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Aston Martin V8 Vantage, Jaguar XKR Cabrio

Airwürden

Eine der schönsten Arten, an die Luft gesetzt zu werden: Der neue Aston Martin Vantage V8 Roadster duelliert sich mit seinem ehemaligen Konzernbruder Jaguar XKR Cabrio hart am Wind.

28.06.2007 Alexander Bloch

Ein brutales Röhren fegt über die Straße, rüttelt in der Magengrube, strafft die Unterarmhärchen und lässt das Trommelfell aufgeregt tanzen. Motorsound der Superstar-Klasse, emotional, packend und süchtig machend. Aston Martins neues Biest lässt seine acht Zylinder mit Highspeed steppen, und die Autofans lauschen ergriffen. Wohl denen, die exklusive Eintrittskarten für das Open-Air-Konzert im neuen Vantage Roadster besitzen. Emotional gebührt dem Aston schon jetzt die Höchstpunktzahl. Doch ein starker Gegner rumort in den Startlöchern.
Jaguars XKR Cabrio fordert seinen Landsmann zum urbritischen Duell. Kein übliches wie Chelsea London gegen den FC Liverpool. Hier tritt eher der englische Rugbymeister gegen Manchester United an. Das wilde Raubein Vantage trifft auf den sportlichen Adel von Jaguar. Möge der Bessere gewinnen, von ihren Fans geliebt werden sie so oder so.
Auf Knopfdruck sirren die Stoff- Faltdächer. Das knapp geschnittene Aston-Häubchen sinkt nicht nur zwei Sekunden früher in seine Behausung, es vollführt das Klapp-Kunststück sogar noch bei 50 km/h (beim Jaguar maximal bis 16 km/h). Ein kleiner Zeitgewinn beim Start, den das Bond-Cabrio auch nötig hat, denn der Jaguar donnert fast eine halbe Sekunde schneller von null auf 100 km/h. 5,9 Sekunden braucht der V8 Vantage Roadster für diesen Spurt. Zügig und fast schnell genug, um das aus Sicht der Luxus-Sportler Roadster-Kleinvieh vom Schlage eines Mercedes SLK 350 oder Audi TT 3.2 im Zaum zu halten.

Was zählt, ist das Gefühl, und wenn der Aston bei 4000/min seine Auspuffklappen auf Akustikfeuer-Durchzug schnalzen lässt, wähnt sich der Fahrer sowieso 30 km/h schneller, als der Tacho vorgibt. Apropos Tacho: Was da durch das Lenkrad des Vantage hervorlugt, gehört in seinem anthrazitfarbenen Metallglanz zum Schönsten, was Instrumentenbau bieten kann – aber zusammen mit der Fuzzelknöpfchenübersäten Mittelkonsole auch zum ergonomisch Unsinnigsten. Ein Aston Martin kann eben nicht gewöhnlich, er zelebriert lieber extrovertiert.

Was für ein Kontrast zum distinguierten Jaguar mit seinen reduzierten Anzeigen, der sich schon für seinen Wabengrill der R-Version zu schämen scheint. Auch sein Ton ist gesetzter. Er faucht und grollt feiner und weniger aufreizend, wie hinter einem Vorhang. Vor allem aber schöner und nicht so nervig wie früher. Zumindest seit es Jaguar geschafft hat, das leidige Katzengejammer des Kompressors auf ein zartes Wimmern zu reduzieren. Die Roots- Turbine bläst dem 4,2-Liter-V8 schon knapp über Standgas mächtig Leben ein. Ein saftig-breites Drehmoment- Fundament, das konstant extrapotent an der Nackenmuskulatur zerrt.
Der Aston kontert mit schierer Drehzahl und lässt sein in Köln gebautes 4,3-Liter-Aggregat mit rheinischem Frohsinn bis in die lichten Höhen der 7000er rotieren. Der Antritt dort oben ist schlagartig, spitz und sexy. Da darf sich der Testosteron-Roadster niedertourig ruhig mal ausruhen. Für Bewegung ist stets gesorgt, wenn die Sportshift getaufte sequenzielle Schaltung die sechs Gänge mit dem Sanftmut eines Vorschlaghammers reinklopft.
Stolz verweisen die Aston-Entwickler auf die Schaltgeschwindigkeiten von nur 200 Millisekunden – ein BMW M5 schafft diese Übung aber in 65. Nüchterne Zahlenklauberei, zumindest spürt man im Vantage noch eindeutig die Wechselmechanik der sechs Gänge – selbst in der Komfort-Einstellung. Der ZF-Automat im Jaguar flutscht dagegen so geschmeidig und schnell, dass manch stufenloses Getriebe eine Sinnkrise bekommen dürfte. Motor und Getriebe als Dreamteam für die entspannte Niederdrehzahl-Landparty (Stellung D) oder die hochdrehzahlgierige Kurvenhatz (Stellung S). Beim Runterschalten brüllt sogar kurz Zwischengas auf – nur für die Show, versteht sich –, ein echter Wandler-Automat braucht so was nicht.

Wer die offenen Briten scheucht, lässt bei beiden die Benzinuhr spurten, ob zwei Liter mehr (Aston Martin) oder weniger, wird in diesen Sporttrinker- Kreisen jedoch zur Randnotiz. Den Vantage interessiert bedächtiges Gleiten wie seinen Besitzer Parkgebühren. Wenn sein kurzer Kühlerrüssel Kurven nur riecht, wird er schon nervös. Nach einer winzigen Pause um die Mittellage hackt die Lenkung den Roadster in die Kurve rein. Mit hinter der Vorderache liegendem Motor und Transaxle-Getriebe leicht hecklastig balanciert, fräst er subtil wankend und neutral an den Begrenzungen entlang, bis im Grenzbereich das Heck recht unvermittelt Ausgang beantragt. Der Pilot fährt mit und kommt sich vor, als würde er ein junges Rennpferd einreiten. Besonders, wenn sich die Automatik sinnigerweise mitten im Scheitelpunkt der Kurve überlegt, den Gang zu tauschen. Dann kommt etwas zuviel Lastwechsel-Leben in die exklusive Fuhre. Elan und Motivation ersetzen beim Vantage eben das letzte Quäntchen an Präzision. Großes Auto-Entertainment. Nur die Bremsen katapultieren die Insassen mit hochsportlichem Ernst in die Gurte.

„Wozu die Hektik?“ scheint der Jaguar zu brummeln und lässt es bei der Verzögerung etwas gemächlicher angehen. Der Bruder stellt sich dafür der gewundenen Straßenaufgabe mit der Souveränität eines mehrfachen Ascot-Siegers. Cremig fließen seine 1,8 Tonnen durch die Landschaft. Langsam? Mitnichten. Der XKR ist ein Vollblut-Sportler und querdynamisch keinen Deut schlechter als sein Konkurrent, aber er macht nicht so viel Aufhebens drum herum. Selbst die Lenkung ist harmonischer, exakter und vibrationsfreier. Gran- Turismo-Qualitäten pflegt der extrem steife Jaguar wie kein Zweiter, und mit seinem eleganten, auf Anfrage sofort agilen Fortbewegungscharakter macht er seinem Wappentier alle Ehre.
Vor allem aber erteilt er seinem Landsmann eine Komfort-Lektion. Querfugen-Stakkato, Frostaufbruchs- Salven, was schert es den XKR ? Ihm reicht eine kurze Popometer-Meldung, dann gleitet er darüber wie ein englischer Butler mit einem Tablett Darjeeling-Tee in der Hand. Kuschelig- seitenstabile Sitze und ein feinmodulierter Luftstrom machen die Fahrt an der Sonne zum reinen Vergnügen. Selbst bei Regen ist es leise und heimelig unter dem feinen Stoff- Käppi. Nicht nur Traditionalisten werden jedoch im etwas klinischen Touchscreen-Interieur klassische Elemente vermissen.

Der Vantage zieht seine Show dagegen auch im Interieur durch: Vollmetall- Schaltpaddel, ausfahrender Bildschirm, Glas-Startknopf, Analoguhr, hell abgestepptes Leder und knackig gepolsterte Sportsitze. Eine kleine optische Entschädigung dafür, dass das Doppeldreieckslenker- Fahrwerk harte Fahrbahnschläge zum Teil wie ein Blitzableiter im Rückgrat der Passagiere erdet. Auf hohen Absätzen gehen die Federn schon mal beleidigt auf Block. Auf weniger gebeutelten Fahrbahnen spüren aber auch Aston- Insassen Restkomfort und registrieren erstaunt, dass der Roadster am Wind kein harter Hund, sondern erstaunlich zahm ist.
Reden wir noch übers Geld. Beide kosten mehr als eine kleine Eigentumswohnung – und ob der Vantage nun ausstattungsbereinigt 30 000 Euro teurer ist oder nicht, wird allen Betuchten, die seinem Sexappeal erliegen, recht egal sein. Sie werden sich mit einem Was-soll’s-Grinsen damit abfinden, dass der Jaguar objektiv das viel bessere Auto ist. 

Fazit

1. Jaguar XKR Cabrio
480 Punkte

Einer der besten Jaguar, die jemals gebaut worden sind. Sehr sportlich, komfortabel und mit einer adeligen Anmutung ist er ein offener Gran Turismo, wie er im Buche steht. An der Bedienung darf noch gefeilt werden.

2. Aston Martin V8 Vantage Roadster
404 Punkte

Ein Aston Martin, wie man ihn sich wünscht: emotional, extrovertiert und mit einem Achtzylinder-Sound, der unter die Haut geht. Er ist beileibe nicht perfekt, aber gerade das macht zum Teil auch seinen Reiz aus

Technische Daten
Aston Martin V8 Vantage RoadsterJaguar XKR Cabrio
Grundpreis122.200 €107.400 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4380 x 1865 x 1265 mm4791 x 1893 x 1329 mm
KofferraumvolumenVDA144 L283 L
Hubraum / Motor4282 cm³ / 8-Zylinder4196 cm³ / 8-Zylinder
Leistung283 kW / 385 PS (417 Nm)306 kW / 416 PS (560 Nm)
Höchstgeschwindigkeit280 km/h250 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h5,0 s5,3 s
Verbrauch15,0 L/100 km12,5 L/100 km
Testverbrauch18,9 L/100 km16,6 L/100 km
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