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Winterreifentest 2005

Dimension 205/55 R16

Foto: Frank Herzog 17 Bilder

Elf topaktuelle Reifen der Dimension 205/55 R16 mussten beim diesjährigen Winterreifen-Test ihre Qualitäten unter Beweis stellen. Drei Mal vergaben die Tester die Wertung „Besonders empfehlenswert“.

28.10.2005

Ohne gute Reifen geht gar nichts. Noch nicht einmal, wenn Michael Schumacher hinter dem Lenkrad sitzt. Im Automobilsport können die Reifen über Sieg oder Niederlage entscheiden. Was soll’s, wird sich der Normalfahrer fragen. Er bewegt sich normalerweise nicht im Grenzbereich, da wird es schon keine Rolle spielen, ob er sich das Fabrikat X oder Y ans Auto schraubt. Weit gefehlt, vor allem wenn es um Winterreifen geht. Denn gerade in der wieder vor uns liegenden Jahreszeit mit ihren oft nassen, oft auch verschneiten Straßen bewegt sich selbst Lieschen Müller, für die das Wort Grenzbereich womöglich eine gänzlich anders geartete Bedeutung hat, mit ihrem braven kleinen Fronttriebler auch ohne eigenes Zutun an der Grenze der Bodenhaftung. Beispielsweise an einer verschneiten Steigung. Plötzlich geht gar nichts mehr, die Räder drehen hilflos durch. Schuld sind, von den Feinheiten im Umgang mit dem Auto soll hier nicht die Rede sein, die Reifen.

Wer darauf vertraut hat, dass es auch im Winter mit den Sommerreifen gehen wird, hat jedenfalls gründlich verwachst. Sommerreifen sind auf Schnee derart hilflos, dass die Konsequenzen weitaus teurer werden können als die Anschaffung eines Satzes Winterreifen. Die Auswahl an Winterpneus ist riesengroß. Sie reicht von den renommierten Markenfabrikaten bis zu den Produkten kleiner, weniger bekannter Hersteller, die versuchen, sich eine Marktnische zu schaffen. Sie bieten ihre Reifen zu Preisen an, die um bis zu 40 Prozent unter denen liegen, die für die Premium-Reifen mit den bekannten Namen bezahlt werden. Ein schon klassischer Preisbrecher ist die Firma Matador aus der Slowakei, ein erst in jüngerer Zeit ins Geschäft drängender Konkurrent die Firma Marangoni mit Sitz im italienischen Verona. Andere wiederum tragen traditionelle, seit Jahrzehnten bekannte Namen, sind aber längst keine eigenständigen Hersteller mehr, sondern dienen den wenigen Riesen im Reifengeschäft als billigere Zweit- oder Drittmarken.

Kléber aus Frankreich beispielsweise residiert unter dem Dach des Michelin-Konzerns, Fulda gehört zu Goodyear. Das Gleiche gilt im übrigen auch für die Firma Dunlop. Sie stellt allerdings, im Gegensatz zu Fulda, kein Label für die betont preisbewusste Kundschaft dar, sondern rangiert im preislichen Mittelfeld. Ein Dunlop kostet, wie die vom Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur- Handwerk e. V. für auto motor und sport ermittelten Durchschnittspreise zeigen, weniger als ein Goodyear, aber deutlich mehr als ein Fulda.

Beide Marken treten zum diesjährigen Winterreifen-Test mit neuen Konstruktionen an. Goodyear erweitert die Familie des Eagle Ultra Grip durch die Nummer Sieben und weckt damit hohe Erwartungen, denn die Vorgänger haben alle die hohe Kompetenz des Herstellers gerade auf dem Winterreifen- Sektor unter Beweis gestellt. Und Dunlop präsentiert zur neuen Schnee- und Eis- Saison einen ebenfalls komplett neu entwickelten Reifen mit der Zusatzbezeichnung D3, für den prinzipiell das Gleiche gilt. Denn auch Dunlop ist seit vielen Jahren, wie auch die Tests von auto motor und sport immer wieder unterstrichen haben, eine der ersten Adressen, wenn es um Winterreifen der Spitzenklasse geht. Dunlop-Produkte sind im übrigen keine mit eigenständigem Erscheinungsbild – sprich Profil – und entsprechender Bezeichnung auf der Seitenwand versehene Goodyear-Konstruktionen.

Die Entwickler der beiden Marken genießen durchaus noch Eigenständigkeit, und das ist auch gut so. Denn Konkurrenz, auch im eigenen Haus, ist vorzüglich geeignet, das Qualitätsniveau zu heben. Bei den Winter-Fahrversuchen, die wegen der konstanten Schnee- und Temperaturbedingungen im Norden von Schweden durchgeführt wurden, zeigt sich schnell, dass die beiden Neuen von Goodyear und Dunlop auf Schnee das Beste sind, was man derzeit kaufen kann. Da ist zunächst einmal die Traktionsprüfung. Der Dunlop erreicht den Bestwert, allerdings mit einem nur marginalen Vorsprung vor dem Goodyear. Dritter ist allerdings bereits der Billigreifen Matador, der sich sogar knapp vor dem im letzten Jahr neu eingeführten Pirelli Sotto Zero platziert.

Auch der Marangoni schneidet in dieser Prüfung überraschend gut ab – ganz im Gegensatz zum Fulda, dessen Zugkraft auf Schnee um über 300 Newton schlechter ist als die des Dunlop. Bremsen, die zweite Schneeprüfung. Hier macht der neue Goodyear klar, wer der Meister der Verzögerung ist. Er benötigt aus 50 km/h einen halben Meter weniger Brems- weg als die Nächstplatzierten, zu denen neben Continental, Pirelli und Kléber wiederum der Marangoni gehört. Der Dunlop rangiert bei diesem Test nur im Mittelfeld, Schlechtester ist wiederum der Fulda. Aber auch der Bridgestone LM-25, der nach einem wenig überzeugenden Ergebnis im letztjährigen Test (siehe Heft 21/2004) eine Weiterentwicklung erfuhr, hat immer noch deutliche Schwächen beim Bremsen auf Schnee.

Die Fahrt auf dem kurvenreichen Handlingkurs macht die Sache klar. Goodyear und Dunlop erzielen nicht nur die besten Zeiten, sondern zeichnen sich auch beide durch vorzügliches Fahrverhalten aus. Sie passen hervorragend zu einem Fronttriebler wie dem als Testwagen dienenden Audi A3 Sportback, weil sie wenig zum Untersteuern neigen. Das macht das Fahren leicht. Schieben über die Vorderräder, das bei den auf dem Kurs langsameren Reifen zu beobachten ist, stellt im Extremfall einen nur noch schwer kontrollierbaren Fahrzustand dar. Im Schnee ist die Sache also klar. Der Goodyear erzielt die Traumnote von 99 Punkten, der Dunlop landet bei 96 von 100 möglichen.

Und bei den Nässe-Versuchen setzen die beiden ihren Siegeszug fort, wobei der Dunlop hier den Goodyear auf den zweiten Platz verweist, weil er auf dem Handlingkurs erheblich präziser und schneller zu fahren ist. Dritter bei Nässe wird, wie schon bei den Schneetests, der Pirelli. Der kontert schließlich auf trockener Straße, wo er vor allem dank seines konkurrenzlosen Bremsvermögens zusammen mit dem Dunlop auf den ersten Platz kommt. Der Marangoni zeigt auf trockener Straße, wie diffizil die Reifen-Entwicklung ist. Seine zu weiche Gummimischung beschert ihm ordentliche (bei Nässe) bis gute (auf Schnee) Ergebnisse. Bei Trockenheit versagt sie völlig. Da hilft nur eines: Nachsitzen, bitte.

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