Audi A7 und Mercedes CLS im Test: Fließheck-Limousine gegen Viertürer-Coupé

Audi A7, Mercedes CLS

Flaches Dach, sehnige Seitenlinie und Material-Schwelgerei lassen Audi A7 Sportback und Mercedes CLS nach Höherem streben. In unserem Vergleichstest treffen die beiden Konkurrenten erstmals aufeinander. Welche Coupé-Limousine flirtet erfolgreicher mit der Luxusklasse?

Zur Schau gestellte Erhabenheit war der oberen Mittelklasse lange Zeit suspekt, Luxus gar anstößig. Bis der Mercedes CLS als GT-hafter Feingeist auf Basis der E-Klasse kam. Er bekannte sich augenfällig zu Extravaganz und Schwelgerei, machte beides nicht nur hof-, sondern auch dienstwagenfähig. Was einen Trend zur Flachdach-Limousine auslöste und Mercedes zur zweiten Generation des CLS ermutigte. Sie trifft hier als Dieseltyp 350 CDI auf den Audi A7 Sportback 3.0 TDI.

Audi A7 gehört trotz Fließheck zur Coupé-Fraktion

Die ungerade Zahl der Nomenklatur unterstreicht die Besonderheit des Audi A7 und zeigt, dass er eigentlich zur Coupé-Fraktion gehört. Doch aus deren gewohnheitsmäßigen Zwängen befreit sich der Audi A7 Sportback; er steht für einen würdevoll proportionierten Viertürer mit fliehender Dachlinie und geschickt kaschiertem Nutzwert in Form eines Fließhecks. Seine bis weit ins Dach reichende Heckklappe kann der Audi A7 fast so gekonnt öffnen wie ein Kombi. Und sieht geschlossen dennoch elegant aus. Damit hat Audi die Idee des ersten 100 Avant von 1977 auf Basis des A6 kreativ weiterentwickelt.

Der Mercedes CLS bekennt sich nach wie vor zum Stufenheck samt konventionell kurzem Heckdeckel und feststehender Hutablage. Sie limitiert die Ladekapazität von Sperrigem - selbst wenn die Rücksitzlehne auf Wunsch bereitwillig Platz macht. Seine Stärke zeigt der Mercedes CLS eher bei der Reise- als bei der Transport-Tauglichkeit. Trotz ebenfalls flach auslaufender Dachform ist im Fond so viel Platz, dass zwei Erwachsene mit Durchschnittsfiguren ohne Jammern einen Ausflug in der Einzelsitzanlage überstehen, anders als im Audi A7 sogar gebührende Entfaltungsmöglichkeiten für ihre Füße vorfinden. Zwar weisen die Messwerte den Audi A7 Sportback im Vergleichstest als etwas geräumiger aus; doch sein Fond hinterlässt den gleichen Séparée-Charakter wie der des Mercedes CLS.

Audi A7 und Mercedes CLS bieten Innenraum-Ambiente wie in einer Luxus-Limousine

In beiden dekoriert Holz- und Chrom-Schmuck die Leder-Tapezierung, weshalb sich die Rückbank nicht als Notlösung, sondern als Loge präsentiert. Schon hier verlässt das Ambiente von Audi A7 und Mercedes CLS im Vergleichstest die Mittelklasse-Wurzeln in Richtung Luxus-Limousine. Doch das kann kaum darüber hinwegtäuschen, dass der erstrebenswerte Platz vorn ist - dort, wo die großen Audi-Modelle seit langem mit stilsicherer Noblesse tiefen Eindruck hinterlassen. Und dort, wo Mercedes wieder Anschluss gefunden hat: Sämtliche Zierelemente sind im Mercedes CLS von ausgesuchter Qualität und fein säuberlich eingepasst; alleine, es fehlt die subtile Extravaganz des Vorgängers. Das jetzige Mercedes CLS-Armaturenbrett hätte man in dieser Form bereits in der E-Klasse erwartet.

Mercedes CLS und Audi A7 mit modernen Diesel-Triebwerken

Das Dandytum des Mercedes CLS-Pioniers zelebriert der Neue nicht mehr, hat aber eine enorme Rückspiegel-Präsenz - er benötigt keine Lichthupe, um auf sich aufmerksam zu machen. Ist die Bahn frei, gewinnt der Mercedes CLS mit außergewöhnlicher Entschlossenheit und sanften Gangwechseln Raum.

Dabei schiebt der aufgeladene Dreiliter des Mercedes CLS fast so gewaltig wie ein Elektromotor an, klingt wie ein V6-Benziner, benötigt aber so wenig Sprit wie ein Hybrid. Moderne Diesel-Triebwerke können ganz schön begeistern. Beim Drehvermögen setzt der Dreiliter-TDI des Audi A7 Sportback noch einen drauf, läuft dabei aber eine Nuance rauer. Sein Schub ergreift ebenfalls, den Leistungsnachteil (245 zu 265 PS) macht der Audi A7 dank serienmäßiger Allrad-Traktion beim Sprint von null auf 100 sogar wieder wett.

Audi A7 ist kaum günstiger als der Mercedes CLS

Audi spielt beim A7-Testwagen das gesamte Repertoire an Dynamik-Helfern: Optionsreifen im 19-Zoll-Format erhöhen den Grip, Stoßdämpfer mit verstellbarer Kennlinie samt Luftfederung decken den Bereich von tastend bis zackig ab, und ein mechanisches Sperrdifferenzial unterstützt das Bemühen des Quattro-Systems, die traktionsfördernden Vorteile des 4x4-Prinzips mit dem Einlenkwillen eines Hecktrieblers anzureichern. Heraus kommt ein Audi A7, der ausstattungsbereinigt kaum günstiger ist als der kostspielige Mercedes CLS - andererseits aber Maßstäbe setzt.

Der Federungskomfort ist so überzeugend, dass der Audi A7 selbst im Vergleich zum Flaggschiff A8 gut aussehen dürfte. Und auf Stellung Dynamik des Fahrwerks wedelt er über die Landstraße wie der deutlich kleinere A4. So bringen die Optionen Vorteile in der Komfort- und der Handling-Wertung, zugleich aber viel Ballast an Bord. Bei einem Leergewicht von 1.949 Kilogramm ergibt sich eine läppische Zuladung von 371 Kilogramm. Vier kräftige Männer könnten nur ihre Kreditkarten in den Urlaub mitnehmen.

Mercedes CLS landet am Ende knapp vor dem Audi A7

Der Mercedes CLS darf etwa 100 Kilogramm mehr einladen, weil er auf schwere Optionen weitgehend verzichtet und auf sein stählernes Serienfahrwerk vertraut. Dessen Eine-für-alles-Abstimmung geriet außergewöhnlich. Trotz 19-Zoll-Optionsrädern federt der Mercedes CLS sanftmütiger als der Audi A7 Sportback an, ohne beim Einlenken vertorkelt zu wirken. Er unterliegt ihm aber auf langen Bodenwellen mit leichten Katapult-Bewegungen. Gleichzeitig lässt er sich vom Audi A7 weder auf gewundenen Landsträßchen noch bei den Fahrdynamik-Tests nennenswert abhängen, beherrscht das bräsige Dahinströmen mit unbeirrbarer Entspanntheit, wozu auch die sämig-präzise Lenkung beiträgt.

Dass sich der Sportback schiebt, hat sich erst gegen Ende des Vergleichs abgezeichnet - beide flirten aufreizend mit der Luxus-Liga und zelebrieren den Oberklasse-Komfort ausgesprochen sportlich. Den Sieg bringt dem Mercedes CLS die noch bessere Sicherheitsausstattung samt seiner bestechenden Bremsleistung; vor allem beim Verzögern auf unterschiedlichen Reibwerten setzt er Maßstäbe.

Mercedes CLS bleibt auch in der zweiten Generation ein Trendsetter

Und dann wäre da noch die glänzende Wirtschaftlichkeit des Dreiliter-V6-CDI des Mercedes CLS; er wird dem Zusatz Blue Efficiency voll gerecht. Beim Dahinbummeln lassen sich Durchschnittsverbräuche von 5,9 Liter Diesel auf 100 Kilometer erzielen, im Testmittel sind es hervorragende 8,7 Liter - selbst ohne ein Start-Stopp-System. Das hat der Audi A7 Sportback zwar, doch es lässt den Motor nur verzögert anspringen, was zu einem betulichen Ampelstart führt und gegenüber dem Mercedes CLS keinen Verbrauchsvorteil bringt (Audi A7: 8,9 Liter). Auch in der zweiten Generation bleibt der Mercedes CLS Trendsetter: Er verbindet Schwelgerei mit Genügsamkeit.

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Marcus Peters

Autor:

auto motor und sport, Heft 24 / 2010

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