Wie lässt sich ein Coupé kurz und knapp beschreiben? Zweitürig und viersitzig vielleicht, aber sind dann der fünfsitzige Alfa Romeo GT und der viertürige Mazda RX-8 noch Coupés? Aber ja, schon aus dem Augenwinkel betrachtet kauern die beiden zwischen all den Hochdach-Autos und Allrad- Mobilen herrlich flach und verheißungsvoll auf der Straße – eben typisch Coupé. Um 29 000 Euro muss man anlegen, bestellt man sie in den gehobenen Ausstattungsvarianten Distinctive (Alfa) und Revolution (Mazda). Preislich liegen sie also eng beieinander, ansonsten könnten die beiden jedoch nicht unterschiedlicher sein. Frontgetrieben, mit Vierzylinder-Reihenmotor und Benzin-Direkteinspritzung tritt der Alfa an. Der Mazda dagegen ist ein Hecktriebler mit Zweischeiben-Wankelmotor. Immerhin gelten sowohl die Alfa-Vierzylinder wie auch die Rotations-Kolbenmotoren als wahre Drehorgeln und versprechen daher sportlichen Fahrern großes Vergnügen. Halten können sie dies aber nur zum Teil.
Ganz so spontan wie erwartet gibt sich der Alfa-Reihenvierer nicht. Seine Kraftentfaltung geschieht zwar sehr gleichmäßig, man vermisst allerdings die Drehfreudigkeit, die einen typischen Sportmotor gemeinhin auszeichnet. Beschleunigung und Elastizität sind für einen Sportwagen bescheiden. Das Getriebe ist ebenfalls keine Offenbarung, weil die Schalthebel-Führung viel zu unpräzise geraten ist. Die gute Laufkultur und das Geräuschniveau entschädigen dafür aber zum Teil und machen den Alfa zumindest akustisch fit für Langstreckenfahrten. Zumal auch Wind- und Abrollgeräusche niedrig ausfallen.
Der Mazda klingt dagegen wie eine wild gewordene, wenn auch gut gedämpfte Kettensäge, obwohl er nicht viel drehwilliger ist als der Alfa-Motor. Dafür bleibt er akustisch präsenter und will so einen sportlicheren Anspruch vermitteln. Den kann aber auch er nicht halten, wie ein Blick auf die Messwerte beispielsweise für die Elastizität beweist. Die lassen das knapp 200 PS starke Aggregat ganz schön blass aussehen. Fleißiges Rühren im hervorragend schaltbaren Getriebe bringt keine Besserung, weil die Gangsprünge zu groß ausfallen. Eine Sechsgangbox wäre wünschenswert. Auch um den Verbrauch zu drücken, denn der Wankel ist so trinkfreudig wie ein schwerer Offroader mit Sechszylindermotor. Aber Mess- und Verbrauchswerte fallen auch beim Alfa alles andere als günstig aus. Natürlich sind sie nicht allein ausschlaggebend, wenn mit dem Herzen gekauft wird. Die Autos wollen beim Fahren für ihre Unzulänglichkeiten entschädigen.
Alfa Romeo GT gegen Mazda RX-8: Eine Frage der Kehre
Italien trifft auf Japan: Mit dem neuen Alfa-Coupé und dem viertürigen Mazda-Sportwagen bereichern zwei ganz besondere Charakter-Darsteller dieses Segments.
Autor: Christian Bangemann





