Alfa Romeo Spider und Nissan 350 Z Roadster im Test

Zwei Cabrios im Vergleich

Drehmoment oder Drehzahl? In einem ungewöhnlichen Vergleich trifft der Alfa Romeo Spider 2.4 JTDM mit Dieselmotor auf den Benziner Nissan 350 Z Roadster. Welcher Antrieb eignet sich besser für den Weg zur Sonne?

Im Leben muss man sich oft zwischen völlig verschiedenen Dingen entscheiden. Sushi beim Japaner oder Carpaccio beim Italiener? Jasmintee oder Espresso? In jedem Falle lecker, wenn auch auf ganz unterschiedliche Art.

Apfel-oder-Birne-Grundsatzfragen können sich durchaus auch beim Autokauf stellen: Soll der Sonnen-Hunger von einem Roadster mit drehfreudigem Benzin-Motor, etwa dem Nissan 350 Z Roadster , gestillt werden? Oder macht ein offener Diesel wie der Alfa Spider 2.4 JTDM mit seinem bulligen Drehmoment nicht viel mehr Spaß? Noch dazu, wenn beide preislich in einer Liga spielen. Der mit Premium-Pack gut 43 000 Euro teure Nissan kostet nur 2000 Euro mehr als der Alfa, der in Exclusive-Ausstattung an den Start geht.

Von der Papierform her scheint der jüngst auf 313 PS erstarkte 350 Z dem 113 PS schwächeren Spider nicht den Hauch einer längsdynamischen Chance zu lassen. Doch Vorsicht: Alfas aufgeladener 2,4-Liter-Reihenfünfzylinder kontert mit der Kraft von 400 Nm bei nur 2000/min. Für ebenfalls stramme 358 Nm Drehmoment muss die Kurbelwelle im 3,5-Liter-V6 des Nissan schon 4800 Mal pro Minute rotieren.

In Sachen Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit sieht der Spider tatsächlich kein Land. In nur 6,4 Sekunden ist der 350 Z auf Tempo 100 entschwunden, das Endstadium der Beschleunigung ist erst bei 250 km/h erreicht. Der Alfa lässt sich nach Überwindung seiner Anfahrschwäche für den Standard-Sprint mit neun Sekunden wie erwartet deutlich mehr Zeit.
Und er erreicht 228 km/h. Überraschung beim fliegenden Start: Von 60 auf 100 im fünften Gang braucht der Spider 12,6 Sekunden, von 80 auf 120 im sechsten Gang sind es sogar 16,3 Sekunden. Der Nissan unterbietet beide Werte um 3,7 beziehungsweise drei Sekunden. Was ist da los? Der Drehmomentvorteil des Alfa Romeo wird von seiner längeren Übersetzung sowie dem viel zu hohen Gewicht von 1751 kg wieder zunichte gemacht. Zum Vergleich: Die Cabrio-Variante des allradgetriebenen Porsche 911 Turbo mit 480 PS bringt fast 80 Kilogramm weniger auf die Waage.

Ein Leichtgewicht ist auch der Nissan 350 Z Roadster nicht

Glücklicherweise ist von seinen 1637 Kilo während der Fahrt weniger zu spüren, was nicht nur die reinen Fahrleistungen untermauern. Leichtfüßig und vom kehlig-heiseren Sechszylinder-Sound animiert, möchte der 350 Z-Pilot am liebsten jede Kurve scharf anbremsen, zwei Gänge zurückschalten und mit dem Gasfuß den Grenzbereich ausloten. Unterstützung bekommt der Sportsfreund dabei von der direkten Lenkung sowie dem knackig- straffen Fahrwerk, das nur wenig Seitenneigung zulässt. Allerdings kann der agile Nissan auch mal gemein werden. Gibt man in Kurven einen Tick zu viel Gas, zuckt das propere Hinterteil selbst bei trockener Straße und aktiviertem ESP zur Seite.

Sportliche Momente gehen mit Komforteinbußen im Alltag einher

Auf schlechteren Pisten schüttelt der mit serienmäßigen 18-Zoll-Rädern hart abrollende 350 Z seine Insassen kräftig durch, selbst kleinere Verwerfungen schlagen fast ungefiltert zu. Auch die tief montierten und viel Seitenhalt bietenden Sitze gehören mit ihrer straffen Polsterung nicht zum engsten Freundeskreis der Bandscheiben.

Der kantige Alfa schaut mit seinem aggressiven Blick so aus, als wollte er jede Kurve verschlingen. Hinter seinem angriffslustigen Gesicht steckt jedoch ein lieber Kerl und kein harter Beißer. Die höhere Sitzposition und seine weichere Federung animieren zur gemütlicheren Gangart. Eine Sänfte ist er damit allerdings noch lange nicht, da Fahrbahnunebenheiten die Alfa-Karosserie spürbar zum Nachschwingen anregen. Für engere Kurven lässt er sich zudem viel schwerer begeistern als der Nissan. Kein Wunder, ruhen doch 63 Prozent seines Gewichtes auf der angetriebenen Vorderachse. Beim klassisch heckgetriebenen Japaner sind es nur 53 Prozent. So hat der Fahrer gut zu tun, den untersteuernden Alfa mit der leichtgängigen, aber stößigen und unexakten Lenkung flott durch Kurven zu nötigen.

Da öffnet er lieber per Knopfdruck das vollautomatische Verdeck, lehnt sich entspannt zurück und genießt dank der hohen Sitzposition das intensivere Frischluft-Erlebnis. Der Spider bietet nicht nur mehr Luft, sondern auch ein mit massiven Alu-Einlagen und hochwertigen Kunststoffen aufgewertetes Ambiente. Individualisten können zudem aus unzähligen Farbkombinationen für Sitze, Armaturenbrett und Teppiche ihren ganz persönlichen Spider zusammenstellen. Selbst Extravaganzen wie ein weinrotes oder blaues Armaturenbrett sind im Pro gramm. Serienmäßige transparente Windstopper hinter den Sitzen verhindern bei beiden, dass sich der Fahrtwind allzu gemeine Späße mit den Frisuren der Passagiere erlaubt.

Interieur im Nissan ist kleinteiliger und weniger aus einem Guss gestaltet

Nur die hellen Ledersitze des Testwagens lockern die schwarze Hartplastik-Tristesse auf. Variieren lässt sich der Innenraum nur durch drei verschiedene Polsterfarben. Dafür bietet Nissan ab Werk nur wenig Spielraum, den Grundpreis der 43 290 Euro teuren Premium-Pack-Variante weiter nach oben zu treiben. Mit 18-Zoll-Rädern, Bi-Xenon-Scheinwerfern, Ledersitzen und Bose-Soundsystem inklusive CD-Wechsler hat er fast alles an Bord, was bei vielen anderen Herstellern teuer bezahlt werden muss.

Lediglich die Metallic-Lackierung für 590 Euro sowie das DVD-Navigationsgerät mit großem Sieben-Zoll-Monitor für 2500 Euro fehlen zur Vollausstattung. Soll der Alfa auf einen ähnlichen Stand gebracht werden, ist sein Preisvorteil von 2000 Euro schnell verflogen. Immerhin bietet sein Exclusive-Paket Details wie Lichtsensor oder Sitz-Memory, auf die der 350 Z-Besitzer verzichten oder die er, wie im Falle des Park-Piepsers, beim Händler nachrüsten lassen muss.
Bleibt noch die spannende Frage, ob man mit dem Diesel auf Dauer günstiger fährt. Und ob. Schon beim Tanken verlangt der Japaner mit einem Testverbrauch von 14,1 Liter Super Plus gegenüber 9,4 Liter Diesel einen kräftigen Aufschlag. Exorbitante Versicherungsprämien beim Nissan dürften zudem viele Interessenten abschrecken, die vom bezahlbaren Sportwagen der Über- 300-PS-Klasse träumen. Spider-Fahren ist zwar auch nicht billig, bei jährlich 30 000 km belastet er das Konto seines Besitzers aber um 300 Euro pro Monat weniger.

In der reinen Eigenschaftswertung liegt der sportlich-kernige Nissan vor dem komfortableren aber behäbigeren Alfa, der sich in der Endabrechnung dank günstigerer Unterhaltskosten mit 33 Punkten Vorsprung klar an die Spitze schiebt. Aber in einem Restaurant wählt man die Gerichte ja auch nicht nur nach dem Preis aus. 

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Dirk Gulde

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