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Werkstättentest Opel 2005

Blitz und Donner

Opel baut mittlerweile gute Autos, doch mit dem Serive hapert es gewaltig. Die Marke mit dem Blitz im Logo liefert das schlechteste Ergebnis des diesjährigen Werkstättentests. Nicht einmal zwei Drittel der präparierten Mängel wurden korrekt repariert.

24.11.2005

Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel, man weiß nie, was man bekommt.“ Forrest Gump hatte im Kino nicht unbedingt Opel-Werkstätten im Sinn, trotzdem trifft er auch hier den Nagel auf den Kopf. Bei den acht ausgewählten Autohäusern für den diesjährigen Werkstättentest zeigte sich nämlich, dass man statt einer Praline auch ein faules Ei erwischen kann. So geschehen bei der schlechtesten Werkstatt, dem Autohaus Sigg in Augsburg. In dem Betrieb mit extrem vielen Fahrzeugen auf dem Hof verliert sich mit Übersicht und Orientierung wohl auch die Gewissenhaftigkeit.

Die Durchsicht beschränkt sich auf die Frage nach Auffälligkeiten. Danach werden Kundendaten in den Computer gehackt. Und tschüs. Bei der Abholung läuft es nicht besser. Zunächst wird man mit Nichtbeachtung, dann mit Unfreundlichkeit gestraft. Die Rechnung wird nicht erklärt, die Beratungsqualität ist insgesamt miserabel. Gekrönt wird der Besuch bei Sigg dadurch, dass außer dem Austausch der defekten Bremsleuchte nur noch der zu niedrige Luftdruck im rechten Hinterreifen korrigiert wird. Das platte Ersatzrad wird nicht befüllt, und auch alle weiteren Mängel bleiben unentdeckt. Obwohl der Scheibenreiniger- Behälter randvoll ist, wird noch Reinigungs- Konzentrat nachgefüllt.

Dagegen werden die Batterien für die Fernbedienung kostenlos getauscht, ebenso die Bremslichtlampe. Für die traurige Vorstellung werden dann noch knapp 300 Euro berechnet. Wie Licht und Schatten oft dicht beieinander liegen, ist auch der Testsieger, das Autohaus Schuster im ländlichen Kissing bei Augsburg, nur wenige Kilometer von Opel-Sigg entfernt. Bis auf die räumliche Nähe und den Opel- Blitz im Briefkopf haben beide keine Gemeinsamkeiten. Bei Schuster steht der Meister sofort auf der Matte, nimmt sich Zeit und berät. Und das Wichtigste: Die Inspektion läuft korrekt ab, alle Mängel werden behoben, zur vollen Punktzahl fehlt lediglich die Ursachenforschung für den geringen Flüssigkeitsstand im Servoölbehälter.

Ansonsten alles top – beim Service und beim Preis. 173 Euro kostet die Inspektion. Das ist im Rahmen der Opel- Runde der günstigste Preis, wobei besonders positiv zu registrieren ist, dass auch Motor- und Außenwäsche und vor allem das Reinigen der vorderen und hinteren Bremsbeläge und deren Führungen im Inspektionspreis enthalten sind. Knapp den obersten Platz auf dem Siegertreppchen verfehlt das Autohaus Burr in Bremen. Der Betrieb arbeitet mit einem Inspektionspreis von 244 Euro ebenfalls relativ günstig und liegt mit einer Fehlerlösungsquote von 95 Prozent gleichauf mit Opel Schuster.

Allerdings läuft bei Burr die Direktannahme weniger gründlich ab. Das Auto wird lediglich auf dem Kundenparkplatz nach Kratzern und Unfallspuren untersucht. Gepatzt wurde dann noch beim Einstellen der Scheinwerfer. Laut telefonischer Rücksprache sollte sich ein Scheinwerfer nicht einstellen lassen, weil dieser aus der Arretierung gesprungen sei und erst komplett ausgebaut werden müsse, was zusätzlich um die 50 Euro kosten würde. Das lehnt der Kunde ab. Dafür muss er bei der Nachkontrolle entdecken, dass beide Scheinwerfer doch eingestellt werden konnten – allerdings zu hoch. Schlechter schneidet das zweite Bremer Autohaus Bergmann ab. Der zur Dello-Gruppe gehörende Betrieb wirbt mit dem Slogan „Leistung von Mensch zu Mensch“. Leider enttäuscht die Leistung vom Mensch am Auto: nur 17 von 31 möglichen Punkten. Bei einer derart schlechten Ausbeute auch noch einen Rechnungsbetrag von über 330 Euro serviert zu bekommen, verstärkt das Gefühl, hier nicht gut aufgehoben zu sein.

Deutlich besser fällt die Bilanz beim Leipziger Autohaus Staiger aus. Mit 26 Punkten landet der Betrieb auf dem dritten Rang. Bis auf die ausgehängte Bremsleitung wurden alle Mängel korrekt behoben. Bei Staiger hat sich offensichtlich einiges getan. Der Serviceberater spricht davon, dass jetzt einiges anders laufe, weil der Vertrag mit Opel erst auf der Kippe stand und dann doch verlängert wurde. Das klingt nach Druck von oben. Zumindest bei Staiger resultiert daraus eine verbesserte Qualität. Was sich im Vergleich zum Jahr 2003 zeigt, als auto motor und sport hier schon einmal tes- tete – damals allerdings mit einem schockierenden Ergebnis: nur neun von 29 Punkten und das Prädikat „Schlechtester im Test“. 2005 erreichte Staiger 26 von 31 möglichen Punkten, die Quote stieg von 31 auf 84 Prozent.

Der zweite Kandidat in Leipzig, das Autohaus am Johannisplatz, schneidet deutlich schlechter ab. Insgesamt ist die Atmosphäre kälter als bei Staiger. Die Direktannahme ist ähnlich oberflächlich, der Meister entdeckt nur die defekte Bremslampe. Bei der Nachkontrolle offenbart sich, dass die ausgehängte Bremsleitung immer noch neben dem Clip baumelt und versäumt wurde, dem Grund für den Servoölmangel nachzugehen. Auf eine Probefahrt, die der Serviceplan vorschreibt, wurde komplett verzichtet. Lobenswert ist dagegen, dass das Fahrzeug komplett gereinigt wurde.

Die beiden Betriebe im Raum Saarbrücken erreichen nur mäßige Ergebnisse. Beim Autohaus Bliestal in Blieskastel stört zunächst nur der unterkühlte Umgang mit dem Kunden und das zeitaufwendige Anlegen der Daten. Dann fährt der Meister zur Direktannahme, die so schnell verläuft, dass sie wohl kaum mehr sein kann als eine Fahrt über den Bremsenprüfstand. Bei der Abholung weist der Meister auf weitere Mängel hin und präsentiert eine Rechnung über knapp 289 Euro. Darin enthalten ist auch der Preis für drei Glühlampen, obwohl bei der Abgabe des Astra nur eine defekt war. Von den präparierten Mängeln wurde die Scheinwerfer-Einstellung nicht korrigiert, dagegen der zu niedrige Luftdruck im Reserverad berichtigt, aber nicht der im Reifen hinten rechts. Und die Fehlersuche wegen des zu niedrigen Servoölstands fiel aus. In der Summe reicht das gerade mal für 21 Punkte. Das Autohaus Dechent in Saarbrücken kann sich auf die Fahnen schreiben, dass hier der Umgang mit dem Kunden vorbildlich abläuft. Der Service ist tadellos, die Arbeitsleistung allerdings nicht.

Dem Grund für den Ölverlust wurde nicht nachgegangen, der Luftdruck rechts hinten wurde nicht korrigiert, die Scheinwerfer nicht eingestellt und die Bremsleitung nicht eingehängt – mehr als 16 Punkte gibt es dafür nicht. Neben den zahlreichen nicht entdeckten Mängeln muss im Kapitel Arbeitsmoral kritisch vermerkt werden, dass drei der acht getesteten Werkstätten – Sigg in Augsburg, Dello in Bremen und das Autohaus am Johannisplatz in Leipzig – die im Serviceplan vorgeschriebene Probefahrt inklusive Bremsenprüfung und Endkontrolle schlicht ausfallen ließen. Gerade hier kann ein Autoexperte Mängel feststellen, die einem Laien nicht auffallen und die möglicherweise gefährlich werden können. Es ist also ratsam, den Kilometerstand vor und nach der Inspektion zu vergleichen und gegebenenfalls auf einer Probefahrt zu bestehen – bezahlt hat man sie ja ohnehin.

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