Peugeot 207
Hinter dem breiten Kühlergesicht des Peugeot 207 lauert ein Schlingel. 1,4 Liter groß, 95 PS stark und top motiviert. Ob beschleunigen, durchziehen oder topspeeden: Der Franzose ist ganz vorn mit dabei. Sicher, andere Motoren laufen sämiger und verbrauchen weniger, dafür klingt der Vierventiler mit den beiden Verstell-Nockenwellen plus variablem Ventilhub auf der Einlass- Seite kerniger, dreht williger. Schlecht hingegen: die teigig geführte Schaltung, die bei eingelegtem Gang mehr Spiel zulässt als andere über komplette Schaltwege. Um Entschädigung bemüht sich der Innenraumeindruck mit den erwachsenen, zupackenden Vordersitzen sowie dem hoch bauenden Instrumententräger. Ordentlichem Platzangebot vorn steht allerdings fühlbare Enge im Fond entgegen – Bein- und Kopffreiheit enttäuschen. Gleiches gilt für die schlechte Übersicht nach vorn und schräg hinten sowie die unharmonisch abgestimmte Federung. Vor allem im beladenen Zustand mischt sich Nervosität ins Fahrverhalten. Die Dämpfung scheint stets zeitversetzt und unkoordiniert zu arbeiten. Trotz relativ hochflankiger Reifen mit 65er-Querschnitt überzeugen weder der Abrollkomfort noch die Absorption von Unebenheiten. Die Lenkung teilt die Master-Test- Gemeinde: Ein Teil lobt sie als angenehm fest und schwergängig, ein anderer kritisiert sie hingegen als inkonkret rückmeldend und gefühllos. Gefühl kann man brauchen: Was der Testparcours zeigt, bestätigt sich auf der Landstraße. Zwar untersteuert der 207 kaum und hält enge Radien, dafür reagiert er aber empfindlich auf Lastwechsel. Schon beim leichten Gaswegnehmen drängt er mit dem Heck, um bei harschen Manövern deutlich zu übersteuern. Speziell auf feuchter Piste sorgt das für feuchte Fahrerhandflächen – trotz des optionalen ESP. Beim Bremsen auf unterschiedlich griffigem Untergrund (μ-split) steht der Peugeot dafür als Erster.
Honda Jazz
Honda interpretiert das Kleinwagen-Thema mit einem deutlichen Van-Akzent. So schaffen die weit nach vorn ragende Frontscheibe und die großen Glasflächen einen luftigen Raumeindruck, der vom guten Platzangebot vorn wie hinten bestätigt wird. Lediglich die vorderen Dachpfosten tangieren die Übersichtlichkeit. Ansonsten profiliert sich der hoch bauende Jazz als praktischer Allrounder mit Variabilitäts-Faible. Seine Rücksitzbank lässt sich entweder gefaltet aufstellen, um Platz für sperrige Gegenstände zu schaffen, oder sie legt sich flach, wobei die Sitzflächen selbstständig mitschwenken. Dieser Vorgang läuft ebenso intuitiv und flüssig wie der Rest der Bedienung. Im Gegensatz zum Vorgängermodell, das auf Lastwechsel mit tückischen Heckschwenks bis hin zum Dreher reagierte, bleibt der Neue stabil auf Kurs, selbst wenn er immer noch zarte Heck-Unruhe zeigt. Spätestens das serienmäßige, rigoros eingreifende ESP zieht die Leine stramm. Unter Last untersteuernd ausgelegt sowie von einer spürbaren Wankneigung limitiert, hängt der Jazz bei den Fahrversuchen jedoch klar zurück. Sein Federungskomfort rangiert im Mittelfeld – beladen neigt er zu deutlichen Vertikalbewegungen. Enttäuschung bei den Bremsprüfungen: Aus Tempo 100 benötigt der Jazz deutlich über 40 Meter bis zum Stillstand. Seinem verhältnismäßig hubraumschwachen, 90 PS starken 1,2-Liter liegt spontanes Ansprechen und williges Hochdrehen besser als stämmiges Durchziehen. Vorbildlich: das knackig rastende Fünfganggetriebe und der niedrige Durchschnittsverbrauch von sieben Liter/100 km.
Fiat Grande Punto
Die Ausstattungsvariante Racing beschert dem Grande Punto zwar ein schickes Cockpit inklusive Oberflächen in Karbon-Prägung, kann aber am unausgewogenen Komfort nichts ändern. Der Fiat stuckert auf Betonplatten-Autobahnen, bleibt auf Holperpisten ständig in Bewegung, dämpft indifferent und wirkt unfertig - egal, ob leer oder beladen. Ähnlich sieht es beim Handling aus. Hier mischt sich synthetisches Lenkgefühl mit hektischem Fahrverhalten. Die tendenzielle Sportlichkeit scheint erzwungen, zunächst untersteuert der Grande Punto, um beim Gaswegnehmen zart das Heck einzudrehen. ESP ist in Deutschland lediglich gegen Aufpreis erhältlich, den dürftigen Durchzug gibt es beim 1.4 16V dafür serienmäßig. Leider beißt sich die Schlappheit mit dem serienmäßigen Sechsganggetriebe, dessen letzte Stufe dem 95-PS-Motor bei niedrigen Drehzahlen endgültig das Licht ausbläst. Licht: Bei dem Stichwort blinzeln die Fiat-Scheinwerfer verschmitzt. Gemeinsam mit denen des Honda Jazz strahlen sie am hellsten. Ebenfalls erfreulich sieht es beim Platzangebot aus. Die Passagiere sind vorn wie hinten gleichermaßen komfortabel untergebracht, die Übersicht nach schräg vorn könnte allerdings doch etwas besser sein.


