Werkstätten-Test 2009: Fiat bleibt weiter unter den Erwartungen

Fiat Werkstättentest 2009

Nach der Schraubens-Krise im Werkstätten-Test vor zwei Jahren bleibt Fiat auch beim aktuellen Service-Check von auto motor und sport deutlich unter den Erwartungen. Nur ein Betrieb ist sehr empfehlenswert, drei Werkstätten fielen komplett durch.

Notorische Optimisten versuchen in Krisenzeiten immer positiv zu denken und bezeichnen bereits eine Stagnation als Trendwende. Doch obwohl Fiat im diesjährigen Werkstätten-Test das gleiche Ergebnis wie 2007 (zum Werkstätten-Test 2007) einfährt: Den Stillstand der italienischen Marke in puncto Servicequalität auf niedrigem Niveau kann kaum einer als Erfolg betrachten - das Niveau ist zu niedrig. Wie vor zwei Jahren haben die acht getesteten Fiat-Betriebe auch 2009 im Schnitt nur erschreckende 55 Prozent der präparierten Mängel korrekt behoben.

Drei von Acht Fiat-Werkstätten sind durchgefallen

Immerhin gab es diesmal keine Nullnummer. 2004 fand ein Betrieb keinen einzigen der versteckten Fehler und machte damit Fiat zum alleinigen Negativ-Rekordhalter in der 27-jährigen Geschichte des Werkstätten-Tests von auto motor und sport. Doch auch in diesem Jahr fielen drei Betriebe mit "nicht empfehlenswert" durch. Drei Mal gab es ein "bedingt empfehlenswert", und nur jeweils ein Service-Partner heimste ein "empfehlenswert" sowie ein "sehr empfehlenswert" ein.

Alle acht Fiat-Betriebe sollten eine große Inspektion durchführen

Dabei ist ein erfolgreiches Abschneiden gar kein Hexenwerk. Wie immer gaben die Tester unterschiedliche Punto-Modelle mit einem präzisen Auftrag in der Werkstatt ab. Alle acht Betriebe sollten eine große Inspektion durchführen. Wird die Wartungsliste korrekt abgearbeitet, müssten alle verdeckten Mängel auffallen. Mit abgehakten Check-Plänen, aber nicht behobenen Mängeln verschleiern die Betriebe ihre schlechten Arbeitsleistungen. Beim Autohaus Klaus in Friedberg bei Augsburg bekommt der Kunde erst gar keine Wartungsliste nach der Inspektion ausgehändigt. Kein Wunder - sie wäre möglicherweise auch mit Falschmeldungen übersät. Mit fünf von 29 Punkten liegt das bayerische Autohaus auf dem letzten Platz.

Eine Fiat-Werkstatt handelte sogar grob fahrlässig

Dabei berechnet der Testverlierer für seine Laxheit auch noch saftige 298,11 Euro. So rollt der Punto bei Klaus nach dem Bezahlen der Rechnung mit nahezu allen Mängeln wieder aus der Werkstatt. Doch verstellte Scheinwerfer, eine ausgehängte Kraftstoffleitung, deutlich zu niedriger Luftdruck im rechten Hinterrad und im Reserverad, eine defekte Hupe sowie ein loses Abdeckblech über dem Abgas-Endtopf nicht zu bemerken, ist nicht nur indiskutabel aus Sicht des Kunden, sondern schlicht grob fahrlässig.

Fünf von Acht Betrieben kümmerten sich nicht um die ausgehängte Kraftstoffleitung

Eine knallblaue Leitung mutiert zum roten Faden der Testreihe. Die Farbe der ausgehängten Kraftstoffleitung ist am sonst dunklen Fahrzeugunterboden unübersehbar, trotzdem finden fünf Betriebe diesen Mangel nicht. Ebenso selten weisen die Werkstätten auf den Kühlwasserverlust hin. Alle füllen zwar den abgesenkten Wasserstand wieder auf, fünf Mal wird aber auf den unerklärlichen Flüssigkeitsverlust nicht hingewiesen. Nur zwei Betriebe betreiben Ursachenforschung. Bei B. Sperling & Sohn in Hamburg findet der Meister Marderbisse im Kühlwasserschlauch, und bei der Automobilgruppe Dirkes diagnostiziert der Service-Mann eine defekte Wasserpumpe. Egal was der Auslöser für den heftigen Wasserverlust ist, der Kunde muss auf jeden Fall darauf hingewiesen werden, das vermeintliche Leck im Kühlsystem weiter zu beobachten.

Nur die Kölner Fiat-Werkstätten stellten die Scheinwerfer korrekt ein

Häufigste nicht gefundene Mängel nach der ausgehängten Kraftstoffleitung und dem fehlenden Hinweis zur Kühlwasser-Beobachtung: In jeweils drei Betrieben fanden die Monteure den defekten Seitenblinker im vorderen rechten Kotflügel sowie das lose Abdeckblech über dem Auspuff nicht. Die verstellten Scheinwerfer zu justieren scheint ein genauso problematisches Unterfangen für die Fiat-Betriebe zu sein. Nur die Kölner Werkstätten (Bodewig, Breit, Dirkes) ließen sich nicht narren und brachten die Halogen-Lampen auf den richtigen Stand. Beim Testverlierer und beim Vorletzten Weinböhla blieb das Punto-Signalhorn außerdem nach der Inspektion stumm - bis auf die beiden Schlusslichter fanden alle Betriebe die defekte 15-Ampere-Sicherung der Hupe. 

Aus der Direktannahme wird allzu oft eine Blitzannahme

Im Autohaus Weinböhla fällt nicht nur die magere Punkteausbeute von sechs Zählern für die Arbeitsqualität auf. Die sächsische Werkstatt bei Dresden lieferte auch die miserabelste Serviceleistung ab. Lediglich die Rechnung erläuterte der Meister mürrisch im Schnellverfahren, eine Auftragsbestätigung, eine Probefahrt und ein gewisses Maß an Freundlichkeit gab es genauso wenig wie eine Dialogannahme.

Blitz- statt Direktannahme lautet scheinbar das Service-Motto bei den getesteten Fiat-Werkstätten. Sechs Mal fand keine Dialogannahme auf einer Hebebühne statt, und die Tester verließen nach wenigen Minuten das Gelände. An eine ebenso schnelle Abholung war allerdings nicht zu denken. Die einfache Frage "Können wir unser Auto morgen vielleicht gegen zwölf Uhr wieder zurückhaben?" stellte in so manchem Betrieb unüberwindbare Hürden dar. "Zwischen 12 und 13 Uhr können Sie Ihr Fahrzeug nicht abholen, da machen wir Mittag", hieß es beispielsweise beim Autohaus Klaus.

Kassenfüller zur Kostensteigerung bleiben eher die Ausnahme

Fragen zur Rechnung blieben selten offen, bei sieben Betrieben erläuterten die Service-Kräfte das Schriftstück. Nur bei Bodewig in Köln kassierte die Sekretärin und blockte sofort jedes weitere Gespräch ab: "Falls Sie noch Fragen haben, müssen Sie noch mal in die Werkstatt gehen." Die Frage, warum die Inspektionskosten am Grande Punto so hoch waren, konnte der Meister bei Testsieger Dirkes nicht beantworten. So beliefen sich die Inspektionskosten inklusive zugehöriger Teile und Lohn auf happige 361,78 Euro. Breit berechnete für den großen Service am identischen Punto-Modell rund 100 Euro weniger. Ungebetene Kassenfüller zur künstlichen Kostensteigerung sind bei den meisten Werkstätten die Ausnahme. Lediglich Breit (Scheibenklar für 2,30 Euro) und Bodewig (Langzeit-Intervallschutz für 1,81 Euro) treiben die Kosten hoch.

Fiat-Werkstatt aus Hamburg wird Service-Sieger

Auch wenn Testgewinner Dirkes als einziges Autohaus alle Mängel aufdeckt, zeigt der Kölner Betrieb leichte Service-Schwächen (keine Direktannahme). Punto-Fahrer, die eine gute Leistung und ebenso guten Service wünschen, werden in Hamburg zufriedengestellt. B. Sperling & Sohn in der Hansestadt krönt sich mit insgesamt 26 Punkten und einer besonders guten Serviceleistung zum Meister der Herzen. Der Werkstatt-Meister ist freundlich und erklärt sämtliche Arbeiten schon bei der gewissenhaften Dialogannahme. Neukunden bekommen bei B. Sperling & Sohn außerdem einen so genannten "Service-Treuepass" und können sich nach der fünften Inspektion über einen kostenlosen Ölwechsel freuen - eines der wenigen Glanzlichter im auto motor und sport-Werkstätten-Test und gewiss kein Hexenwerk.

Alle Werkstättentests 2008/2009

Gegendarstellung zum Fiat-Werkstätten-Test

In der Zeitschrift auto motor und sport,Ausgabe 15/2009 vom 02.07.2009 ist auf den Seiten 138 ff. ein Beitrag "Werkstätten-Test: Teil 2 Fiat" erschienen, indem in Bezug auf Firma Autohaus Gröbel GmbH unrichtige Behauptungen verbreitet werden, die ich wie folgt richtig stelle:

1. Unrichtig ist, dass die Frontscheinwerfer rechts seitlich um 1,5 cm nach innen verstellt waren. Richtig ist vielmehr, dass bei dem zur Durchsicht vorgestellten Fahrzeug des Typs Punto176, Baujahr 1997 Fahrgestellnummer: ZFA17600000901069 eine seitliche Verstellung der Frontscheinwerfer mit der Stellvorrichtung maximal mit einer Ausdehnung von 5 mm technisch möglich ist und demzufolge die behauptete Einstellung nicht vorlag.

2. Unrichtig ist, dass an dem uns vorgestellten Fahrzeug der in der Höhe um 1 cm nach unten verstellte Scheinwerfer links nicht anlässlich der Inspektion korrekt eingestellt worden sei. Richtig ist vielmehr, dass die Einstellung ordnungsgemäß und ohne Berechnung vorgenommen wurde.

3. Unrichtig ist die Behauptung, dass an dem uns vorgestellten Fahrzeug die Kraftstoffleitung aus der hinteren Halterung gelöst gewesen sei. Richtig ist vielmehr, dass die Kraftstoffleitung auf der gesamten Wagenlänge ordnungsgemäß befestigt war und demzufolge einer Befestigung nicht bedurfte.

4. Unrichtig ist, dass an dem uns vorgestellten Fahrzeug der Seitenblinker vorne rechts defekt gewesen sei. Richtig ist vielmehr, dass die gesamte Beleuchtungsanlage sowohl im Zeitpunkt der Direktannahme am 22.4.2009 als auch der Durchführung der Wartungsarbeitam 23.04.2009 funktionsfähig war und einer Instandsetzung nicht bedurfte.

5. Unrichtig ist, dass an dem uns vorgestellten Fahrzeug das Abdeckblech über dem Auspufftopf lose war. Richtig ist vielmehr, dass das Abdeckblech an dem vorgestellten Fahrzeug des Typs Punto, Baujahr 1997 mit den herstellerseitig vorgesehenen 6 Befestigungsschrauben ordnungsgemäß befestigt war und demzufolge keiner Befestigung bedurfte.

6. Unrichtig ist weiter die Behauptung, die Ursache des festgestellten Kühlwasserverlustes hätte geklärt werden sollen. Richtig ist vielmehr, dass der Auftrag trotz entsprechender Nachfrage ausdrücklich auf die Durchführung des Wartungsservices, die Reparatur der Hupe und den Austausch der Wischerblätter beschränkt war. Zum vorgeschriebenen Umfang des Wartungsservice gehört nicht die Prüfung der Ursache des festgestellten Kühlwasserverlustes.

Dresden, den 22.07.2009

Thomas Gröbel
Geschäftsführer
Autohaus Gröbel GmbH


Nach Landespressegesetz ist die Redaktion zum Abdruck der Gegendarstellung ohne Rücksicht auf den Wahrheitsgehalt verpflichtet. Wir stellen klar: Jeder einzelne präparierte Mangel wurde unmittelbar vor Abgabe des Fahrzeugs bei der Werkstatt mit Angabe des Datums und der Uhrzeit dokumentiert.

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Christian Gebhardt

Autor:

auto motor und sport, Heft 15 / 2009

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