Winterreifentest 2010: Zehn Reifen der Größe 205/55 R16 H

BMW 5er

Zehn Winterreifen-Fabrikate der Dimension 205/55 R 16 H treten zum Vergleich auf Schnee, bei Nässe und auf trockener Straße an. Ob die Newcomer der bereits etablierten Konkurrenz davonfahren zeigt sich in unserem Test.

Ein bisschen was, das wusste schon der legendäre Monaco-Franze, geht immer. Ganz gleich, welch hohes Niveau die Spitzenreiter in den vergangenen Winterreifentests von auto motor und sport auch bewiesen haben - aktuelle Entwicklungen versprechen, alte Bestmarken zu übertreffen.

Goodyear setzt erste Duftmarken im Winterreifentest

Die neuen Konkurrenten im Vergleich der Winterreifen sind Produkte höchst renommierter Marken. Der Goodyear-Konzern steuert gleich zwei bei: den Goodyear Ultra Grip 7+ sowie den Kristall Control HP der in einem preisgünstigeren Segment rangierenden Marke Fulda. Aus dem gleichen Haus stammt auch der bereits bewährte Dunlop Winter Sport 3D, der zum Winterreifentest antritt und in der Vergangenheit immer für einen der vorderen Plätze gut war. Bridgestone aus Japan startet ebenfalls einen neuen Anlauf. Nachdem im letzten Jahr der Blizzak LM 30 im Winterreifentest zurückgezogen wurde, weil man - zu Recht - Verbesserungsbedarf erkannt hatte, startet nun der Winterreifen LM 32, mit dem alles besser werden soll. Dass Goodyear gute Winterreifen baut, ist nichts Neues. Der Ultra Grip 7+ setzt bei den Schneeprüfungen im Norden Schwedens denn auch gleich die entsprechenden Duftmarken: Sehr gut berechenbares Fahrverhalten, erstklassige Traktion und ausgezeichnetes Bremsvermögen registrieren die Tester.

Fulda überrascht im Winterreifentest positiv

Überraschender allerdings fällt das Ergebnis im Winterreifentest für den neuen Reifen der Marke Fulda aus, deren Produkte bisher eher im Mittelfeld rangierten. Er übertrifft den Goodyear sogar noch in wichtigen Testkriterien auf Schnee. Der Bridgestone LM 32 dagegen sorgt im Winterreifentest für eine Enttäuschung. Sowohl die Traktion wie das Bremsvermögen erreichen nicht das Niveau, das ein ganz neuer Winterreifen bieten sollte.

Der Winterreifen Michelin Alpin 4 ist deutlich besser. Er verfehlt zwar die Topwerte des Goodyear/ Fulda-Duos und fällt auf dem Test-BMW durch eine deutliche Übersteuer- Neigung im Grenzbereich auf, aber Traktion und Bremsverhalten sorgen im Winterreifentest doch dafür, dass man den Alpin 4 als den gelungensten Winterreifen bezeichnen darf, den der französische Reifenriese in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Der Dunlop und der ebenfalls nicht mehr brandneue Pirelli Sottozero erzielen im Winterreifentest befriedigende Mittelfeld-Ergebnisse, und auch der Testsieger des Vorjahres, der Continental TS 830, lässt sich bei den Schneetests nicht die Butter vom Brot nehmen.

Kumho ist das Schlusslicht im Winterreifentest

Das sehr preisgünstige Produkt der koreanischen Firma Kumho dagegen beweist im Winterreifentest mit schwacher Zugkraft, langem Bremsweg und unruhigem, schwer berechenbarem Fahrverhalten, dass es Premium-Eigenschaften nicht zum Sonderpreis gibt. Damit war zu rechnen - nicht aber mit dem vergleichsweise schwachen Abschneiden des Nokian. Allein seine Herkunft aus Finnland lässt gute Schnee-Ergebnisse im Winterreifentest erwarten, aber in den Fahrtests erzielt der Winterreifen WR 32 ähnlich unzureichende Ergebnisse wie der Kumho.

Auf dem mit Kurven gespickten Handlingkurs fallen im Winterreifentest vor allem die träge Reaktion auf Lenkbewegungen und das ausgeprägte Schieben des BMW über die Vorderachse (Untersteuern) negativ auf. Auf trockener Straße ergeben sich keine testentscheidenden Differenzen, wenngleich die erstklassigen Resultate von Continental und Michelin im Winterreifentest deren Punktekonto spürbar anreichern und auch der Bridgestone Boden gut macht.

Auf nasser Fahrbahn überzeugen Continental und Goodyear

Die Entscheidung im Winterreifentest muss auf nasser Straße fallen. Hier beweist der Nokian hervorragende Eigenschaften, was aber nicht reicht, um das auf Schnee verlorene Terrain zurückzugewinnen. Gutes Fahrverhalten und hohes Bremsvermögen kennzeichnen auch den Continental und den Goodyear, der im Winterreifentest auf nasser Straße seinem Bruder Fulda zeigt, wer der Herr im Hause ist. Vor allem das schwache Nassbremsverhalten kostet den Fulda Punkte.

Bei Michelin schienen eingeschränkte Nässe-Qualitäten im Winterreifentest fast schon zur Firmentradition zu gehören, aber der Alpin 4 räumt mit dieser Einschätzung auf. Er erzielt zusammen mit dem Continental den kürzesten Bremsweg und zeigt ein bemerkenswert gutmütiges Fahrverhalten. Auch wenn der Goodyear im Winterreifentest Testsieger wird: Der Alpin 4 erhält das Prädikat "Besonders empfehlenswert" - ein Novum für einen Michelin-Winterreifen beim Winterreifentest von auto motor und sport.

So wurde im Winterreifentest bewertet

Die Testbewertung erfolgt rein relativ. In jedem Kriterium erhält der beste Reifen die mögliche Maximalpunktzahl im Winterreifentest. Ist der Messwert eines Reifens um 20 oder mehr Prozent schlechter als der des Spitzenreiters, gibt es null Punkte. Abweichungen kann es in Kriterien geben, bei denen neben dem Messwert eine subjektive Beurteilung notwendig ist (Handling und Komfort).

Je nach Bedeutung des Testkriteriums kommen die Punktabzüge im Winterreifentest unterschiedlich schnell zusammen. Beim mit 40 Punkten am höchsten gewichteten Bremsen bei Nässe und auf Schnee genügt bereits ein halbes Prozent Abweichung vom besten Messwert für einen Punkt weniger, bei den Zehn-Punkte-Kriterien sind im Winterreifentest dafür zwei Prozent notwendig.

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Götz Leyrer

Autor:

auto motor und sport, Heft 21 / 2010

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