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Aston Martin V8 Vantage gegen Maserati GranTurismo S

V8-Duell zwischen einem Italiener und einem Briten

Foto: Rossen Gargolov 24 Bilder

Aston Martin V8 Vantage und Maserati GranTurismo S - zwei stilvolle Interpretationen lupenreiner GT-Faszination - einmal mit mehr, einmal mit weniger Sitzen, aber in beiden Fällen ab sofort mit mehr Hubraum. Ein Tag im V8-Delirium.

23.04.2009 Jochen Übler Powered by

Verzeihung, aber es muss sein. Es ist ein Zwang ohne böse Absicht. Aber ein Maserati GranTurismo S schreit quasi danach, ausschließlich im aktivierten Sportmodus zum Leben erweckt zu werden. Sollen die Nachbarn doch denken, was sie wollen. Und wenn sie ehrlich sind – sie wollen ihn doch auch. Diesen süchtig machenden, infernalischen Donner, wenn sich acht Zylinder ohne nennenswerte Gegenwehr der Auspuffanlage lustvoll in die Arbeit stürzen.

Maserati GranTurismo S mit 440 PS

So und nicht anders beginnt ein guter Tag. Die automobile Sünde wartet. Sogar im Doppelpack. Und sie lockt schier unverschämt mit ihren Reizen. Bereits die Namen kitzeln die Sinne und steigern die Lust: Aston Martin V8 Vantage und Maserati GranTurismo S. Beide fein herausgeputzt, knallrot grell geschminkt. Beide bereit für ein wildes Abenteuer im Reich der großvolumigen Coupés. Denn beide haben zugelegt. Nicht etwa um die gertenschlanken Taillen, sondern unter den langen Hauben, die Verheißungsvolles verhüllen. Nämlich rund 4,7 Liter Hubraum, einmal italienisch, einmal britisch inszeniert. In beiden Fällen jedoch auf acht Zylinder aufgeteilt, und im 90-Grad-Winkel dekoriert. Mehr hilft mehr, zumindest was die Leistungsausbeute anbelangt. Was unterm Strich dazu führt, dass diese Beaus der GT-Szene nun die Hürde der Vier locker nehmen. 440 Pferde sind es beim Maserati, deren 426 beim Aston. Technisch begegnen sich beide auf identischem Niveau, aber charakterlich geben sie sich doch unterschiedlicher als vermutet. V8-Front-Mittelmotor, Heckantrieb, automatisiertes Schaltgetriebe in Transaxle-Bauweise – die Parameter sind deckungsgleich, die Rahmenbedingungen dennoch unterschiedlich. Alleine schon die Größe zeigt an, dass die Reise sozusagen unterschiedliche Routen nimmt. In Länge, Breite und Höhe spielt der GranTurismo nämlich in einer anderen Liga. Ihm gegenüber wirkt der Aston fast wie eingedampft.

Was dem Briten auf der Waage auch einen Gewichtsvorteil von knapp 300 Kilogramm beschert. Einen halben Meter ist der Maserati länger als der Aston. Der Italiener kann und will dem Briten fahrdynamisch gar nicht ans Leder. Er hat anderes im Sinn, als wöchentliche Rennstreckenritte. Sein geschwungenes und elegantes Strickmuster ist der perfekte Anzug für die schnelle Reise. Dafür taugt dann auch die relativ hohe Position der straff gepolsterten, bequemen, aber wenig Seitenhalt gewährenden Sitze. Zudem hat der Maserati noch einen Joker im Ärmel: Die hinteren Einzelsitze bieten tatsächlich Platz für zwei ausgewachsene Mitteleuropäer. Zwar müssen die erstmal in der Lage sein, sich knitterfrei nach hinten zu falten und sie dürfen sich angesichts des kleinen Kofferraums kein großes Gepäck gönnen.

Trotzdem: Der GranTurismo ist ein tauglicher Viersitzer. Dessen von Ferrari inszenierter Motor die Besatzung in einen steten Freudentaumel versetzt. Einerseits durch eine infernalische Geräuschkulisse gesegnet, von heiser röchelnd über garstig schreiend bis zu dreckigen Zwischengassalven beim Herunterschalten. Und andererseits mit einem breiten Leistungsspektrum ausstaffiert. Trotz seines höheren Gewichts bietet der GranTurismo dem V8 Vantage bei den Elastizitätsmessungen absolut Paroli. Was den subjektiven Eindruck untermauert, dass der italienische V8 gleichfalls fidel dem roten Bereich entgegenstürmt, im Drehzahlkeller aber etwas mehr Schub generiert. Dennoch ist man als Pilot geneigt, lieber einmal mehr als eigentlich nötig an den angenehm großen Schaltwippen zu fingern. Weil die Arbeitsweise des elektrohydraulisch angesteuerten Sechsganggetriebes bis zur möglichen Perfektion verfeinert wurde und schlichtweg dazu einlädt.

Aston Martin V8 Vantage  mit 1.644 Kilogramm 

Das System arbeitet bei nicht gedrückter Sporttaste – wo im Übrigen die Auspufffanfaren auf ein säuselndes Maß reduziert werden – samtig und verschliffen. Im Sportprogramm und bei hohen Drehzahlen hingegen rasten die Gänge blitzschnell und ohne ein flankierendes Kopfnicken der Besatzung ein. Zudem wird in diesem Modus auch die Lenkung nachgeschärft. Für die Langstrecke etwas zu sensibel und direkt, weil jede Spurrille eine Reaktion im Volant zur Folge hat, was wiederum eine Gegenreaktion beim Fahrer hervorruft und unterm Strich in einem latenten Dackellauf endet. Und weil wir gerade bei den wenigen Schattenseiten sind: Das Rangieren wirkt ungelenkt und ruppig, da die Kupplung wenig Feingefühl zeigt und fast schon digital zu Werke geht. Zum Trost des Maserati: Der Aston kann’s nicht wirklich besser. Auch sein System geht beim Langsamfahren rustikal zur Sache, kann aber auch im Galopp nicht überzeugen.

Volle Leistung, volle Drehzahl, voller Zug an den rudimentären Schaltwippen münden in ein Kopfnicken, gefolgt von einem Ruck nach vorn, wenn die Elektrohydraulik den nächsten Gang mit Überschussdrehzahl einwirft. Auf der Rennstrecke hat dies zur Folge, dass beim Schalten in Kurven das Heck schon mal einen kleinen Schritt seitwärts macht. Dennoch fühlt sich der Brite selbst und die darin agierenden Personen im Grenzbereich überzeugend heimisch. Im Gegensatz zum Maserati ist in Form des Vantage ein Zweisitzer am Werk, der durch seine Kompaktheit, seine Steifigkeit und durch seine straffere Fahrwerksabstimmung ausgesprochen willens ist, ans Limit zu gehen. Vergessen sind die satten Schläge beim Überfahren von Querfugen. Aktuell beherrscht die Freude am brillanten Einlenkverhalten die Szenerie. Verflogen auch der zweifelnde Gedanke angesichts der doch gewichtigen Masse von 1.644 Kilogramm.

Mehr als die Hersteller versprechen

Der Kleine Kurs in Hockenheim macht Laune. Auch aufgrund einer vorbildlichen Haltung im Cockpit, nämlich weit unten, eingerahmt von einer hohen Gürtellinie und bestens gehalten von gut konturierten Sitzen. Derart gebettet lässt es sich vorbildlich auf Zeitenjagd gehen, wo bei deaktivem ESP noch nach alter Väter Sitte der Gasfuß die Gangart diktiert und das Heck bei energisch eingesetztem Schub bedächtig nach außen drängt. Lastwechsel können ein Übersteuern ebenso auslösen. Damit bei der Beschreibung des sachten Übergangs von der Haft- in die Gleitreibung kein falscher Eindruck entsteht: Vom Grundsatz steht der nahezu ausgewogen ausbalancierte Brite dem Grenzbereich neutral gegenüber. Ein Lob, dass sich der GranTurismo S nicht so ohne Weiteres an den imposanten Kühlergrill heften kann. Seinen 1.932 Kilogramm zollt er im Badischen Motodrom Tribut. Zudem bietet das angemessen straffe Fahrwerk zu wenig Querabstützung. Nach dem präzise durchgeführten Einlenken knickt der stattliche Aufbau förmlich ein. Und mit dieser ausgeprägten Wankneigung geht ein Untersteuern einher, das dem Italiener auch mit gröberen Gasstößen nicht mehr auszutreiben ist. Wohlwollend betrachtet geht der Maserati fahrdynamisch absolut auf Nummer sicher und unterm Strich betrachtet die abgelegte Rundenzeit auch vollkommen in Ordnung.

Die Leichtfüßigkeit und die spielerische Ader des Aston hat der Italiener jedoch nicht im Repertoire. Überhaupt ist, was die Messwerte anbelangt, für beide Kontrahenten eine Lanze zu brechen. Die für die Beschleunigung ermittelten Resultate liegen in beiden Fällen über dem, was beide Hersteller versprechen. Aber angesichts der tropischen Temperaturen sind die ein oder anderen fehlenden Zehntelsekunden zu vernachlässigen. Was überzeugt, ob groß und wuchtig oder handlich und gedrungen, ist sowieso diese faszinierende Aura, die beide GT-Interpretationen vermitteln. Womit der Tag im Aston so prachtvoll endet, wie er begonnen hat. Mit einem feurigen, hohen Krakeelen auf der Autobahn und einem besonnenen V8-Surren, wenn bei Schleichfahrt im Wohngebiet die Klappen im Auspuffsystem automatisch schließen. Als eine wohlwollende kleine Nachtmusik für diejenigen, denen der Morgenappell vielleicht doch ein klein bisschen zu laut war.  

Technische Daten
Aston Martin V8 VantageMaserati GranTurismo S
Grundpreis108.500 €127.330 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4380 x 1865 x 1255 mm4881 x 1915 x 1353 mm
KofferraumvolumenVDA300 L260 L
Hubraum / Motor4735 cm³ / 8-Zylinder4691 cm³ / 8-Zylinder
Leistung313 kW / 426 PS (470 Nm)323 kW / 440 PS (490 Nm)
Höchstgeschwindigkeit290 km/h295 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h4,9 s4,9 s
Verbrauch13,8 L/100 km16,4 L/100 km
Testverbrauch19,6 L/100 km18,2 L/100 km
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