Chrysler 300 C gegen Jaguar S-Type: Sonder-Fahrt

Mit 1,9 Tonnen ist der Chrysler so schwer, wie er aussieht, und nebenbei kaum leichter als die Straßenkreuzer der goldenen Sechziger – zumindest in diesem Punkt bleibt der 300 C seinen Wurzeln treu. Das war’s dann aber auch schon, denn beim Fahren gemahnt am Chrysler von heute nichts mehr an die wogenden Schiffe der Vergangenheit. Ein 300 C erträgt anspruchsvolle Fahraufgaben mit Fassung, bleibt nicht nur auf topfebenen Strecken stramm auf Kurs und kommt selbst aus hohem Tempo noch innerhalb der Landesgrenzen zum Stehen.

Früher war das anders, was freilich keineswegs heißen soll, dass Chrysler dem Fortschritt nun an vorderster Front huldigt. Gemessen am Klassenniveau bewegt sich der 300 C eher im Mittelfeld – seine Federung verarbeitet ausgeprägte Unebenheiten ruppig und neigt auf kurzen Wellen zum Stuckern, und die Fahrgeräusche sind bei hohem Tempo nicht gerade piano. Die Sitze bieten wenig Seitenhalt, die Lenkung wenig Feedback, während die riesigen Räder (18 Zoll) mit Reifen im Ballonformat, die dem Auto so prächtig stehen, nicht verhindern können, dass der Chrysler in Kurven schon ziemlich früh ziemlich heftig untersteuert. Letzteres beeinträchtigt zwar nicht die Fahrsicherheit, erstickt aber sportliche Fahrambitionen schon im Keim. Besser, man übt sich in Gelassenheit, und da kommt einem der kultivierte Diesel gerade recht. 510 Nm Drehmoment stehen bereit, kaum weniger als bei der 5,7-Liter-V8-Version (525 Nm) und passend für einen zügigen, aber unaufgeregten Fahrstil.

Dabei ist man bisweilen schneller, als man glaubt: Dass der 300 C laut Messuhr – ganz wie die alten V8-Boliden – in nur 7,8 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen kann, nimmt man ihm gefühlsmäßig nicht ab. Das schafft auch der Jaguar nicht, obgleich er ansonsten fahrdynamisch erheblich höhere Maßstäbe zu erfüllen vermag. Im S-Type geht es fast BMW mäßig zur Sache, was den stetigen Verbesserungen am Fahrwerk zu verdanken ist.

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Wolfgang König

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