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Audi A6 2.8, BMW 528i, Mercedes E 280

Innerhalb des Oberklassesegments bilden die drei deutschen Premium-Hersteller so etwas wie eine eigene Klasse. Mit dem neuen A6 will Audi an den etablierten Konkurrenten von BMW und Mercedes vorbeiziehen. Ob dies gelingt, klärt ein Vergleich.

02.04.2003

Audi hat sich viel vorgenommen. Nach dem Wunsch des obersten Konzernlenkers Ferdinand Piëch soll aus der VWTochter die attraktivste europäische Marke auf dem Weltmarkt werden. Damit ist die Zielrichtung klar: Sie geht eindeutig gegen die in Image und Prestige höher eingeschätzten deutschen Wettbewerber. Ihre Namen: BMW und Mercedes-Benz. Mit dem neuen A6 zielt Audi noch unverhohlener als bisher auf einen Eroberungsfeldzug in der Oberklasse, in der Vergangenheit eine weitgehend unbestrittene Domäne der E-Klasse von Mercedes und des Fünfers von BMW. Die beiden deutschen Premium- Marken setzen die Maßstäbe, sie gilt es durch ein attraktiveres Produkt zu schlagen.

Technische Qualitäten tragen dabei ebenso zur Attraktivität einer Marke bei wie Styling, Qualität, Wertbeständigkeit und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Das derzeitige Spitzenmodell des A6 mit 2,8 Liter- Sechszylinder (64 000 Mark Grundpreis) stellt sich folgerichtig als preiswertester Wettbewerber dem dynamischen BMW 528i (66 650 Mark), ebenfalls mit Sechszylinder und 193 PS, sowie dem Merce- des E 280 (68 080 Mark), der gerade durch einen neuen V6- Motor mit 204 PS aufgewertet wurde. Bei den Karosserien der Konkurrenten lassen sich höchstens periphere Gemeinsamkeiten feststellen: Alle drei besitzen fast die gleichen Außenmaße. Das ist aber schon alles. Im Auftritt gehen die drei deutschen Edelmarken unverwechselbar verschiedene Wege. Mercedes differenziert neuerdings stärker zwischen den einzelnen Modellreihen, BMW bevorzugt eine markentypische Kontinuität, und Audi zeigt Mut zu progressivem Styling. Bewertet man die Innenräume, so bieten der A6 und der Mercedes annähernd die gleichen, großzügigen Platzverhältnisse. Im BMW geht es spürbar enger zu, ohne daß man jedoch unter Platzmangel leiden würde.

Ebenfalls deutlich kleiner ist das Gepäckabteil des Fünfers (460 Liter; Audi 551 Liter; Mercedes 500 Liter), den hier noch dazu die unverständlich geringe Zuladung von nur 371 Kilogramm Punkte kostet. Dafür gibt es beim Fünfer wie beim Audi eine Durchlademöglichkeit gegen Aufpreis, während Mercedes nur einen Skisack offerieren kann. Bei der Funktionalität und Bedienung kassiert der Mercedes mit seinen praktischen Türgriffen und der schnörkellosen und bestens ablesbaren Instrumentierung die Höchstpunktzahl. Außerdem ist er der einzige, der sich noch einen Rest von Übersichtlichkeit bewahrt hat. In der Ausstattung ist der A6 nicht zu schlagen.

Er hat inklusive Klimaanlage und Fernentriegelung nahezu alles, was man heute in einem Oberklasseauto erwarten kann. Mercedes, ohnehin teuerster im Trio, läßt sich die künstliche Klimatisierung extra bezahlen (Aufpreis 4500 Mark), dem serienmäßig mit einem Radio gesegneten Fünfer fehlen Klimaanla- ge (3700 Mark Aufpreis) und Fernentriegelung (450 Mark). In der Qualität liegen alle Konkurrenten auf hohem Niveau dicht beieinander, wobei die Oberflächen-Beschaffenheit der im Audi-Innenraum verwendeten Materialien einen besonders wertvollen Eindruck hinterläßt. Schade nur, daß der Gesamtqualitätseindruck beim Testwagen durch Fahrwerkspoltern relativiert wurde. Dennoch gewinnt der Audi das Karosseriekapitel knapp vor dem Mercedes, mit sicherem Abstand zum BMW. Die Gelegenheit, diese Scharte auszuwetzen, kommt für den BMW im Kapitel Fahrkomfort. Sein Aluminium- Fahrwerk steckt leer und beladen Unebenheiten aller Art perfekt weg. Dabei halten sich die Bewegungen der sehr steif wirkenden und im Konkurrenzvergleich relativ schweren Karosserie auch bei forcierter Fahrt in Grenzen.

Beim Mercedes, noch mehr aber beim Audi verursachen grobe Bodenwellen oder dynamische Fahrweise mehr oder weniger ausgeprägte Aufbaubewegungen. Lautes Abrollen und heftige Karosseriebewegungen bei voller Zuladung kosten den Mercedes weitere Punkte. Im Audi schließlich beeinträchtigen singuläre Unebenheiten wie Kanaldeckel oder ausgeprägte Querfugen den Langsamfahrkomfort. Am Komfort der Sitzgelegenheiten gibt es bei allen individuell unterschiedlichen Ansprüchen objektiv nichts auszusetzen, wobei einschränkend gesagt werden muß, daß selbst bei so großen Autos auf den Rücksitzen maximal zwei Personen bequem untergebracht sind. Der serienmäßigen Sitzverstellung trauen die Hersteller offenbar wenig zu, denn alleTestwagenwaren mit aufpreispflichtiger elektrischer Sitzverstellung ausgestattet, die in keinem Fall Einstellprobleme bereitete. Bei Mercedes ist diese mit einer elektrischen Lenkradeinstellung gekoppelt. Eine mechanische, wie sie Audi und BMW serienmäßig bieten, gibt es nicht.

Gutes Innenraumklima erfordert insbesondere im Sommer die Unterstützung durch eine Klimaanlage. Nur Audi hat diese serienmäßig, BMW und Mercedes verlangen hierfür deftige Aufpreise. Wie lange noch, zumal schon Nissan den Kleinwagen Micra serienmäßig klimatisiert anbietet? Doch die eigentliche Niederlage im Komfortkapitel handelt sich der Mercedes durch seinen hohen Innengeräuschpegel ein, der fast im gesamten Geschwindigkeitsbereich um drei bis vier Dezibel höher liegt als bei den Konkurrenten. Verursacht wird diese auch subjektiv auffällige Lärmbelästigung nicht vom Motor, sondern durch Roll- und Windgeräusche. Der BMW, vor allem aber der Audi sind die wesentlich besseren Leisetreter, wobei BMW-Fahrer speziell im 528i eine stets präsente Motorakustik genießen dürfen. Dies ist insofern erstaunlich, da BMW als einziger deutscher Hersteller noch auf den Reihensechszylinder setzt, der bekanntlich die besten Voraussetzungen für schwingungsfreien Lauf bietet.

Die V6-Motoren der beiden Konkurrenten bringen hier schlechtere Voraussetzungen mit, weswegen Mercedes eine Ausgleichswelle bemüht, um störende Schwingungen zu unterdrücken. Dies gelingt ganz gut, während der Audi- Motor zwar leise läuft, bei hohen Touren aber bauarttypische Vibrationen spüren läßt. Doch daß kinematische Laufruhe nicht zwangsläufig auch zu akustischer Unauffälligkeit führt, beweist der BMWMotor, dessen Gaswechsel deutlich hörbar sind. Der sportliche Klang paßt zur Leistungscharakteristik des BMW-Sechszylinders, der im Ansprechverhalten und der Drehwilligkeit überlegen ist. In den Fahrleistungen schneidet der leichtere Audi dennoch etwas besser ab, da dessen Sechszylinder im unteren Drehzahlbereich dank Schaltsaugrohr mehr Drehmoment und damit eine bessere Elastizität bietet.

Trotz nominal höherer Leistung kommt der Mercedes da nicht ganz mit, was jedoch in der Praxis keine Bedeutung hat. So geht das Antriebskapitel an den BMW, der auch den günstigsten Verbrauch aufweist und der die mit Abstand beste Schaltung besitzt. Doch trotz insgesamt hoher Schaltqualität: Automatik-Getriebe wären in dieser Klasse angemessen. Doch daran wollen die Hersteller extra verdienen. Audi und BMW berechnen 3900 Mark für die Fünfgangautomatik mit der überflüssigen Steptronic, Mercedes knapp 3500 Mark inklusive Tempomat. Das Aluminium-Fahrwerk des BMW macht nicht nur im Federungskomfort, sondern auch bei den Fahreigenschaften einen hervorragenden Eindruck. Der 528i hat das angenehmste Fahrverhalten, das beste Handling und den saubersten Geradeauslauf. Nur die Lenkkräfte könnten etwas niedriger liegen, und im Winter sind trotz Antriebsschlupfregelung mit Bremseneingriff Traktionsschwächen einzukalkulieren.

Dies gilt natürlich ebenso für den Mercedes, der eine noch ungünstigere Achslastverteilung besitzt, der vor allem aber Punkte durch unbefriedigenden Geradeauslauf und die deutlich spürbare Windempfindlichkeit verliert. Dennoch sind die beiden konventionell angetriebenen Konkurrenten auf so hohem Niveau, daß der Audi mit seinem Frontantrieb nicht vorbeiziehen kann. Seine Lenkung wirkt gefühllos und zu leichtgängig, so daß bei schneller Gangart leicht Überreaktionen eintreten können Dies wird insbesondere auf welligen Straßen spürbar, wo Straßenunebenheiten die Präzision des Lenkverhaltens negativ beeinflussen können. Dadurch entsteht zwar keine gefährliche Fahrsituation, aber Unruhe im Eigenlenkverhalten. Daß der Audi trotz optimaler passiver Sicherheitsausstattung auch das Kapitel Sicherheit verliert, geht auf seine Bremsen zurück. Sie leisten zwar kalt gute Verzögerungswerte, lassen aber bei Beladung und Mehrfachbeanspruchung deutlich in der Wirkung nach. Auch der Mercedes bremst dann etwas schwächer. Unbeeindruckt von dieser Härteprüfung, die zehn Vollbremsungen aus 100 km/h umfaßt, zeigte sich der BMW. Das im Tragekomfort und der Bedienung beste Gurtsystem bietet der Mercedes, beim Audi stört der Verlauf am oberen Umlenkpunkt vorne, beim BMW der zu starke Gurtzug und das fummelige Gurtschloß an der Peitsche.

Das beste Licht besitzt der Mercedes, sein Einarmwischer läuft leise, neigt aber zur Schlierenbildung. Bei Audi und BMW wird zwar ordentlich gewischt, was bei höheren Geschwindigkeiten aber mit nervtötenden Strömungsgeräuschen verbunden ist. Keine Frage: Hier liegt noch Verbesserungspotential. An diesem Punkt endet die Eigenschaftswertung mit einem klaren Sieg für den BMW, Audi und Mercedes liegen annähernd gleichauf. Beim Thema Umwelt und Wirtschaftlichkeit fällt die Marke mit dem Stern jedoch weiter zurück. Einmal hat der E 280 den höchsten Normverbrauch und produziert damit die höchste Kohlendioxid- Emission (253 g pro km, Audi und BMW 235 g), zum anderen schlagen der hohe Einstandspreis und die teilweise unverfrorene Aufpreispolitik auf die Kosten. Der Audi ist in diesem Punkt der Günstigste, dazwischen liegt der BMW. An der bei derEigenschaftswertung vorliegenden Reihenfolge haben also auch die beiden Schlußkapitel nichts geändert. Der BMW 528i gewinnt mit beeindruckendem Vorsprung, der Newcomer Audi A6 verweist den E 280 klar auf den dritten Platz. Ein Trost bleibt für Mercedes: Der E 280 ist das mit Abstand beste Auto, das je einen Vergleichstest verloren hat.

Fazit

1. BMW 528i
635 Punkte
2. Audi A6 2.8
621 Punkte
3. Mercedes E 280
608 Punkte
Technische Daten
Mercedes E 280Audi A6 2.8BMW 528i
Grundpreis36.238 €34.800 €34.078 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4795 x 1799 x 1439 mm4796 x 1810 x 1452 mm4775 x 1800 x 1435 mm
KofferraumvolumenVDA500 L551 L460 L
Hubraum / Motor2799 cm³ / 6-Zylinder2771 cm³ / 6-Zylinder2793 cm³ / 6-Zylinder
Leistung150 kW / 204 PS (270 Nm)142 kW / 193 PS (280 Nm)141 kW / 192 PS (280 Nm)
Höchstgeschwindigkeit234 km/h236 km/h236 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h8,5 s8,1 s7,5 s
Verbrauch10,6 L/100 km9,8 L/100 km9,9 L/100 km
Testverbrauch11,6 L/100 km11,6 L/100 km11,1 L/100 km
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