Audi A6 4.2 Quattro, BMW 540i, Jaguar S-Type V8

Mit eigenständigem Design und günstigem Preis wagt sich der Jaguar S-Type 4.0 ins Haifischbecken der oberen Mittelklasse, die von den deutschen Herstellern dominiert wird. Kann er sich darin gegen den ebenfalls neuen Audi A6 4.2 Quattro und den BMW 540i behaupten.

Die aufregendste Eigenschaft des neuen S-Type – so sieht es jedenfalls die Jaguar- Werbung – ist die Distanz, die er zwischen seinem Fahrer und allen anderen Autos herstellt.

Auch wenn sich die Werbetexter damit zugleich vom vielgepriesenen britischen Understatement distanzieren, muß man dem Jaguar eines zugestehen: Trotz konventioneller Technik, Konzeption und Abmessungen ist es den Designern gelungen, dem S-Type ein völlig unkonventionelles Erscheinungsbild mitzugeben. Es liegt deshalb nicht nur an seinem Neuigkeitswert, daß der seit 30 Jahren erste Jaguar in der oberen Mittelklasse so viel mehr Aufmerksamkeit genießt als die meisten Konkurrenten. Mit seiner prägnanten Front, der coupéhaft abfallenden Dachlinie und dem eingezogenen Heck huldigt er dem Schönheitsideal seines gleichnamigen Vorgängers aus den sechziger Jahren, dessen Form schon damals weniger modern als klassisch war. Die Attraktivität des S-Type beruht aber nicht allein auf seiner stilvollen Erscheinung und dem Prestige der Marke, sondern zugleich auf einer verlockenden Preisgestaltung.

Als Topmodell mit Vierliter- V8-Motor, Automatik und der umfangreichen Executive- Ausstattung ist er immerhin 10 000 Mark billiger als der Audi A6 4.2 Quattro und der BMW 540i in Automatikversion, die beide zudem nicht ganz so üppig ausstaffiert sind. Automatische Klimaanlagen, elektrische Fensterheber und Zentralverriegelung mit Fernbedienung sind zwar durchweg Serie, aber BMW verlangt allein für Lederpolster und elektrische Sitzverstellung vorn stattliche 7060 Mark extra. Beim Audi gehört beides ebenso zum Standard wie beim Jaguar, der zudem mit Servotronic, Holz-Leder-Lenkrad, Metallic-Lackierung und elektrischem Glasschiebedach aufwartet. Andererseits kosten ein vollwertiges Ersatzrad (230 Mark) und die bei den deutschen Rivalen serienmäßige Stabilitätskontrolle (1840 Mark) Aufpreis, zumal Xenonlicht, hintere Seitenairbags sowie seitliche Kopfbags vorläufig nicht lieferbar sind.

Die nächste Ernüchterung folgt im Innenraum. Von der einstigen Jaguar-Pracht ist nur wenig geblieben, denn selbst die Echtholz-Applikationen können nicht den banalen, zum Teil billigen Eindruck der Kunststoffteile kompensieren. Zudem erreicht weder die Funktionalität (spiegelnde Instrumente, schlechte Übersichtlichkeit, kleine Ablagen) noch die Verarbeitungsqualität (lose Schiebedachverkleidung und Türdichtungen, labberige Kofferraummatte) die hohen Standards von Audi und BMW. Auch aus seinem Plus an Radstand und Außenlänge kann der S-Type kein Kapital schlagen. Die schöne Form fordert vor allem bei der Kopffreiheit hinten und dem Ladevolumen (385 Liter bei serienmäßigem Notrad) ihren Tribut, wo selbst der knapp geschnittene 540i spürbar mehr bietet. Das beste Raumangebot hält allerdings der A6 bereit, obwohl der Gepäckraum wegen seines Allradantriebs von 551 auf 434 Liter schrumpfte. Dennoch gewinnt der Audi das Karosseriekapitel vor dem BMW und mit sicherem Abstand zum Jaguar. Dessen Intimität des Innenraums ist für die Marke ebenso typisch wie der gediegene Komfort, und auch diese Erwartung enttäuscht der S-Type nicht. Selbst Querfugen und Schlaglöcher überrollt er mit der Geschmeidigkeit einer Raubkatze, wobei die weiche Grundabstimmung mit voller Zuladung jedoch unterdämpft wirkt. Besonders bei schneller Kurvenfahrt gerät dann das Heck stärker in Bewegung als beim Audi oder gar beim BMW, dessen Federung sich von schwerem Ballast am wenigsten beeindrucken läßt, aber nicht ganz so samtig abrollt.

Durch das neue Alufahrwerk, mit dem die schwächeren Modelle erst später ausgerüstet werden, hat auch der A6 4.2 deutlich an Komfort gewonnen. Dennoch absorbiert er kurze Stöße – vor allem mit der aufpreispflichtigen 17 Zoll-Bereifung – noch immer etwas polternd und weniger souverän als die Konkurrenten, untermalt von den stärksten Abroll- und Windgeräuschen. Im ansonsten vorbildlich leisen 540i stört hingegen nur der beim Ausdrehen lauter werdende Motor.

Kommentare
Bild vergrößern
Bernd Stegemann

Autor:

Anzeige
Thema
V8-Motor: Weitere Artikel zu diesem Thema
Bentley Continental GT V8: Allrad-Coupé wird zeitgemäßer

Mit dem Bentley Continental GT V8, bei uns im Fahrbericht, soll der Gran Turismo günstiger und vor allem sparsamer sein.

Bentley Continental GT V8
650i vs XK: Harte Spurwechsel und lautes V8-Gebrüll

Die beiden Luxuscoupés BMW 650i und Jaguar XK 5.0 entfliehen dem Downsizing mit der Macht ihrer muskulösen V8-Motoren.

BMW 650i, Jaguar XK 5.0 V8 Portfolio, Seitenlinie
Top Artikel
Peugeot 308 und VW Golf: Überzeugende Arbeit an der Basis?

Beim Test mit dem Peugeot 308 98 VTi und dem VW Golf 1.2 TSI wird unter anderem klar: ein Turbolader ist nicht immer Trumpf.

VW Golf 1.2 TSI Comfortline, Peugeot 308 98 VTi Access, Heck
Hyundai i30 und VW Golf im Test: Da-scheppert-nix auf der Überholspur?

Da-scheppert-nix gegen Da-schwächelt-nix: Der neue Hyundai i30 fordert den VW Golf zum Test-Duell um Punkte und Ruhm.

Hyundai i30 1.6 CRDi, VW Golf 1.6 TDI, Frontansicht
Newsletter
Neuwagen suchen

Neuwagen zu Internet-Preisen

Konfigurieren Sie jetzt Ihr Wunschfahrzeug zu besonders günstigen Konditionen!

Aktuelle Ausgabe
auto motor und sport - Heft 13/2012
Ab jetzt im Handel auto motor und sport - Heft 13/2012
Sportauto
Aston Martin Vantage vs Virage: Vergleichstest deckt die Unterschiede auf

So ähnlich sich die beiden Aston Martin-Modelle sehen - charakterlich sind sie eigenständig: Edel-luxuriös oder raubeinig kernig.

Vergleichstest deckt die Unterschiede auf
Motor Klassik
4. Eifel Classic: Das Teilnehmerfeld der Eifel Classic 2012

In unserem Bilderkatalog zeigen wir Ihnen die Teilnehmer, die sich auf die Strecke der diesjährigen Eifel Classic machen.

Das Teilnehmerfeld der Eifel Classic 2012
4WheelFun
Mercedes ML 63 AMG 2012: Erste Testfahrt mit 557 PS

2,3 Tonnen SUV, die an der Ampel beinahe so explodieren wie ein Sportwagen aus Maranello. Der neue Muskel-ML ist da.

Erste Testfahrt mit 557 PS
Alle Autos von A-Z
  • Loading...
  • Loading...