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Werkstättentest Renault 2006

Licht und Schatten bei Renault

Foto: Reinhard Schmid

Licht und Schatten bei Renault: Im auto motor und sport-Werkstätten-Test 2006 fallen drei Betriebe durch, zwei Autohäuser glänzen mit dem Prädikat "sehr empfehlenswert". Nach dem katastrophalen Ergebnis vor drei Jahren zeigt sich ein klarer Aufwärtstrend.

02.11.2006

Gute Laune kommt in Mode.“ Mit diesem Slogan wirbt Renault für den angejahrten Twingo. In erster Linie spielen die Werbestrategen damit auf das sympathische Gesicht und die frechen Farben des seit 1993 in Deutschland angebotenen Kleinwagens an. Doch allein die äußere Erscheinung lässt den Kunden nicht frohlocken. Was passiert mit der guten Laune, wenn die inneren Werte des Oldies während eines Servicetermins auf dem Prüfstand stehen?

Beim diesjährigen Werkstätten-Test untersuchte auto motor und sport, ob der Twingo-Besitzer nach einer großen Inspektion noch Grund zur Freude hat. Das Ergebnis des Tests bei acht verdeckt besuchten Betrieben zwischen München und Berlin: Die Mechaniker behoben im Schnitt fünf der sieben präparierten Mängel. Ein passables Resultat, allerdings mit viel Potenzial für Verbesserungen.

Noch heißt es bei den Franzosen nicht oh là là, sondern eher so lala. Blickt man in die Vergangenheit, hat sich bei Renault jedoch einiges getan. 2003 hieß das ernüchternde Fazit des damaligen Werkstätten-Tests: nicht empfehlenswert. Alle acht getesteten Werkstätten fielen durch. In diesem Jahr glänzen gleich zwei Betriebe mit dem Prädikat sehr empfehlenswert, drei mit empfehlenswert. Einziger Wermutstropfen und größter Kritikpunkt: Gleich drei Mal lautet das Urteil nicht empfehlenswert – hier wurde einfach nicht ordentlich gearbeitet. Dabei hat eine ordnungsgemäße Inspektion wahrlich nichts mit Hexerei zu tun.

Zur Erinnerung: Alle sieben von auto motor und sport präparierten und kontrollierten Punkte finden sich auf der vom Werk vorgegebenen Wartungsliste wieder. Der Mechaniker muss diese Liste nur sauber durcharbeiten – fertig ist die perfekte Inspektion. Manche Punkte der Checkliste werden aber schlicht und ergreifend nicht beachtet, oder die Arbeit wird einfach nur schlampig ausgeführt. So haben zum Beispiel die Niederlassung in München, das Autohaus Prummer in Neufahrn und das Autohaus Mühlig in Wilkau- Haßlau den Punkt „Funktionskontrolle der Beleuchtungsanlage einschließlich Kontrollleuchten“ einfach ignoriert.

Wie sonst sollte man erklären, dass keinem der Betriebe die defekte Glühlampe der Nebelschlussleuchte sowie die fehlerhafte Scheinwerfer-Einstellung aufgefallen sind? Aber nicht nur in puncto Beleuchtung gibt es bei diesen Autohäusern viel Schatten. Alle drei Betriebe schneiden im Gesamtergebnis mit nicht empfehlenswert ab. Schlechtes muss nicht billig sein: Das Autohaus Prummer verlangt stolze 377,66 Euro, die Renault-Niederlassung in München gar 413,62 Euro für die große Inspektion. Zwar liegen beide Betriebe mit diesem Rechnungsbetrag etwa auf einem Level mit den übrigen getesteten Werkstätten – Ausnahme sind die Autohäuser Mühlig und Roth, beide in der Region um Zwickau –, nur bekommt der Kunde für sein Geld hier keinen entsprechenden Gegenwert.

Den letzten Platz belegt das Autohaus Mühlig in Wilkau-Haßlau. Das Schlusslicht im Test erzielt gerade einmal elf von 30 erreichbaren Punkten. Selbst das eingerissene Scheibenwischerblatt an der Frontscheibe, von allen anderen Teilnehmern erkannt und ersetzt, bleibt unberührt. Kurios: Auf der Rechnung findet sich der Hinweis, dass das Wischerblatt hinten eingerissen sei. Wenn man schon so weit war, warum hat man nicht auch das vordere kontrolliert? Lediglich bei Luftdruck, Kühlwasser und Probefahrt konnte Mühlig punkten. Immerhin gesellte sich zu der geringen Erfolgsquote auch der niedrigste Rechnungsbetrag, obwohl zusätzlich Bremsflüssigkeit und Zündkerzen erneuert wurden.

Qualität hat ihren Preis. Keine Qualität also auch? Dass dieser Umkehrschluss zu einfach ist, stellt das Autohaus Roth in Heinsdorfergrund eindrucksvoll unter Beweis: zweitniedrigster Rechnungsbe- trag, drittbestes Ergebnis. Lediglich der Hinweis auf den Grund für den Kühlwasserverlust und die nicht durchgeführte Probefahrt fehlen zu einem perfekten Ergebnis. Bei der Direktannahme fallen dem freundlichen Meister gleich das eingerissene Wischerblatt, das auch noch ohne Lohnkosten ausgetauscht wird, und die defekte Glühlampe der Nebelschlussleuchte auf. Bei der Abholung steht der Twingo glänzend auf dem Hof und eine Gratiswäsche auf der Rechnung. So sorgt man für gute Laune. Besser als das Autohaus Roth schnitten nur noch Berghaus in Remscheid und der Autokreisel Olbrich und Söhne in Berlin ab. Beide Betriebe erreichen das Prädikat sehr empfehlenswert, Olbrich und Söhne sogar mit der vollen Punktzahl – vorbildlich. Da verwundert es nicht, dass auch beim Testsieger der Twingo zur Direktannahme auf die Bühne kommt. Dies ist übrigens eine gute Gelegenheit für den Kunden, sich vom Zustand seines Wagens zu überzeugen, um so spätere Diskussionen zu vermeiden.

Bei Olbrich und Söhne erkennt der Meister direkt das defekte Wischerblatt und den Kühlwasserverlust. Beim Testsieger bleibt der Hinweis nicht aus, dass man den Kühlwasserpegel zur Vermeidung eines Motorschadens im Auge behalten muss.

Am folgenden Tag erklärt der Meister detailliert die einzelnen Rechnungsposten der allerdings vergleichsweise hohen Gesamtrechnung. Knapp 460 Euro für die große Inspektion eines Kleinwagens sind ein horrender Preis. Lange suchen muss man den Twingo auf dem Olbrich-Parkplatz nicht, da er abfahrbereit vor der Tür steht. Das ist perfekter Service. Auch im Autohaus Lindemann in Langenfeld hat man erkannt, dass kleine Gesten für zufriedene Kunden sor- gen. So tauschte der Betrieb die Glühlampe der Nebelschlussleuchte und das eingerissene Scheibenwischerblatt ohne Berechnung aus.

Ebenfalls kostenfrei wird im Autohaus Prummer das Wischerblatt ausgewechselt. Überhaupt: Beim Thema Service ist bei der Renault-Organisation ein klarer Aufwärtstrend zu erkennen. Unabhängig von der Arbeitsleistung traf auto motor und sport in der Regel freundliche und hilfsbereite Servicekräfte an. Auf Fragen gab man gerne Auskunft, meist erhielt man auch noch zusätzliche Hinweise auf sonstige Mängel.

Unter dem Strich steht dennoch nur ein durchschnittliches Ergebnis: Drei Totalausfälle sind einfach zu viel, gerade bei dem für Kleinwagen sehr hohen Preisniveau der Inspektionen. Ziehen die Franzosen die richtigen Schlüsse aus den diesjährigen Ergebnissen – zum Beispiel eine obligatorische Direktannahme bei jeder Inspektion und akribisches Abarbeiten der werkseigenen Wartungscheckliste –, sollte und muss die Erfolgsquote von 69 Prozent in Zukunft steigen. Wer weiß: Vielleicht kommt gute Laune bei Renault wirklich in Mode.

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