Alfa Romeo Mito und Mini Cooper im Test

Zwei Nostalgie-Minis im Test

Alfa Romeo Mito, Mini Cooper

Der einzige echte Mini-Konkurrent rüstet auf: Dank neuartigem Multiair-Motor will der Alfa Romeo Mito mit mehr Dampf bei geringerem Grundpreis dem etablierten Cooper davonfahren.

Wer vor dem Autokauf karierte Blöcke mit seitenlangen Kostenrechnungen füllt oder Kofferräume per Zollstock nachmisst, schüttelt da nur den Kopf: 20.000 Euro für Zwerge wie den Mini Cooper oder Alfa Romeo Mito mit ein paar Standard-Extras - für Nutzwert-Optimierer schlicht unvorstellbar. Auch dicke Aufpreislisten für Chromzierringe, Spiegelkappen und Dekor-Sets katapultieren die beiden nicht gerade auf vordere Plätze in den Viel-Auto-fürs-Geld-Hitparaden. Anders sieht es im Sympathie-Ranking aus, wo Mini seit 2001 mit Nostalgie-Charme die Herzen und Geldbeutel all derer im Sturm erobert, für die Größe keine Frage von Zentimetern ist.

Der Alfa Romeo Mito köchelt italienische Sportwagen-Tradition ein

Ein Rezept, das seit rund einem Jahr auch der Alfa Romeo Mito befolgt. Mit gepfeiltem Kühler-Scudetto, wuchtigen Radhäusern sowie imposanter Analoguhren-Sammlung köchelt Alfas Sprössling Jahrzehnte italienischer Sportwagen-Tradition auf 2,50 Meter Radstand ein. Und kreuzt er dann noch im nationalen Motorsport-Rosso auf, verzeihen ihm selbst statusbedachte Ferraristi, falls sich gelb-schwarze Pferdchen-Aufkleber auf die Kotflügel verirren. Umso mehr, da unter seiner Motorhaube eine Weltneuheit steckt: Der hydraulische Ventiltrieb Multiair kommt ohne Einlassnockenwelle aus und verspricht eine für jeden Zylinder und Lastzustand optimale Öffnung. Auch der Entfall einer wirkungsgradhemmenden Drosselklappe soll den Verbrauch um zehn Prozent reduzieren - bei einem Leistungsplus derselben Größenordnung.

Mit dem Multiair-Mito kann der Mini Cooper im Test nicht mithalten

Dank 1,0 bar Ladedruck des Garett-Turbos erreicht er knapp 100 PS pro Liter. Mit leidenschaftlicher Aussprache und strammem Drehmoment knapp über Leerlaufdrehzahl zieht der Alfa Romeo Mito seinem britischen Kontrahenten daher vom Start weg davon. Noch größer wird der Abstand, wenn die serienmäßige Fahrdynamik- Regelung DNA (Dynamik, Normal, All-Wetter) per Knopfdruck Gaspedalkennlinie, ESP-Abstimmung und Durchzug auf Attacke stellt. So liegen in Stellung D nahezu turbolochfreie 206 Nm (sonst 180) an. Im Vergleich zum aufgeladenen Multiair-Triebwerk wirkt der Mini Cooper-Sauger so innovativ wie das Glockenspiel im Big Ben. Obwohl nur 15 PS schwächer, muss sich der brave 1,6-Liter auf über 4.000/min strecken, um die chromumrandeten LED-Rücklichter des Alfa nicht aus den Augen zu verlieren. Angesichts des feurigen Temperaments erscheint sogar der Mito-Mehrkonsum von 0,2 Liter/100 km gerechtfertigt.

Der Alfa Romeo Mito wirft sich nicht so lustvoll in die Kurven wie der Mni Cooper

Testverbräuche von knapp neun Litern sind jedoch für Zwerge mit Start-Stopp- Systemen absolut gesehen nicht besonders ruhmreich. Wo Leistung weniger zählt, wendet sich das Blatt zugunsten des Mini: Auf engem Kurs setzt der Brite die Kommandos seiner direkten und stoßarmen Lenkung so zackig um wie Buckingham-Wachen ihr Gewehr. Zudem schiebt er auch in schnellen Kehren kaum über die Vorderräder und lässt sich mit kurzen Gaspedallupfern problemlos ums Eck heben, ohne dass das ESP dabei die Zügel aus der Hand gibt. Dem für Kleinwagen nach wie vor konkurrenzlos aufwendigen Fahrwerk mit Mehrlenker-Hinterachse sei daher verziehen, dass vor allem kurze Stöße bis zu den Insassen durchdringen. Obwohl der zwei Zentner schwerere Mito ebenfalls spontan einlenkt und sicher fährt, wirft er sich bei weitem nicht so lustvoll ins Landstraßen-Geschlängel.

Den Kofferraum-Test gewinnt der Alfa Romeo Mito

Neben der diffusen Lenkung und seiner Kopflastigkeit verhindern die stärkere Seitenneigung sowie die höhere Sitzposition ein Verschmelzen von Fahrer und Maschine wie im Mini. Querfugen-Stuckern und heftige Vertikalbewegungen gehen darüber hinaus zu Lasten des Komforts. Was auf schlechten Straßen fast noch mehr nervt, sind die permanenten Knarzgeräusche der eigentlich liebevoll gestalteten Innenausstattung. Den Qualitätseindruck untergräbt auch der Schalthebel, der längst nicht so präzise rastet, wie man sich das wünscht. Immerhin sorgen 36 Extra-Zentimeter im Alfa Romeo Mito (der Alfa Romeo Mito Multiair im Fahrbericht) für einen angemessenen Gepäckraum, wohingegen das winzige Fach im Mini Cooper nahelegt, die Rückbank gleich umgeklappt zu lassen. Wer sich in Reihe zwei einfädeln muss, dürfte sich dagegen in beiden Fällen an einen Mittel- Platz im Billigflieger erinnert fühlen. Auch das Cooper-Interieur besteht zum größten Teil aus Hartkunststoff mit einigen unwürdigen Details wie den Klimareglern mit Lego-Haptik. Allerdings verkneift es sich konsequent, die Qualität der Fahrbahnoberfläche akustisch zu kommentieren. Schrullige Design-Ideen wie Bullaugen-Tacho oder Kippschalter- Leisten wirken nach wie vor unverbraucht.

Der Alfa Romeo Mito kann seinen günstigeren Basispreis nicht ausspielen

Dank dünnen Dachpfosten lässt sich der Mini Cooper prima überblicken und ohne Parkpiepser auf engstem Raum manövrieren. Bei dem nach hinten verbauten Alfa Romeo Mito empfiehlt es sich hingegen, die Abstandssensoren (310 Euro) gleich mitzubestellen. Der Vorteil seines geringeren Grundpreises schrumpft jedoch vor allem deshalb, weil Klimaanlage oder Alu-Felgen separat berechnet werden. Damit bleibt der tolle Motor unterm Strich einziger Trumpf des Alfa Romeo Mito. Ambitionierte Mini-Fahrer wünschen sich dagegen lediglich den zum wuseligen Handling passenden Turbo-Schub der Cooper-S-Version, die das Budget nochmals mit fast 4.000 Euro belastet. Doch den karierten Rechenblock sollte man, wie gesagt, ohnehin schön in der Schublade lassen.

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Dirk Gulde

Autor:

auto motor und sport, Heft 03 / 2010

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