Ist Cayenne-Fahren also ein reines Zuckerschlecken? Mitnichten. Der Federungskomfort der im Testwagen installierten Luftfederung (Aufpreis 2888 Euro) grenzt auch in der Einstellung Komfort an eine Zumutung, und in der Stadt wird der Porsche gar zu einem Ärgernis: Dieses Monstrum mit der bei niedrigen Geschwindigkeiten ziemlich schwergängigen Lenkung durch Parkhäuser zu bugsieren, be- reitet nun wirklich kein Vergnügen. Aber bekanntlich kein Nachteil, der nicht auch einen Vorteil böte. Im Falle Cayenne ist es das üppige Raumangebot. Nicht nur die Fond-Passagiere profitieren davon, sondern auch ihr Gepäck, wenngleich der Mercedes ML 55 den Lastesel noch einmal überzeugender zu spielen vermag. Allein der BMW übt sich hier mit nur 465 Liter Gepäckraumvolumen und einer mageren Zuladung von nur 400 Kilogramm in einer Zurückhaltung, die für diese Fahrzeug-Kategorie schon befremdlich anmutet. Bei der Ausstattung der Kabinen geben sich die drei keine wirklichen Blößen. Lederbezüge für die Polster der selbstverständlich elektrisch einstellbaren Sitze gehören zur Serienausstattung, die Klimaautomatik ebenso wie das Radio und die Leichtmetallräder. Aber es gibt Unterschiede, die durchaus entscheidend sein können. So kommt der Mercedes-Kunde zwar als Einziger standardmäßig in den Genuss einer wohltönenden Soundanlage von Bose und eines Glasschiebedachs, eine Standheizung wird ihm aber auch für sein gutes Geld bei Daimler-Chrysler nicht eingebaut. Ein solcher Heizbrenner schlägt bei BMW und Porsche mit rund 1500 Euro zu Buche. Porsche lässt sich auch Dinge wie Xenonlicht oder das Memory für die Sitzeinstellung extra vergüten, ebenso das Multifunktionslenkrad und die Sitzheizung. Man mag es ihm nachsehen, weil er in dieser Runde mit 65 668 Euro (inklusive Automatik und Luftfederung) der mit Abstand Preisgünstigste ist und auch bei den Festkosten erfreuliche Zurückhaltung übt. Ein entscheidender Faktor lauert freilich an einer anderen Stelle: an der Tank- stelle. 18,5 Liter Super Plus auf 100 Kilometer addieren sich beim Cayenne nicht nur zu knapp 21000 Euro Benzinkosten auf 100000 Kilometer, sie passen auch nicht mehr so recht in die heutige Zeit. Und die überzeugende technische Ausstattung und die überragenden Fahreigenschaften auf der Landstraße müssen erkauft werden mit Kompromissen beim Fahrkomfort und einer eingeschränkten Tauglichkeit für einen Ausflug in die Stadt. Der Mercedes punktet zwar mit überlegener Motorpower, viel Platz und hoher Zulademöglichkeit, aber Fahrwerk und Bremsen spielen nicht in der ersten Liga. Der ML macht deutlich, dass er die älteste Konstruktioin in diesem Vergleich darstellt. Bleibt der BMW. Er spielt die Rolle des Sport Utility Vehicle sehr konsequent. Für harten Geländeeinsatz taugt er nicht, aber er brilliert mit sehr guten Fahreigenschaften auf der Straße. Das reicht nur für den zweiten Platz, zumal die stärkste Ausführung des X5 extrem teuer ist. Die Mehrleistung gegenüber der Version 4.4i lässt sich BMW mit 19 500 Euro vergolden.
Autor: Heinrich Sauer


