Winterreifentest 2009 : Zehn Reifen der Größe 205/55 R16 H

Winterreifentest 2009

Acht Winterreifen-Fabrikate der Dimension 205/55 R 16 H treten zum Vergleich auf Schnee, bei Nässe und auf trockener Straße an. Das Starterfeld ergänzen zwei Allround-Reifen, die für das ganze Jahr geeignet sein sollen.

Warten wir es mal ab. Sicher am nächsten Winter ist bekanntlich nur, dass er kommt. Aber wie fällt er aus? Die Klima-Propheten sprechen seit langem davon, dass Väterchen Frost künftig zunehmend unter Altersmilde leiden wird. Winterreifen brauchen wir trotzdem. Denn schließlich kann es höchst unangenehme Folgen haben, wenn man mit Sommerreifen auf schneeglatter Fahrbahn ausrutscht. Nicht nur der Verlust des Versicherungsschutzes droht, auch der Staat hält, etwa im Fall einer Verkehrsbehinderung, die Hand auf.

Beim diesjährigen Winterreifen-Test treten zwei Allround-Reifen an

Auf Winterreifen, die durch eine kleine Schneeflocke auf der Flanke gekennzeichnet sind, kann also allenfalls der verzichten, der nur auf Kurzstrecken unterwegs ist und sein Auto in der Garage stehen lassen kann, bis die Straßen wieder griffig sind. Für alle anderen gilt: Umrüsten, und zwar möglichst bald, bevor die Reifenhändler nach den ersten Schneeflocken wieder einmal einen Massenansturm zu bewältigen haben.

Eine Alternative freilich bietet sich an für jene, die im schneearmen Flachland wohnen: Allround-Reifen, die das ganze Jahr über auf dem Auto bleiben können. Beim diesjährigen Winterreifen-Test von auto motor und sport treten zwei davon in Konkurrenz zu den klassischen Winter-Gummis: Die jüngste, grundlegend überarbeitete  Version des Goodyear Vector und der neu entwickelte Optimo des koreanischen Herstellers Hankook.

Die Ganzjahresreifen bieten gutmütiges, berechenbares Fahrverhalten auf Schnee

Wie die Messergebnisse zeigen, kommen diese Reifen auf Schnee nicht an die echten Winter-Pneus heran. Aber sie erzielen doch achtbare Ergebnisse - schließlich rutscht das Punktekonto bei der auto motor und sport-Wertung bereits auf null, wenn ein Kandidat 20 Prozent schlechter ist als der beste im entsprechenden Kriterium. Einen wirklichen Ausrutscher leistet sich keiner der beiden Ganzjahresreifen, weder in der Traktion noch beim Bremsen. Für beide notieren die Tester ein gutmütiges, berechenbares Fahrverhalten auf Schnee.

Klare Überlegenheit des neuen Continental Winter Contact TS 830

Dies sind erwartungsgemäß keine Reifen für den Skiurlaub in Tirol. Aber wer mit mäßigen Winterbedingungen rechnen darf und einen frontgetriebenen Kompaktwagen wie den VW Golf fährt, wird damit gut zurechtkommen. Alle anderen müssen sich in der Wertungstabelle mehr nach links orientieren. Dort zeigt sich eine klare Überlegenheit des neuen Continental Winter Contact TS 830. Mit 98 von 100 möglichen Punkten erzielt er bei den Schneeprüfungen eine Traumnote. Auch bei Nässe spielt der Conti ganz vorn mit, und selbst auf trockener Straße gibt er sich keine Blöße. Wenn man einmal davon absieht, dass eine derart winteroptimierte Gummimischung in puncto Verschleiß keine Bestwerte erzielen kann.

Goodyear Ultra Grip Performance 2 zeigt gutes Fahrverhalten auf Schnee

Dicht am Conti dran ist der neue Goodyear Ultra Grip Performance 2. Auch er zeichnet sich auf Schnee durch ein sehr gutes Fahrverhalten aus, bleibt aber in Traktion und Verzögerung etwas zurück. Dafür bremst er bei Nässe besser als alle anderen Konkurrenten. Nur der Rollwiderstand, der wegen seines nicht zu unterschätzenden Einflusses auf den Verbrauch an Bedeutung gewinnt, sollte wie auch beim Continental noch niedriger liegen.

Pirelli Winter Sottozero II hinkt auf nasser Fahrbahn hinterher

Pirelli hat bei der neuen Generation des Sottozero hier einen beträchtlichen Fortschritt erzielt. Auf Schnee zeigt der italienische Reifen nach wie vor gute Eigenschaften, aber auf nasser Fahrbahn hinkt er wegen des vergleichsweise langen Bremsweges hinterher. Für ein "Empfehlenswert" reicht es trotzdem - ebenso wie beim Michelin Primacy Alpin, der ebenfalls nicht jene Ausgewogenheit zeigt, welche die besten Reifen im Vergleich auszeichnet. Auf Nässe und Trockenheit zeigt er sich von seiner besten Seite, aber auf schneebedeckter Fahrbahn erleidet er vor allem wegen der unbefriedigenden Traktion einen beträchtlichen Punktverlust. Auch die Seitenführung auf Schnee erscheint verbesserungsbedürftig.

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Dunlop SP Winter Sport 3D: Der Testsieger des letzten Jahres landet auf Platz drei
Hier ist der Michelin nur unwesentlich besser als die beiden Ganzjahresreifen. Sein Fahrverhalten auf dem VW Golf wirkt nervös, weil sich in Kurven kräftiges Schieben über die Vorderräder mit einem bei Lastwechseln unruhig werdenden Heck abwechseln. Der Testsieger des letzten Jahres, der Dunlop SP Winter Sport 3D, ist als Referenz wieder dabei. Es reicht ihm zum dritten Platz - mit sehr guten Messergebnissen auf Schnee und achtbaren Eigenschaften auf trockener Straße. Nur auf Nässe kommt er nicht an die beiden Spitzenreiter heran, was zeigt, dass die kontinuierliche Weiterentwicklung der Reifentechnik zwar nur kleine, aber durchaus spürbare Fortschritte bringt.

Vredestein Snowtrac 3 bietet eine deutlich preisgünstigere Alternative

Die niederländische Firma Vredestein, die sich neuerdings unter dem Dach des indischen Reifenriesen Apollo Tyres befindet, bietet mit dem Snowtrac 3 einen ebenfalls empfehlenswerten Winterreifen, der sich nur knapp hinter den Dreien auf dem Siegertreppchen einordnet und deutlich preisgünstiger angeboten wird als die Produkte der Premiumhersteller. Das gilt auch für den finnischen Nokian sowie für den Semperit. Der entsteht unter Continental-Regie, hält aber in allen Testkriterien gebührend Abstand zum Conti. Was, Sie ahnen es, natürlich beabsichtigt ist.

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Götz Leyrer

Autor:

auto motor und sport, Heft 21 / 2009

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