Ferrari 599 vs. Lamborghini LP 640: Es bebe der Sport

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Ein packend enges Duell, obwohl die beiden Streithähne motorphilosophisch eine kleine Welt trennt. Maranellos Stolz trägt seine sechs Liter mittig, hinter der Vorderachse, die Kolben auf extrem kurzen 75-Millimeter-Hub getrimmt. Bis zu 8.200/min dreht die Kurbelwelle in dem V12-Motor mit einem ungewöhnlichen Zylinderwinkel von 65 Grad. Schlagartiger Dampf bis zu 620 PS, der an der Antriebswelle zerrt - drei Prozent weniger als in der weißen Flunder.

Bei voller Leistung brüllt der Stier

Den LP 640-Bändiger packt das vibrierende Kraftwerk direkt im Nacken, longitudinale posteriore, wie der Italiener sagt: hinten längs. Dort prügeln die Kolben mit hauchzarter Langhub-Charakteristik und 23,7 Meter pro Sekunde auf die Kurbelwelle ein. Vor allem schöpft der Murciélago aus einem halben Liter mehr Hubraum. So pfeift das klassisch gespreizte 60-Grad-Aluaggregat auf die letzten 200/min Drehwillen und trumpft mit 660 Nm und damit fast neun Prozent mehr Moment auf. Immense Kraft, die eine vergleichsweise simple Viskokupplung schlupfbedingt auf die Achsen portioniert.

Bei voller Leistung brüllt der Stier, als wäre er am Ende einer Corrida, und der 599 stimmt euphorisiert kreischend in das Verbrennungssingen ein. Die Unterarmhärchen spenden dem ungleichen Duett stehende Ovationen.

Es wartet der Kleine Kurs in Hockenheim. Tief geduckt liegt der LP 640-Fahrer nur zwei Kolbenbreiten über der Startgeraden. Fest packen die Designer-Schalensitze die Hüften, und das Cockpit weckt den Kampfjet-Piloten. Ein Druck auf die Sporttaste schaltet Getriebe und Gasannahme auf arrabiata. ESP? Da regt den Lamborghini schon die Frage auf. Nur ABS lässt er an seine gelochten Keramik-Beläge, die sich gerne erst heiß machen lassen, um mit voller 35-Meter-Konsequenz zuzuschlagen.

Sport-Luxus-Interieur mit 95-prozentiger Perfektion

Der Ferrari-Fahrer taucht in eine andere Interieur-Welt und thront hoch im durchgestylten Sport-Luxus-Interieur mit 95-prozentiger Perfektion. ESP? Klar, aber nicht auf der Rennstrecke. Mit dem Lenkradhebelchen, Manettino getauft, verpasst der Ferraristo der vierstufigen Elektrokontrolle einen Maulkorb. Der 599 soll beißen.

Doch schon in der Ameisenkurve fehlt den Reißzähnen die Spitze. Die Cavallino-Front schnüffelt nur noch an den seitlichen Lufthutzen des Murciélago, um in der Sachskurve vollends in sein schwarzes Auspuffeck zu glotzen. Das früher bei harten Grenzbereichs- Lastwechseln schlagartig auskeilende Fahrwerk des LP 640 präsentiert sich gezähmt und klebt trotz hecklastiger Balance (42:58) an der Ideallinie wie Mücken an der Frontscheibe - neutral und unerwartet ruhig. Derweil erweist sich sein wildledernes Lenkrad als präziser Informant und Sparringspartner für den Bizeps.


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