Das Beste daran: Das ausgewogene Handling geht mit jener Geschmeidigkeit einher, die man von einem Jaguar erwarten darf. Der S-Type ist keine Sänfte, aber er schont die Insassen deutlich mehr als der hemdsärmelig abgestimmte 300 C. Dafür müssen sie dichter zusammenrücken.
Im Vergleich zum Chrysler hapert es an Innenbreite, und Großgewachsene kleben im Fond mit den Köpfen unter der Decke. Tadellos dagegen die Fahrerposition: Der Jaguar- Pilot sitzt tief, aber bequem, das Nischengefühl erinnert ein wenig an die Klassiker der Marke. Was man von den Tönen aus dem Motorraum zunächst nicht behaupten kann: Nagelgeräusche im Jaguar? Die gute Nachricht: Der Diesel macht sich akustisch nur beim Start bemerkbar. Ansonsten besticht er mit ausgeprägter Laufkultur – das dürfte auch Skeptiker überzeugen. Hinzu kommt, dass auch die füllige Drehmomentcharakteristik traditionellen Jaguar- Tugenden genügt. Der 2,7-Liter-Diesel ist kein Dampfhammer, aber er bietet jenes Maß an Leistung, das gute britische Motoren von jeher auszeichnete: genügend.
Nicht alles entspricht freilich den alten Werten. Mit 9,9 Liter/100 km konsumiert der selbstzündende S-Type nur noch halb so viel wie ein Jaguar zu seinen besten Zeiten. Da übt sich der Chrysler schon eher in alten Gepflogenheiten: Unter den Diesel-Limousinen seiner Klasse gehört er zu den trinkfreudigsten (11,4 L/100 km). Wer das Ausgefallene zu schätzen weiß, den dürfte das aber nicht grämen. Schließlich handelt es sich um einen Amerikaner. Da macht es auch nichts, dass der Engländer sachlich gesehen die Nase vorn hat: Individualität ist eben keine Frage von Punkten.
Chrysler 300 C gegen Jaguar S-Type: Sonder-Fahrt
Autor: Wolfgang König

