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Werkstättentest Nissan 2004

Knapp an der Blamage vorbei

Foto: Reinhard Schmid

Knapp an einer Blamage vorbei schlitterte Nissan im diesjährigen Werkstätten-Test von auto motor und sport. Von acht überprüften Betrieben schaffte nur einer das Urteil "Sehr empfehlenswert", ein anderer erreichte ein "Empfehlenswert" in der Wertung. Vier Mal lautete das Fazit: "nicht empfehlenswert".

07.09.2004

Wären die Nissan- Mechaniker ein Eishockeyteam, sie wären wohl nach dem zweiten Drittel des Spiels nach Hause gegangen. Ein Drittel aller Fehler wurde von den Werkstätten nämlich nicht gefunden. Diesmal fällt das Ergebnis noch schlechter aus als beim letzten auto motor und sport- Werkstätten-Test bei Nissan im Jahr 2000. Erfolgsquote damals: 74 Prozent. 2004 sind vier von acht getesteten Betrieben nicht empfehlenswert, zwei nur bedingt. Dabei hätten alle präparierten Fehler auffallen müssen, wären die vorgeschriebenen Inspektionslisten nicht nur abgehakt, sondern auch abgearbeitet worden.

Besonders erschreckend: Die Mechaniker beließen es oft bei nur halbfertiger Arbeit. Den fehlenden Gurtclip hinten übersahen sechs Mechaniker, dabei hatten vier von ihnen als Funktionstest die Gurtzunge ins Schloss gesteckt. Auch das fehlende Servolenkungsöl machte Schwierigkeiten. Die Autohäuser End in Schutterwald und Fath in Holzgerlingen kippten nur Öl nach, suchten aber nicht nach der Ursache des Verlusts.

Gleicher Fall bei Nissan-Schmid in Echterdingen: Dort füllte man sogar zu viel Öl nach, bei Laukat in Köln zu wenig. Dirkes und von der Weppen übersahen den Ölmangel ganz. Nur ein Mal wurden alle sieben präparierten Mängel entdeckt – im Autohaus Krauss in Thalheim. Laukat in Köln war knapp dran. Wegen des nicht korrekten Servo-Öl- Stands und eines nicht richtig eingestellten Scheinwerfers ist Laukat nur zweiter Sieger. Doch die beiden Fehler überschatten den guten Eindruck kaum. Freundlicher als bei Laukat wurden die Tester in keiner Nissan-Werkstatt bedient.

Der rührige Meister versicherte sich zwei Mal telefonisch über erlaubte Zusatzarbeiten, saugte den Kunden sogar das Auto aus. So zuvorkommend war nicht einmal das Sieger-Team vom Autohaus Krauss in Thalheim. Dafür war der Vorab- Check erstklassig. Der Meister fand dabei drei der sieben Mängel und besprach ausführlich den Umfang der Wartung. So ausführlich, dass er gar nicht mehr fragte, wie er die Kunden erreichen könne, sollten unerwartet Probleme auftreten. Sie traten auf, und das Krauss-Team tauschte ohne Rückfrage einen Radbremszylinder aus.

Trotzdem ein verdienter Sieg der Thalheimer. Anders als ihre Kollegen fanden und beseitigten sie sämtliche Fehler. Vom Vorab-Check bis zur Erläuterung der Rechnung erfüllten sie alle Anforderungen, die man an eine Werkstatt stellt. Am Tabellenende findet sich der kleine Familienbetrieb Fath in Holzgerlingen wieder, gefolgt vom Autohaus Dirkes, das mit fünf Niederlassungen im Raum Köln fast schon ein Werkstatt-Riese ist.

Ausgerechnet die beiden schlechtesten Betriebe verlangten auch noch die höchsten Preise. Gleich drei Fehler übersah der Fath-Mechaniker, ersetzte nur das Birnchen für die Kennzeichen-Beleuchtung und das eingerissene Wischerblatt. Gleiches Bild bei Dirkes in Köln. Hier findet zwar, anders als bei Fath, ein Vorab-Check statt. Doch was bringt der, wenn der Meister den Micra auf die Hebebühne stellt, die Handbremse anzieht, aber dabei nicht einmal merkt, dass der Hebelweg zu lang ist.

Nebenbei füllte man das teuerste Öl im Test in den Micra: Castrol Formula SLX, Synthetiköl zu 17,63 Euro pro Liter. Die Sache scheint System zu haben: Das gleiche Öl kippte Dirkes, der neben Nissan auch Fiat wartet, beim Fiat- Werkstätten-Test in den Test- Punto (Heft 17/04). Ohnehin bereitete der Gang zur Kasse keine Freude. Für Kleinwagen-Fahrer sind Wartungskosten von durchschnittlich 221 Euro schnell eine finanzielle Herausforderung. Einige Rechnungen enthalten zudem versteckte Fouls. So berechneten fünf Werkstätten den Zündkerzenwechsel extra.

Seltsam, dass dieser Posten bei Nissan nicht generell zu einer großen Inspektion gehört. Kreativ zeigten sich auch andere im Rechnungschreiben: 8,39 Euro verlangte das Autohaus End für überflüssigen Einspritzschutz. Bei Teichmann kostete das Einstellen der Scheinwerfer, an sich ein vorgeschriebener Teil der Inspektion, 5,45 Euro. Die Mechaniker erneuerten außerdem die Bremsflüssigkeit, obwohl der Meister einen baldigen Tausch der Radbremszylinder empfahl. Dafür muss dann erneut Bremsflüssigkeit ins System, was den Kunden wieder Geld kostet.

Noch frecher: Tausch der Kennzeichen-Leuchte. Zwei Schrauben aufdrehen, altes Birnchen rausziehen, neues reinstecken, die Schrauben wieder festdrehen. Das dauert sicherlich keine zwölf Minuten. Doch die wurden berechnet – mit 10,90 Euro bei Teichmann und 18,33 Euro bei Laukat. Dazu kam auch noch das Birnchen selbst. 57 Cent kostete es bei Dirkes in Köln. Fath in Holzgerlingen wollte dafür happige 1,48 Euro. Selbst 19 Cent für 0,2 Liter Batteriewasser wurden beim teuersten Betrieb im Test penibel aufgelistet und abgerechnet.

Bei so viel Geldmacherei fällt das Autohaus Schmid in Echterdingen positiv auf. Die Zündkerzen wurden geprüft, noch für gut befunden und deswegen nicht gewechselt, ebenso der Luftfilter. Dafür gab es eine kostenlose Reinigung des schmutzigen Luftfilterkastens. Weitere Pluspunkte: Alle Werkstätten händigten die abgehakten Inspektions-Checklisten aus, sieben gaben die Auftragsbestätigung mit, fünf Mal wurde der Wagen im Beisein des Kunden einem Vorab- Check auf der Hebebühne unterzogen, drei Autohäuser boten einen Ersatzwagen an, einmal gab es sogar Kaffee.

Doch was hilft das, wenn die Kunden für 66 Prozent Arbeitsleistung 100 Prozent der Rechnung bezahlen müssen? Also ab ins Trainingslager. Damit die Kondition in Zukunft auch fürs letzte Drittel reicht.

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