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Alfa Romeo 159 und Audi A4

Mittelklasse-Diesel im Vergleichstest

Mediterraner Chic kontra deutsche Solidität: Mit dem Alfa Romeo 159 2.4 JTDM und dem Audi A4 2.7 TDI treten zwei leistungsstarke Diesel-Mittelklässler ganz unterschiedlichen Charakters gegeneinander an.

01.11.2006 Klaus-Ulrich Blumenstock

Die Zuneigung der Europäer zum Dieselmotor ist ungebrochen. Nach wie vor gilt er diesseits des Atlantik als Sparkonzept schlechthin. Weil der Diesel aber längst reinem Nutzdenken entwachsen ist, weil er genauso für Dynamik steht und mit mehr als vier Zylindern selbst für smarten Reisekomfort, verlangt der Kunde zunehmend nach solch modernen Aggregaten. Geradezu ein Prototyp jener Generation der jungen Milden und Starken ist der Audi A4 mit seinem 2.7-Liter-TDI.

Auf sechs Zylinder im V-Format verteilt, entfaltet der Audi-Motor seinen Schub in einer imponierenden Mischung aus Gelassenheit und sportlichem Nachdruck. Und das problemlos zu schaltende Sechsgang-Getriebe erhöht dabei den Spaßfaktor ganz entscheidend. 180 PS gegen 200 PS: Das sieht auf den ersten Blick aus, als wäre der Alfa Romeo 159 2,4 JTDM der potentere Partner. Doch liefern die Kontrahenten hier den schönen Beleg dafür, dass nominelle Papierwerte nicht alles sind.

Denn der Audi wuchtet seine maximal 380 Nm bereits bei 1400/min auf die Kurbelwelle. Der Alfa-Diesel liefert zwar auch beim Drehmoment ein Plus von 20 Nm, aber erst bei 2000/min. Im direkten Vergleich zeigt sich, dass der etwas leichtergewichtige Audi die Nase in Sachen Beschleunigung vorn hat, wenn auch nur hauchdünn. Zudem wirkt er unterm Strich drehfreudiger als der Italiener, der vor allem im Bereich der unteren Drehzahlen auch noch deutlich rauer wirkt als sein Ingolstädter Pendant – nicht zuletzt eine Folge davon, dass die Alfa-Techniker 2,4 Liter Hubraum auf nur fünf Zylinder zu verteilen hatten.

Der Laufruhe des Audi kommt zudem die modernere Common-Rail-Einspritzung zugute (siehe Spotlight). Was hohe Reisegeschwindigkeiten angeht, sind beide über jede Kritik erhaben. Sie verschaffen sich locker den Zutritt zum Club 200; freilich mit ganz unterschiedlichen Akzenten. Der 159 übernimmt hier den sportlich- noblen Part, was er in der getesteten Distinctive-Ausstattung schon optisch mit serienmäßigen Ledersitzen dokumentiert.

Obwohl sie ausgeprägte Konturen vorspiegeln, fehlt es ihnen an ausreichender Seitenführung, und die Oberschenkel-Auflage ist für groß gewachsene Mitteleuropäer knapp geraten. Das gilt übrigens auch für den Fußraum, mit dem sich der Fahrer arrangieren muss. Dem Audi-Fahrer wird dies deutlich leichter gemacht. Der optischen Schlichtheit seiner Sitze setzt der A4 jede Menge Wohlfühl-Attribute entgegen. Seitenführung, Verstellbarkeit und variable Lordosenstütze – da passt einfach alles zusammen. Zumindest auf den vorderen Sitzen, denn für die Fond-Insassen halten beide nicht eben großzügige Platzverhältnisse vor.

Menschen mit Gardemaß jenseits von 1,80 Meter werden immer wieder mit der eingezogenen Dachlinie Bekanntschaft machen. Und auch für die Füße ist im Alfa nur wenig Platz vorhanden. Beim Qualitätseindruck neigt sich die Waage kaum überraschend eindeutig auf die Seite des Audi. Dem Anspruch einer Premium-Marke wird der A4 2.7 TDI eindrucksvoll gerecht. Oberflächenverarbeitung, Passgenauigkeit, haptische und funktionelle Qualitäten vermitteln einen rundum stimmigen Eindruck.

Mit mediterraner Nonchalance verlässt sich Alfa Romeo da eher auf die Blendwirkung des Designs. Wer ihr erliegt, der mag vielleicht nachsehen, wenn der begrenzte Aufwand bei der Türabdichtung die Windgeräusche bei schneller Fahrt noch steigert, wenn dann die Motorhaube vibriert oder aus der B-Säule dezentes Rappeln dringt.

Wenn es darum geht, seiner Dynamik gezielt und effektiv Einhalt zu gebieten, hinterlässt der Alfa einen zwiespältigen Eindruck. Einerseits glänzt er sowohl beladen als auch unbeladen mit exzellenter Verzögerung. Das Pedalgefühl dabei ist allerdings eher gewöhnungsbedürftig, zumal starkes Bremsen mitunter von wummernden Abrollgeräuschen begleitet wird.

Wirklich ernüchternd dann das Bremsen auf Untergrund mit rechts und links unterschiedlichem Haftwert (µ- split): Da bleibt der 159 zwar spurtreu, kommt aber sage und schreibe 36 Meter später als der A4 zum Stehen – Stabilität, die auf Kosten des Bremswegs erkauft wird. Der solide Ingolstädter zeigt sich hingegen über alle Bremsen- Disziplinen hinweg als der ausgeglichenere Charakter. Eine neue Facette erhält das Bild bei den fahrdynamischen Eigenschaften. Da kehrt der Alfa-Fronttriebler seine besten Eigenschaften hervor. Er überzeugt durch problemloses Handling und nimmt selbst extreme Kurven mit verblüffender Gelassenheit.

Und wenn der ESP-Eingriff doch einmal nötig wird, geschieht er so unspektakulär, dass der Fahrspaß kaum beeinträchtigt wird. Das ist beim Audi anders. Bei extremen Ausweich- oder Kurvenmanövern packt die mäßigende ESP-Hand relativ hart zu, um das nach außen drängende Heck zu zügeln. Diesseits des Grenzbereichs zeigt sich der A4 allerdings handlich und mit präziser Lenkung gesegnet. Auch im Abrollkomfort stellt er seine größten Stärken bei langsamer Fahrt heraus, während dies der Alfa zunehmend bei höherem Fahrtempo tut. Ohne wirklich gravierende Alltagsschwächen offenbaren sich die Testkandidaten auch hier als gegensätzliche Charaktere.

Zu den Stärken des Alfa 159 gehört seine umfangreichere Serienausstattung, die den höheren Preis der Distinctive-Version erklärt. Vom Lederambiente über Zweizonen-Klimaautomatik und Tempomat bis hin zur Isofix- Kindersitzvorbereitung ist alles an Bord, was das Autofahren sicher und angenehm macht. Beim Audi A4 muss man dagegen die vergleichsweise karge Grundausstattung nach Wunsch erst aus der Optionsliste anreichern, was natürlich schnell ins Geld gehen kann. Wäre der Test eine Miss-Wahl, der schöne Italiener würde dem soliden, aber eher sachlichen Bayern sicher den Rang ablaufen. Doch in jeder lang währenden Beziehung nimmt die Bedeutung von Alltagsqualitäten mit den Jahren zu. Und da verspricht der Audi über den Tag hinaus einfach mehr – nicht zuletzt, weil er im Verbrauch genügsamer ist als der großzügiger konsumierende Südländer. Und maßvolle Trinksitten sollen ja jeder Langzeitbeziehung durchaus zuträglich sein.

Fazit

1. Audi A4 2.7 TDI
499 Punkte

Wirklich gravierende Schwächen kennt der Audi A4 nicht. Zum grundsoliden Gesamteindruck kommt der leistungsstarke und kultivierte 2.7 TDI, der ein Gedicht ist. Damit holt er sich souverän den Sieg.

Technische Daten
Alfa Romeo 159 2.4 JTDM 20VAudi A4 2.7 TDI
Grundpreis35.800 €33.550 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4661 x 1830 x 1422 mm4586 x 1772 x 1427 mm
KofferraumvolumenVDA405 L460 L
Hubraum / Motor2387 cm³ / 5-Zylinder2698 cm³ / 6-Zylinder
Leistung147 kW / 200 PS (400 Nm)132 kW / 180 PS (380 Nm)
Höchstgeschwindigkeit228 km/h230 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h8,4 s
Verbrauch6,8 L/100 km6,7 L/100 km
Testverbrauch9,6 L/100 km8,5 L/100 km
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