Absturz für Ford im Werkstättentest 2010 nach dem Aufwärtstrend 2008: Um die Arbeitsqualität ist es in fünf der acht überprüften Vertragswerkstätten nicht gut bestellt. Im Durchschnitt werden über 40 Prozent der präparierten Mängel an einem Ford Focus nicht korrekt behoben.
Wie gewonnen, so zerronnen: Noch vor zwei Jahren wähnte sich Ford-Servicechef Jochen Coelsch nach einer stattlichen Steigerung von 19 Prozentpunkten gegenüber dem miserablen Ergebnis vom Werktstättentest 2006 "in der richtigen Richtung" und zeigte sich erfreut über den großen Schritt nach vorne, wozu seiner Ansicht nach "umfangreiche Qualitätssicherungsmaßnahmen und forciertes Durchführen von internen Tests" beigetragen hatten.

Werkstättentest · Ford · Service · Inspektion · Reparatur · Mängel
Vier Autohäuser fallen durch
Nach dem diesjährigen Werkstättentest von auto motor und sport hat sich der Höhenflug des Kölner Unternehmens nicht fortgesetzt - die Welt sieht für Ford wieder weniger rosig aus. Die Erfolgsquote bei der Arbeitsqualität geht bei den acht ausgewählten Vertragshändlern in den vier Regionen Landshut/München, Saarbrücken, Bochum und Berlin von 68 auf 59 Prozent zurück. Vier Autohäuser (Ewald in Erding, Dinnebier in Berlin, Borgmann in Herne und La Linea Franca in Saarbrücken) fallen mit "Nicht empfehlenswert" durch, Stephan in Berlin schließt mit "Bedingt empfehlenswert" ab, und nur für die drei Autohäuser Bunk in Völklingen, Müller in Püttlingen und Köster in Castrop-Rauxel steht unter dem Strich ein "Empfehlenswert".
Die Bestnote "Sehr empfehlenswert" für eine makellose Arbeitsleistung erreicht im diesjährigen Werkstättentest keiner der getesteten Betriebe. Dabei müssen die einzelnen Werkstätten keine Wunderdinge vollbringen. Sie sollen nur das abarbeiten, was der Kunde mit dem Auftrag einer großen Inspektion erwarten darf und wofür er nicht unerhebliche Beträge zahlt. Eingebaut wurden nur Mängel, die der Monteur bei einer ordnungsgemäßen Durchführung der Inspektion laut Wartungs-Checkliste erkennen und beseitigen muss. Die Mängelliste umfasst sieben Positionen und reicht beispielsweise von einer ausgehängten ABS-Sensorleitung über einen zu geringen Luftdruck in einem der Hinterreifen und im Reserverad bis hin zur defekten Kennzeichenbeleuchtung.
Schlusslicht ist das Autohaus Ewald
Mit nur sieben von 30 möglichen Punkten liefert das Autohaus Ewald in der bayerischen Weißbier-Metropole Erding eine überaus dürftige Arbeitsqualität beim Werkstättentest 2010 ab. Die Ford-Monteure kümmern sich hier weder um die Einstellung der Scheinwerfer, die ausgehängte ABS-Sensorleitung, das eingerissene Wischerblatt, die defekte Kennzeichenbeleuchtung noch um die fehlende Abdeckblech-Schraube. Ordnungsgemäß ist allein die Korrektur des zu niedrigen Luftdrucks in den Reifen und der Hinweis, dass sich der Kompressor für das Reifenpannenset nicht an Bord befindet. Und all das zum satten Inspektionspreis von 199,68 Euro einschließlich Motoröl und Ölfilter. Grotesk mutet der Satz am Ende der umfangreichen Checkliste an, in der alle 31 Prüfpositionen als "in Ordnung/behoben" abgehakt wurden, an: "Diese Wartung wurde von Ihrem Ford-Service-Team gemäß den Ford-Standards durchgeführt".
Einstellung der Scheinwerfer zählt nicht zur Paradedisziplin
Beim Thema Kühlwasserverlust verschenkt das Autohaus Ewald beim Werkstättentest 2010 ebenso wie die übrigen Probanden drei Punkte. Generell wird nur Kühlwasser aufgefüllt, man kümmert sich aber nicht um die Ursache für den Flüssigkeitsverlust und gibt dem Kunden auch nicht den Rat, in nächster Zeit eine Kontrolle durchzuführen. So stehen unter dem Strich zwei statt fünf Punkte. Die korrekte Einstellung der Scheinwerfer zählt ebenfalls nicht zur Paradedisziplin der Ford-Händler. Keine Abstriche gibt es hier nur für das Autohaus Müller. Nach dem Werkstattbesuch bei Bunk steht der linke Scheinwerfer fünf Millimeter zu tief, beim Testsieger Köster strahlt der rechte Scheinwerfer weiterhin etwas zu weit nach innen. Was jeweils den Abzug von einem Punkt nach sich zieht. Weniger Mühe machen sich die übrigen fünf Betriebe, die sich keinen Deut darum scheren, wie es um die Einstellung der Leuchten nach dem Verlassen der Werkstatt bestellt ist. Mehr Punkte sammeln alle acht Betriebe bei der Korrektur des Reifenluftdrucks: Nur Auto-Stephan schrammt beim Ford-Werkstättentest 2010 an der vollen Punktzahl vorbei, da der fehlende Kompressor für das Reifenpannenset nicht auffiel.
Dialogannahmen nur im Schnelldurchgang
Luft nach oben besteht beim Werkstättentest 2010 auch hinsichtlich der Service-Qualität. Dialogannahmen, für die sich Serviceberater bei anderen Herstellern mitunter bis zur einer halben Stunde Zeit nehmen, werden, wenn überhaupt, nur im Schnelldurchgang durchgeführt. Es drängt sich der Eindruck auf, dass man bestrebt ist, den Kunden so schnell wie möglich abzufertigen. Das Autohaus Ewald verspricht auf der Rechnung zwar eine "kostenlose Serviceberatung am Fahrzeug", konkret sieht diese jedoch so aus, dass der Meister die freie Diagnose-Box ignoriert und den Ford Focus innerhalb weniger Minuten oberflächlich auf dem Hof inspiziert. Es fallen ihm hierbei nur der zu niedrige Kühlwasserstand sowie der abgelaufene Verbandskasten auf.
Da kann es beim Ford-Werkstättentest 2010 nicht überraschen, dass es kein Betrieb für nötig erachtet, den Wagen nach der Inspektion nochmals auf eine Hebebühne zu nehmen, um auf demnächst fällige Reparaturen hinzuweisen. Vielfach rattert eine Kassiererin bei der Abholung des Fahrzeugs nur kurz und knapp die einzelnen Rechnungspositionen herunter. Viel aufschlussreicher läuft der Prozess aber auch nicht ab, wenn der Serviceberater die Übergabe durchführt. So kommt es vor, dass dem Meister bei La Linea Franca nicht auffällt, dass statt vier nur eine Zündkerze berechnet wird, und bei Müller lautet der Kommentar des Meisters zur ominösen Rechnungsposition "Druckknopf ersetzt": "Da weiß ich auch nicht, was das ist."
Ford-Kunden müssen mit Kassenfüllern rechnen
Nach wie vor sind dem Einfallsreichtum der Werkstätten keine Grenzen gesetzt, wenn es darum geht, den Kunden mit Kassenfüllern der verschiedensten Art zu schröpfen - wie der diesjährige Werkstättentest bei Ford zeigt: Bei Borgmann sind es 2,36 Euro für einen Reiniger, bei Ewald 3,33 Euro für eine Funktionssicherung und bei Dinnebier 5,12 Euro für Hilfs- und Schmierstoffe. Stephan treibt den Preis durch 9,40 Euro für die Erneuerung der Rückleuchteneinheit in die Höhe, obwohl nur eine defekte Glühlampe zu wechseln war. Bunk kassiert 10,44 Euro für eine neue Lampenfassung. Die Krone setzt diesem Testsieger Köster auf: Zum Brennraumreiniger für 3,62 Euro kommen weitere 2,88 Euro für Scheibenklar hinzu, obwohl der Waschwasserbehälter bei der Abgabe des Wagen randvoll gefüllt war. Als probates Mittel zur Geldvermehrung dient auch die Korrosionsschutzkontrolle. Während dieser Service, der einen Kulanzanspruch bei Durchrostung sichert, etwa in den Autohäusern Borgmann, Bunk, Stephan, Müller und Köster ohne Berechnung erfolgt, lässt ihn sich Dinnebier mit zehn Euro und Ewald mit 16,42 Euro honorieren.
Fraglos besteht für die Service-Organisation von Ford aufgrund des aktuellen Debakels Handlungsbedarf. Nachdem die Einführung umfangreicher Qualitätssicherungsmaßnahmen alleine nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat, sollten die Kölner ihrem alten Slogan "Ford - die tun was" wieder auskramen und den Fokus verstärkt auf eine intensivere Kontrolle ihres Werkstättennetzes legen. Damit der nächste Werkstättentest wieder Verbesserungen zeigt.
Autor: Klaus Wießmann
Schlechten Service habe ich bei Ford auch beim Verkauf/Neuwagen selbst erlebt. So einen planlosen Verkäufer habe ich noch bei keinem Hersteller erlebt: Keine aktuellen Preislisten verfügbar, dass der Fiesta Trend nicht mehr mit Tempomat bestellbar ist, mußte ich erstmal selbst ins Gespräch bringen. Preiskalkulation (Inzahlungnahme Altfahrzeug/Zuzahlung) wurde handschriftlich auf einem abgerissenen Schmierzettel dokumentiert, dilettantisch sag ich nur. Ein anderer Händler hatte damals während des Premierenwochenendes des neuen KA seinen Betrieb komplett geschlossen.
Auch das optische Erscheinungsbild aller hier in unserer Region ansässigen Ford-Händler läßt im Konkurrenzvergleich Mängel erkennen. Kein Vergleich zu Peugeot/Citroen oder Renault oder auch Toyota, die in den letzten Jahren ihre Betriebe erheblich verbessert haben. Wenn man viel Geld für ein Auto ausgibt, will man doch nicht in einem schon optisch runtergekommenen Laden bedient werden... Oder?
Warum sollte ich als Mechaniker einen fehlenden Kompressor bemängeln? Abgelaufenes Dichtmittel ok, aber wenn der Kunde den Kompressor/Ersatzrad rausnimmt wird er schon einen Grund dafür gehabt haben.
Muß man denn alles vorkauen? Wir sind doch nicht bei den Amis.
Ansonsten trotzdem trauriges Ergebnis.
Und warum sollte die Korrosionskontrolle nicht extra gehen? Die garantieerhaltenen normalen Inspektionen muß ich doch auch bezahlen.
Was erwartet man den heute, die Jungs in den Werkstätten kriegen immer mehr Druck von ihren Chef´s, damit sie so viele Stunden wie möglich am Tag verkaufen, und für eine 60tkm Insp gibt es von Ford immer weniger Zeit, vorgabe für eine 60tkm oder 3. Jahreswartung bei einem Focus 1,6 Benziner sind mittlerweile nur noch 1,2 std, dabei müssen aber der Pollenfilter, Zündkerzen usw gewchselt werden.
Das Rechtfertigt nicht die schlampige arbeit, aber was will man den im Zeitalter von Dumpinglöhnen heute noch erwarten. Wenn die Mechaniker nicht ihre Zeit verkaufen, die sie auch da sind, können sie sich bald einen neuen Job suchen, Arbeitslose KFZ-Mechaniker, die viel zu lange aus dem Beruf sind, gibt es ja genug, die bereit wären für 1500€ Brutto zu Arbeiten.
Alle Mechaniker die "Gut" sind, die machen keine Inspektionen, die müssen die schwierigeren Fälle in einer Werkstatt meistern, die die anderen halt nicht hinbekommen.
@Sven2: Da hast du sicherlich Recht, aber wenn Werkstätte von japanischen Marken getestet werden, sind es immer noch Deutsche Inhaber und Schrauber. Sicherlich kommt da genau dasselbe Resultat zum Vorschein!? Ich interessiere mich sehr viel für japanische Kultur, und glaube dass die Japaner nicht alles falsch machen, eines zeigt die hohe Zuverlässigkeit ihrer Autos. Gut Toyota hat einige Probleme im Moment, doch wer hatte die noch nicht!? Und die Deutschen glauben die besten Autos zu bauen, das glauben die Japaner auch in Japan, doch ich habe seit Jahren schon eine Entscheidung getroffen, und es noch nie bereut, also kein deutsches Auto......
@ Flop: Abwarten. Irgendwann testet AMS auch eine WS eines japanischen Herstellers. Ich wage mal eine Prognose: Auch die Schrauber dort werden mit der Arbeitsaufgabe "Wartung nach Herstellervorschrift" überfordert sein.
Ich lasse schon seit Jahren keine Inspektionen an meinen FZGen machen, wechsle das Öl selber (7,50 €/l statt 23,80) und gebe nur exakt definierte Arbeiten (z.B. Gelenkwellenmanschette rechts radseitig ersetzen) bei einer Vertragswerkstatt in Auftrag.
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