist. Ohne Bedienungsanleitung dürfte aus dem Erstkontakt ein Such-den-DVD-Spieler werden, denn die Einheit sitzt unter dem Beifahrersitz versteckt hinter einer schmutzabweisenden Klappe. An ihrer Front leuchten zwar Tasten, aber die sind auch vom Beifahrer nur mit orthopädisch bedenklichen Verrenkungen zu erreichen. So bleibt nur die recht logisch aufgebaute Fernbedienung und die Hoffnung, dass sie nie wirklich fern sein möge. Zwei getrennte Cinch-AV-Eingänge versprechen zudem Linderung, wenn sich der Nachwuchs über das Filmmaterial mal nicht einig werden sollte. Leider fehlen dafür aber Kopfhörer-Klinken. Wer mit dem Klang der beiden mitgelieferten Infrarot-Kopfhörer nicht glücklich ist, kann diese nicht einfach gegen bessere tauschen. Doch kleine Kinder werden wohl nicht bemängeln, dass die Hörer (baugleich mit dem VW-System) zwar unaufdringlich und voll klingen, aber Luftigkeit und Glanz in den Höhen vermissen lassen.

Da wird schon eher ein „Papa, Streifen“ von der Rückbank tönen. Denn die beiden Bildschirme bieten zwar eine rauschfreiere und schärfere Darstellung als das VW-System, aber mit leichten Flimmerstreifen diagonal über dem Display. Bildprobleme, die das BMW-System nicht kennt. Der auf der Mitteltunneleinheit sitzende Monitor lässt sich mit seiner Halterung nicht nur in alle möglichen Richtungen drehen, sondern verwöhnt zudem mit einer besonders klaren Video-Wiedergabe.

Kaum Rauschen, saubere Kanten und natürliche Farben lassen auf ein sehr hochwertiges LCD-Paneel schließen. Als Einziger im Test schaffte er es auch, die für Widescreen-Filme typischen schwarzen Ränder oben und unten automatisch auf sehr schmale Bänder zu reduzieren. Nur die maximale Leuchtstärke dürfte noch etwas höher sein. Bedient wird das BMW-Fondsystem über eine i-Drive-Einheit. Keine glückliche Lösung: Erstens besteht keine Notwendigkeit, Fondpassagiere vor Ablenkung zu schützen, und zweitens ist die Ein-Knopf-Menüsteuerung in diesem Fall einfach lästig. Immerhin lassen sich der Kapitelsprung und die Lautstärke über praktische Direktregler einstellen. Anders als die passenden Klinkenbuchsen werden Kopfhörer nicht mitgeliefert.

Ebenfalls nicht im Preis von 2.770 Euro enthalten sind zusätzliche Cinch-AV-Eingänge und ein DVD-Spieler. Ein Sechsfach-DVD-Wechsler für den Kofferraum kostet noch einmal 1.030 Euro Aufpreis. Nicht zu vergessen der analog-digitale Fernsehtuner für 1.650 Euro, ohne den der Fond-Bildschirm nicht bestellbar ist. Insgesamt ein empfindlicher Zuschlag – selbst für 7er-Besitzer.

Alea-Nachrüstsystem für 399 Euro

Dagegen sind die 399 Euro für das Alea-Nachrüstsystem erheblich familienfreundlicher. Die vom TÜV Rheinland crashgetestete, gut verarbeitete Kopfstützeneinheit lässt sich flexibel an viele Halterungen anpassen (im Test VW Passat). Bei aktiven Kopfstützen-Systemen sollte man aber die Finger vom Austausch lassen. Mit der Stromversorgung über einen Zigarettenanzünder ist der Umbau in einer knappen Minute erledigt. Fast vorbildlich zudem die Ausstattung des günstigen Systems: Neben einem Infrarot- Kopfhörer liegen sogar zwei Spiele-Controller und eine DVD mit Nintendo-Spiele-Klassikern bei. Einfache zwar, aber immerhin. Auch bei den Anschlüssen übertrumpft die Nachrüstlösung die teuren Werkssysteme: Neben einem Speicherkartenleser warten eine USB-Buchse und ein Video-Ausgang auf Spielpartner. Fehlt nur ein Video-Eingang zur Vollständigkeit.

Insgesamt lässt sich das Alea-System mit seinen Tasten am Gerät erfreulich einfach bedienen. Nur auf eine Nachtbeleuchtung der Knöpfe muss man verzichten, und die flache Fernbedienung ist zu unübersichtlich. Zudem könnten Schokoladen-Finger die beim Beladen offenliegende Lasereinheit beschädigen. Dafür entschädigt der erstaunlich scharfe und farbenfrohe Monitor, der sogar die VW- und Ford-Displays schlägt. Der Kopfhörer klingt bassstark und unaufdringlich, produziert aber leise zirpende Nebengeräusche. Über einen eingebauten FM-Transmitter lässt sich der Ton alternativ direkt auf den Radio-Empfänger des Auto-Soundsystems übertragen. So bietet das Alea-Gerät viel Videospaß für kleines Geld. Ein Ziel, das sich auch die Autohersteller setzen sollten.

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