Sorgfältig faltet das BMW 1er Cabrio noch sein Stoffmützchen, da schreit das Audi A3 Cabrio schon Erster. Während der Audi seine Gewebekapuze einfach nur ins kurze Stummelheck stopft, ist der Heckdeckel beim BMW 1er Cabrio ein Teil der Z-förmigen Klapp-Choreographie. Faszinierender Maschinenbau, aber eben 13 Sekunden langsamer. Was nicht heißt, dass der warme Frühlingswind am Comer See auch früher um das Näschen der Audi A3 Cabrio-Passagiere weht. Denn während der Münchner auf Knopfdruck noch bis knapp 50 km/h sein automatisches Verdeck (serienmäßig) sirren lässt, unterbindet sein Rivale schon außerhalb von Tempo 30-Zonen derlei Mechanik-Kunststücke. 750 Euro kostet bei ihm die vollautomatische Offenbarung inklusive Akustik-Vlies.
Stoffverdeck steht beiden Cabrios gut
Der Verzicht auf ein versenkbares Metallklappdach tut jedenfalls beiden gut. Speziell das BMW 1er Cabrio wirkt stimmig und elegant, während das Audi A3 Cabrio im Vergleichstest hinten etwas voreilig endet. Nicht nur pedantische Schöngeister, sondern auch Pragmatiker werden motzen, dass sie deshalb ihr Gepäck durch eine enge Luke zwängen müssen. BMW 1er Cabrio-Piloten laden dagegen ganz bequem durch ein breites Stufenheck-Tor. Dafür lässt sich beim Audi A3 Cabrio die Rückbank serienmäßig geteilt umklappen.
Harte Schläge vom Überrrollbügel im Audi A3 Cabrio
So geht es zwischen den bayerischen Erzrivalen wie beim Fingerhakeln fröhlich hin und her: Gibt es für Großgewachsene im geräumigen Audi A3 Cabrio-Fond harte Schläge von den Überrollbügeln auf den Hinterkopf, drängt das BMW 1er Cabrio seine Heckpassagiere im Schulter- und Beinbereich zum Zwangskuscheln wie in einem überfüllten Bierzelt. Im Gegenzug sieht der Fahrer aus den Fond-Fenstern mehr als durch die Guckscharten im Audi A3 Cabrio. In einem sind sich die beiden Streithähne jedoch einig: dem fast perfekt dosierbaren Frischluftgefühl.
BMW 1er Cabrio mit Verbrauchszügeln
Doch schon beim Antrieb trennt sich die bajuwarische Luft-Einheit: Der 120i im BMW 1er Cabrio schöpft seine 170 PS aus dem zwei Liter Hubraum eines längs eingebauten Vierzylinder-Saugers, dem Start-Stopp mit Bremsenergie-Rückgewinnung die Verbrauchszügel anlegt. Macht zehn PS mehr und 0,7 Liter weniger ECE-Verbrauch als sein turbogeladener 1,8-Liter-Konkurrent mit Direkteinspritzung.
Audi A3 Cabrio gewinnt Bavarian Open
Zufrieden glänzt die Niere ob der theoretischen Überlegenheit in der italienischen Sonne und muss sich doch beim Antritt ein Stummelheck anschauen: Das Audi A3 Cabrio stürmt schon aus dem Drehzahlkeller durchzugsstark und fröhlich laderpfeifend los, wo bei den bayerischen Motorenwerken noch müde, brummelige Montagmorgen-Stimmung herrscht. Der BMW-Vierventiler wirkt zugeschnürt, glänzt nicht durch hohe Laufruhe und kommt erst bei Drehzahlen über 4.000/ min einigermaßen in die Puschen. Hohe Drehzahlen öffnen aber den Super-Plus-Sprithahn, und so verbraucht das BMW 1er Cabrio mit spürbar weniger Spaß im rechten Fuß reale 0,7 Liter pro 100 km mehr als der schwerere A3. In dieser Form liegt BMW mit seinen Vierzylinder-Benzinern derzeit nicht vorne.
Dafür ist das Fahrwerk des Hecktrieblers schon voll in Frühlingsfest- Stimmung und reißt den Piloten mit seinem lange neutralen, präzisen und anmachend agilen Handling mit. Weder Antriebseinflüsse noch traktionssuchendes Scharren stören die direkte Lenkung. Und der zarte Heckschwung im sportlichen ESP-Modus DTC ist für manchen Sportfahrer schon Kaufgrund genug. Vor allem steht das BMW 1er Cabrio sowohl bei der µ-Split-Bremsung auf unterschiedlich griffigem Untergrund als auch aus hohem Tempo sieben Meter früher.
Das Audi A3 Cabrio lässt es etwas zahmer, aber fast ebenso agil angehen. Einen Tick mehr Untersteuern machen die ruhigere Lenkung und die knackigere Schaltung im Vergleichstest wett. Auf welliger Fahrbahn federt er zudem angenehmer, und dass sein Akustikdach bei 160 km/h vier Dezibel leiser rauscht, freut nicht nur HNO-Ärzte. Auch das Bankkonto grinst breiter: Das Audi A3 Cabrio kostet über 2.000 Euro weniger, außer den Bi-Xenon-Lampen ist jedes wichtige Extra günstiger, und bei den Spritkosten fehlt der Super-Plus-Aufschlag. So gewinnt das Audi A3 Cabrio schlussendlich souverän die Bavarian Open. Doch das BMW 1er Cabrio wartet schon auf Revanche - mit einem besseren Motor.






