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Werkstättentest Renault 2008

Renault weiter auf niedrigem Niveau

Foto: Reinhard Schmid 10 Bilder

Die gute Nachricht: Renault hat sich im Werkstätten-Test nicht verschlechtert. Die schlechte Nachricht: Die Franzosen haben aus ihren Fehlern nichts gelernt. Sie sind auf dem gleich niedrigen Niveau wie beim auto motor und sport-Werkstätten-Test im Jahr 2006.

23.09.2008 Bianca Leppert

Wie heißt es im Spielkasino beim Roulette so schön? „Rien ne va plus – nichts geht mehr.“ Dieser französische Ausspruch trifft das Abschneiden von Renault im diesjährigen auto motor und sport-Werkstätten-Test, wenn man ihn leicht abwandelt: Mehr geht anscheinend nicht. Statt Fortschritt ist bei dem französischen Automobilhersteller Stillstand angesagt. Seit dem letzten Test dieser Marke im Jahr 2006 verbesserten sich die Werkstätten nicht, sondern verharren exakt auf der gleichen Erfüllungsquote: Nur 69 Prozent der Mängel wurden korrekt behoben. Die in der Vergangenheit angekündigten Maßnahmen, zwei Mal pro Jahr bei jedem Renault-Vertragspartner in eigener Regie zu kontrollieren, haben offensichtlich wenig gebracht.

Denn die acht von auto motor und sport verdeckt angesteuerten Werkstätten zwischen Freiburg und Hannover gehörten nicht gerade zur Crème de la crème. Zwei Werkstätten fallen mit „nicht empfehlenswert“ durch, drei erhielten das Urteil „bedingt empfehlenswert“, nur weitere drei das Prädikat „empfehlenswert“.

Inspektion nicht ganz ernst genommen

Einige der besuchten Werkstätten nahmen den Termin zur großen Inspektion für den Clio wohl nicht ganz ernst. Dabei ist es wahrlich kein Kunststück, die sechs von auto motor und sport präparierten Mängel am Auto zu finden. Ein konsequentes Abarbeiten der Renault-Checkliste müsste alle Fehler im Rahmen der großen Inspektion aufspüren und beseitigen. Ein Häkchen findet sich in jedem Feld der Checkliste der Niederlassung Frankfurt. Einer Reparatur à la carte entspricht die Arbeit aber ganz und gar nicht. Mit neun von 25 Punkten schnitt ausgerechnet die Niederlassung in Frankfurt als schlechtester Betrieb im Test ab.

Bei der Abgabe des Clio bleibt der Meister wie angewurzelt in seinem Bürostuhl sitzen und schaut sich das Auto noch nicht einmal an. Selbst einfach zu bewältigende Arbeiten wie das Einstellen der Scheinwerfer gelingen nicht. Schließlich nahm es der Meister mit dem Abhaken nicht mehr so genau, denn der Vermerk für den Ölwechsel und für den Wechsel der Bremsflüssigkeit fehlen im Serviceheft. Extra-Posten wie Scheibenklar und Schmiermittel ziehen dem Kunden zusätzlich zehn Euro aus der Tasche. Es ist nur ein schwacher Trost, dass die Flaschen mit dem restlichen Inhalt im Auto liegen.

Auch beim Autohaus Kraft in Seeheim-Jugenheim bereitete die von auto motor und sport gestellte Aufgabe Probleme. Zwar fühlt sich der Kunde in dem kleinen, familiären Autohaus gut aufgehoben, doch die Arbeit der Werkstatt bestätigte diesen Eindruck nicht.

Viele Mängel blieben unerkannt

Die falsch eingestellten Scheinwerfer und der fehlende Hinweis auf den Kühlflüssigkeitsverlust fallen nicht nur beim Autohaus Kraft und im Frankfurter Betrieb unangenehm auf, sondern entpuppen sich als Manko der meisten Renault-Werkstätten. Nur die Autohäuser Bartels Häger, Henze – beide in Hannover – und Kara in Darmstadt brachten Licht ins Dunkel und stellten die Scheinwerfer ordnungsgemäß ein. Dabei ist das Motto „sehen und gesehen werden“ für Autofahrer von größter Bedeutung. Beim Punkt „Verlust der Kühlflüssigkeit“ gelang es der Thüringengarage in Erfurt als einziger Werkstatt, die volle Punktzahl einzustreichen. Dass die Kühlflüssigkeit auf Minimum abgesenkt war, bemerkten zwar nahezu alle getesteten Werkstätten und füllten bis zum Maximum auf. Doch ein erkannter Mangel ist noch lange kein Garant dafür, dass die Ursache behoben wurde.

Das hätten die Meister mit einem Hinweis an den Kunden, den Kühlmittelstand zu beobachten, machen müssen. Wenn man bedenkt, dass zu wenig Kühlflüssigkeit zu einem Motorschaden führen kann, ist diese Aufforderung unerlässlich.

Rechnungen weisen typische Kassenfüller auf

Kopfschütteln ruft auch die Rechnung des Autohauses Kara hervor. Dort taucht ein Posten namens Inspektionssatz für 11,54 Euro auf – ein typischer Kassenfüller. In der Werkstatt ging alles recht flott, und die Mechaniker übersahen einiges. Am Schluss reicht diese Leistung nur für das Prädikat „Bedingt empfehlenswert“.

Gleiches gilt für die Autohäuser Gutmann und Regio-Car im Raum Freiburg. Auch diese beiden Werkstätten waren nicht in der Lage, die Scheinwerfer korrekt einzustellen und den Kunden auf die Beobachtung der Kühlflüssigkeit hinzuweisen. Umso mehr sorgten beide Betriebe für den eigenen Umsatz. Ohne Rückfrage beim Kunden tauschte Gutmann das Wischerset und das hintere Wischerblatt aus, obwohl alle drei bei Abgabe noch in Ordnung waren. Regio-Car verlangt mit 74,97 Euro das meiste Geld für Öl. Dass es gute Qualität schon für weniger Geld gibt, beweisen die Autohäuser Bartels Häger, Henze und Thüringengarage. Alle drei Betriebe schlossen den Test punktgleich mit „empfehlenswert“ ab und retteten damit die Ehre der Franzosen.

Nur drei Betriebe empfehlenswert

Während bei Henze und Bartels Häger der ausgebliebene Hinweis zum Kühlflüssigkeitsverlust ein perfektes Ergebnis verhindert, waren es bei der Thüringengarage die leicht zu hoch eingestellten Scheinwerfer. Trotz der guten Arbeit gab es aber auch bei diesen Betrieben Kleinigkeiten zu beanstanden. So ärgert das Autohaus Henze den Kunden zum Beispiel mit einem Entgeld für eine ominöse Entsorgung. Bartels Häger fiel durch eine ausgebliebene Direktannahme aus der Reihe. In der Thüringengarage wird der Schmierstoff zusätzlich berechnet.Das Zünglein an der Waage spielte schließlich der außerordentlich gute Service des Autohauses Thüringengarage. Mit dem Titel „Testsieger“ erntet der Betrieb die Früchte seiner Arbeit. Die Mitarbeiter haben alle ein Lächeln für den Kunden und nehmen sich viel Zeit. Einen dicken Pluspunkt gab es ebenfalls für den Preis der Inspektion. Hier herrscht verkehrte Welt: Mit 174,80 Euro ist die Thüringengarage nicht nur günstigste Werkstatt im Test, sondern auch nur etwa halb so teuer wie die Niederlassung in Frankfurt als Test-Verlierer und teuerster Betrieb.

Zwei fallen durch

Doch die vorbildliche Arbeit des Thüringer Autohauses bleibt die Ausnahme. Zwei Vertragswerkstätten mit dem Testurteil „nicht empfehlenswert“ und drei mit „bedingt empfehlenswert“ sind einfach zu viel. Streng genommen gilt: Der Kunde zahlt für eine Leistung, die nur unvollständig erbracht wird. Will sich Renault in Zukunft steigern, müssen die Werkstätten noch präziser arbeiten. Denn sonst hat der Kunde irgendwann genug und sagt sich „Rien ne va plus – nichts geht mehr.“

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