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Alfa 147 gegen BMW 1er

Kleine Haie

Alfa Romeo 147 1.6 T. Spark, BMW 116i
14 Bilder

Eigensinn macht Spaß, nicht jeder will schließlich zur Generation Golf gehören. Zwei agile Alternativ-Typen für rund 20.000 Euro sind der Alfa 147 1.6 16V und der BMW 116i.

14.04.2005

Leistung, Leistung, noch mal Leistung. Tantes Golf hat mehr PS als vor 20 Jahren noch die E-Klasse des Prokuristen, Drehmomentkurven wachsen in den Himmel, und Kleinwagen ledern auf der linken Spur gestandene Limousinen ab.

Ausgerechnet in solchen Zeiten heißt der beliebteste Kompakt-BMW nicht 120d, sondern ganz bescheiden 116i . Rund 40 Prozent aller Käufer nehmen den Kleinsten, den Schwächsten, sie leben mit 115 PS, die auf gut 1,3 Tonnen Leergewicht treffen, und finden ihr Glück offenbar nicht im druckvollen Antritt, sondern mehr im etwas exaltierten Charme seiner Formen und der Einzigartigkeit des Hinterradantriebs, den nur dieser eine Kompakte bietet.

Sicher, auch der Preis spielt eine Rolle: Denn schon der billigste BMW kostet fast 20 000 Euro, ohne sich seiner Nacktheit zu schämen. Gut, ESP ist serienmäßig an Bord, ansonsten verzeichnet die Ausstattungsliste sogar das „Lenkrad mit PUR-Kranz“ nicht ohne Stolz. Selbst die Klappbarkeit der Fond-Kopfstützen kostet extra, ganz abgesehen von der Klimaanlage (950 Euro), einem CD-Radio (600 Euro) oder Alurädern (ab 600 Euro). Alleine die Features, die den Basis-Einser später nicht zum Dauerparker auf dem Gebrauchtwagenplatz machen, summieren sich locker auf 4000 Euro. Also doch lieber ein Kompakter aus dem Wolfsburger Mainstream?

Ein Alfa Romeo 147 ist fünf PS stärker als der 116i, er kostet mit dem edelsten Ausstattungspaket namens Distinctive 950 Euro mehr, hat die Aufpreis-Goodies des BMW aber serienmäßig an Bord. Und er bietet den Vorzug, nicht dutzendfach auf jedem Großmarkt-Parkplatz vertreten zu sein: In den Top 50 der deutschen Zulassungsstatistik kommt er momentan nicht vor, trotz der aktuellen Modellpflege vom Jahresbeginn. Die zweite Generation des Kompaktmodells trägt ein größeres Alfa-Herz im Bug und einen koketten Chromstreifen auf der Heckklappe, erhielt eine neue Fahrwerksabstimmung und feinere Materialien im Innenraum.

Das hat ihm gut getan, speziell das Finish im Interieur lässt den Preisabstand zum BMW nicht wirklich spüren.  Im Gegenteil: Die haptischen Qualitäten des Einser-Cockpits zeigen, dass auch Premiumhäuser gerne billig einkaufen, und die piefigen Plastik-Dekorleisten mit aufgedrucktem Pünktchenmuster hätte sich Opel vermutlich nicht getraut. Die intuitive Bedienbarkeit und das klare Instrumenten- Layout haben sie beide gemeinsam, beim Einser mit optionalem Navigationssystem aber irritiert anfangs der i-Drive-Knubbel, auch die Vorteile des Starterknopfes erschließen sich nicht. Viel wichtiger: Die Sitzposition des BMW passt auf Anhieb, während sie für groß gewachsene Alfa- Benutzer stets etwas zu hoch erscheint. Und für massivere Passagiere bieten die Sitzflächen des 147 einfach zu wenig Widerstand. Dafür ist die Rückbank des Alfa Romeo wenigstens für den Mittelstrecken-Betrieb mit Erwachsenen geeignet. Der BMW dagegen ermöglicht nur die Mitnahme zarter Mädchen ohne Verrenkungen; ein 1,85-Meter-Mann kommt mit verdrehten Beinen irgendwie herein, aber nur mit Slapstick-Einlage wieder heraus.

Der Einser, ein Fall für zwei, die sich selbst genug sind. Ein bisschen was mitnehmen dürfen sie aber schon, das maximale Kofferraum-Volumen von immerhin 1150 Litern macht es möglich – und das, obwohl nur die hintere Lehne klappbar ist und nicht, wie beim Alfa, auch die Sitzfläche. Seltsam, dass ausgerechnet die Zuladung des Einser bei nur 369 Kilogramm liegt.  

Vielleicht ist der hautenge Schnitt der Münchner Couturiers aber auch nur konsequent: Die Vorstellung, im 116er vier Baseballer plus Gepäck befördern zu müssen, wirkt nicht erbaulich.  Denn im Grunde hechelt er seiner sportiven Aura schon hinterher, wenn er mit einem entschlossenen Benutzer alleine ist.  Den lässt der Wunsch nach engagierter Gangart dann fast exzessiv zum Schalthebel greifen – zugegeben: ein Vergnügen – und sein Seelenheil im oberen Drehzahlbereich suchen.  Das bringt den kleinen Vierzylinder, der ohne Ausgleichswellen arbeitet, zwar erst oberhalb von 6000 Rotationen um seine gelassene Akustik, äußert sich aber auch in Verbrauchswerten bis über elf Liter auf 100 Kilometer.  Super Plus darf es sein, das macht die Sache nicht besser.  

Ein Trost sind die Sicherheitsreserven des Fahrwerks. Der Grenzbereich ist weit, und Laune macht die Agilität des Einser speziell auf kurvigen Nebenstraßen trotzdem. Neuerdings auch auf Pisten der furchigen Art: Die bisher als extratrocken kritisierte Federung arbeitet beim getesteten 116i geschmeidiger, sie gibt vor allem kurze Unebenheiten weit weniger spürbar wieder.  Ein vergnügliches Auto ist daher auch der schwächste BMW, obwohl ihm der frontgetriebene Alfa Romeo tapfer im Nacken sitzt. Er beschleunigt etwas besser, geht schnelle Kurven mit ganz dezenter Untersteuerneigung an und bleibt auch im Grenzbereich gut beherrschbar.  Dennoch ist das optionale ESP (300 Euro) natürlich zu empfehlen.

Seine Lenkung arbeitet leichtgängiger, um die Mittellage allerdings auch diffuser. Aber: Unterm Strich fehlt ihm der letzte Tick an Präzision, die der BMW vermittelt.  Ein flaueres Pedalgefühl beim Bremsen, die unexakte Schaltung, schlechtere Bremsen, lautere Windgeräusche, vor allem aber seine entnervende Stuckerneigung auf Autobahnen mit Waschbrett-Muster kosten ihn Punkte.  Er trinkt zwar normalen Super-Sprit, davon aber etwas mehr als der BMW. Im Unterhalt vermasselt ihm speziell seine deftige Vollkasko-Prämie die Tour.  Seine stärkste Leistung liegt im Anderssein.  Aber das kann auch der BMW – besser, wie die Testbilanz zeigt. 

Fazit

1. Alfa Romeo 147 1.6 Twin Spark
443 Punkte

Der 147 bleibt ein charismatisches, agiles Nischenauto. Er überzeugt mit gepflegtem Finish, bietet etwas mehr Platz als der Einser, nervt aber auch mit seiner extremen Stuckerneigung und ist relativ teuer im Unterhalt.

2. BMW 116i
496 Punkte

Karge Serienausstattung, knappes Raumangebot im Fond – trotzdem ein Testsieger: Speziell das knackige Handling, die ausgewogenere Fahrwerksabstimmung und sehr gute Bremsen sprechen für den Basis-Einser.

Technische Daten
BMW 116iAlfa Romeo 147 1.6 T.Spark
Grundpreis20.650 €22.200 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4227 x 1751 x 1430 mm4223 x 1729 x 1442 mm
KofferraumvolumenVDA330 bis 1150 L292 bis 1042 L
Hubraum / Motor1596 cm³ / 4-Zylinder1598 cm³ / 4-Zylinder
Leistung85 kW / 115 PS (150 Nm)88 kW / 120 PS (146 Nm)
Höchstgeschwindigkeit200 km/h195 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h10,9 s
Verbrauch7,6 L/100 km8,2 L/100 km
Testverbrauch9,5 L/100 km9,8 L/100 km
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