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Audi A8 4.2 Quattro, BMW 740i, Mercedes S 430

Die deutsche Oberklasse hat Verstärkung bekommen. Mit dem neuen S-Flaggschiff versucht Mercedes, den traditionellen Führungsanspruch auszubauen. Die Konkurrenz steht Gewehr bei Fuß – BMW mit dem renovierten Siebener, Audi mit dem ebenfalls erneuerten A8.Welcher der drei Stars wird gewinnen?

02.04.2003

Da stehen sie, die deutschen Bullen, wuchtig und doch sehr elegant. Ihre Preise sind in den für diesen Vergleich bevorzugten Versionen, nämlich mit Achtzylindermotoren, schon ein bißchen jenseits von Gut und Böse. Die neue SKlasse von Mercedes ist mit 133 400 Mark am teuersten, BMW und Audi liegen mit jeweils 125 300 Mark deutlich darunter. Viel Geld, zweifellos, aber auch viel Auto. Die S-Klasse ist zwar etwas kleiner geworden, aber sie mißt immer noch mehr als fünf Meter in der Länge. Der große Audi ist ebenfalls an dieser magischen Ziffer, die einer exakten Verdoppelung der Smart-Ausdehnung entspricht, der Siebener-BMW liegt zwei Zentimeter darunter.

Parkhäuser sind nicht die idealen Betätigungsfelder für Deutschlands Auto- Sterne. Sie brauchen Freiraum, vor allem mit der ihrem optischen Feudal- Eindruck gemäßen Motorisierung. Mit sechs Zylindern ist es da nicht getan. Die Musik spielt unisono mit acht Zylindern, angeordnet in einem V-Winkel, den die Amerikaner schon in den fünfziger Jahren in Jedermann- Autos wie dem Chevrolet Bel Air populär machten. Obwohl einige Jahrzehnte vergangen sind, bedeutet der großvolumige V8 in der Alten Welt immer noch etwas Besonderes und verleiht der Oberklasse jenen noblen Touch, mit dem sich der Achtzylinder, zehn Einheiten unter Volkswagens jüngster W18-Zukunftskreation liegend, einen Sonderplatz beim Antrieb anspruchsvoller Limousinen sichert. Ganz klein kann ein solches Triebwerk in solchen Autos nicht sein, also schenkt man reichlich ein. 4,2 Liter sind es beim überarbeiteten Audi-Motor, der als technischer Sonderling die Ventilzahl Fünf aufweist, 4,4 Liter hat der Vierventil- BMW, 4,3 der Dreiventil- V8 im Mercedes.

Beide liegen mit Spitzenleistungen von 286 PS (BMW) und 279 PS (Mercedes) nominell deutlich unter den 310 Pferdestärken des Audi. Das Leistungspotential wird in allen drei Fällen über eine Fünfgang-Automatik an die Antriebsachsen gegeben, wobei der Audi in dieser potentesten Form ausschließlich mit Allradantrieb geliefert wird. Braucht man ihn? Die Frage ist einfach zu beantworten: Wenn es glatt wird, ja. Wie ein winterbereifter A8 auch auf schneeglatter Straße beim Gasgeben nach vorne schiebt, ist beachtlich und findet seine Anerkennung in einer guten Traktionsnote. Auf der anderen Seite braucht man den Allradantrieb nicht, wenn es trocken ist. Dann schleift ihn auch der A8 im Grunde unnötig durch die Gegend, und man darf sich über einen höheren Verbrauch aufgrund der größeren Reibleistung und des Mehrgewichts nicht wundern. Allerdings, das zeigten ausgiebige Versuchsfahrten bis nach Italien, ist die Differenz zu den Limousinen in Standard- Bauweise kleiner geworden, Ergebnis einer thermodynamischen Verbesserung des Audi-Achtzylinders, der ja auch ein wenig stärker wurde. 14,2 Liter pro 100 Kilometer stehen nun da als Testmittel, beim BMW sind es 13,9 und beim Mercedes, dem Sparsamsten des Oberklasse-Trios, nur 13,7 Liter.

Auf einen halben Liter mehr oder weniger wird es der einschlägigen Klientel sicher nicht ankommen, aber den Konstrukteuren geht es ja auch um die Kunst des Machbaren und die Betonung der Effizienz. Gerade hier hat sich bei starken Autos viel getan. So kommt man bei allen mit leicht gehobenem Gasfuß, aber gleichwohl zügiger Fahrt auch mit gut elf Litern 100 Kilometer weit. Dieses zügige Gleiten ist hier sicher der erstrebenswerteste Zustand, obwohl diese Autos – wie die Fahrdynamik-Versuche zeigten – unter fachkundiger Hand in einer Art und Weise um Poller wedeln und imaginäre Elche umkreisen, wie es vor nicht allzu langer Zeit nicht einmal Sportwagen vergönnt war. Das Gleiten ist es also, das andere darf man als Sicherheitspolster sehen, und zu diesem entspannten Fahren paßt nun mal kein Schaltgetriebe.

Es gibt auch keines, die Kraftübertragung übernehmen Fünfgang-Automatikgetriebe, deren Funktion auf sehr hohem Niveau rangiert. Dennoch gibt es, wie die Punktetabelle ausweist, unterschiedliche Bewertungen. Perfekt, gerade weil sie keinen manuellen Eingriff will und ihn auch nicht nötig hat, ist die Mercedes-Automatik – sanft schaltend, bestmöglich adaptierend. Bei der BMWAutomatik stört am meisten der lange fünfte Gang, beim Audi A8 stimmt die Adaption nicht perfekt. Kleine Gänge werden oft unnötig lange gehalten. Der Spaß am Zusammenspiel von Motor und Getriebe erfährt eine objektive wie subjektive Note durch die entstehende Geräuschkulisse. Alle drei Motoren laufen im bevorzugten Teillastbereich erstaunlich leise und sorgen so für akustischen Komfort. Die gemessenen Phonzahlen beweisen mit ihrem niedrigen Niveau, daß nicht nur der Spitzenreiter namens S-Klasse hier ein eindrucksvolles Bild bietet. „Da bisch ausg’ruht“, schwäbelte einst Ex-Mercedes- Chef Werner Breitschwerdt über seine S-Klasse, und so ist es – auf höherem Niveau – geblieben.

Unter Vollast werden die Töne speziell von außen recht kernig, und die Nacken suchen Halt an den eleganten Stützen. In nur 6,9 Sekunden schiebt der traktionsstarke A8 vom Stand auf 100 km/h, unterboten noch vom BMW 740i (6,8). Etwas müder die S-Klasse mit 7,5 Sekunden – aber auch sie temperamentvoll wie ein Sportwagen. Ihr Achtzylinder ist in der Laufkultur am besten, aber das generell hohe Niveau dieser High Tech-Maschinen zeigt, daß eine weitere Zunahme der Einheiten meist nur noch Prestige- Vorteile bietet. Man hat nicht mehr viel davon – weniger jedenfalls als von den Verfeinerungen, die im Komfortbereich entstanden. Beim Mercedes heißt das Zauberwort hier Airmatic, worunter man sich eine niveauregulierende Luftfederung vorzustellen hat, mit Luftpolstern und einem statischen Druck von zehn bar. Ganz offensichtlich steckt in diesem System noch ein Quentchen Vorsprung gegenüber gut gemachten Stahlfedern. Im Unterschied zum A8 ist es sogar ein deutliches Plus, das die luftgefederte S-Klasse erzielt.

Der größte Audi ist durch Fahrwerks-Feinabstimmung zwar spürbar besser geworden, aber es reicht trotzdem nur für Rang drei. Wieder ist es der Langsamfahrkomfort, der eine deutliche Zäsur setzt, und auch in beladenem Zustand zeigt sich der Mercedes ungeschlagen – noch vor dem ebenfalls auf sehr hohem Niveau federnden Siebener-BMW. Auch wie das Fünf-Meter- Schiff durch Wedelgassen schießt, ist höchst eindrucksvoll.

Die Handlichkeit der neuen S-Klasse ist ebenso verblüffend wie ihre Fahrsicherheit, doch richtig ist eben auch, daß Airmatic in diesem Bereich keinen Pluspunkt gegenüber konventionellen Systemen herausfährt. Denn auch Audi A8 und BMW 740i zeigen, wie der Mercedes serienmäßig mit elektronischen Fahrstabilitätssystemen versehen, bilderbuchhafte Fahrsicherheit. Daß der Audi die Wertung Fahreigenschaften gewinnt, verdankt er seinem Vierradantrieb, der sich vom Handling her nicht als Nachteil herausstellt. Die Regelsysteme greifen bei allen weich und vor allem nicht zu früh ein. Die Grenzwerte liegen sehr hoch – weit entfernt von dem, was üblicherweise im Verkehr zu regeln ist. Gute, wenngleich nicht überragende Bremsen haben alle drei, die beste Verzögerung in heißem Zustand erreicht die S-Klasse, der Audi fällt etwas ab. Auch hier fehlt es also an nichts, an den Vorkehrungen zur passiven Sicherheit ohnehin nicht. Sidebags in vierfacher Ausführung sind Standard, dazu besitzen alle für den Fall der Fälle Kopf-Airbags.

Auch an anderen Goodies fehlt es nicht – Mercedes offeriert gar serienmäßig ein Radio mit zehn Lautsprechern. Das Ausstattungsniveau ist hoch, es bleiben – ähnlich wie bei den Raumverhältnissen – kaum noch Wünsche offen. Hier ist jene Üppigkeit angesagt, die man eben am besten mit einem Fünf-Meter-Auto hinkriegt. Die Differenzen sind sowohl von den Meßwerten als auch von den subjektiven Eindrücken her nicht bedeutsam – eher spielt schon die Qualität der Sitze eine Rolle. Bestnoten hier für den BMW 740i, etwas weniger gute Bepunktung für die Audi-Sitze und auch für das Mobiliar der S-Klasse. Wie zierlich dieses große Automobil vom Cockpit aus wirkt, darf – speziell in Erinnerung an den klobigen Vorgänger – als besondere Meisterleistung der Konstrukteure betrachtet werden. An die neue Instrumentierung im Captain Future-Stil gewöhnt man sich – Audi und BMW sind hier im Stil konventioneller. In der Funktionalität fährt der Mercedes ebenfalls eine gute Note ein. Beim Audi stört vor allem die unpraktische Lage des Tempomat, auch der Lichtschalter kann schlecht erreicht werden. Daß der Qualitätseindruck, etwa beim Türschliessgeräusch, beim Mercedes nicht mehr Klassenmaßstab ist, soll ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Dennoch heißt der Gesamtsieger Mercedes S 430. Er gewinnt die Eigenschaftswertung klar, aber auch die Gesamtwertung vor dem BMW. Der Abstand zum Drittplazierten, dem Audi A8, fällt deutlicher aus, auch weil der im Federungskomfort nicht ganz mithalten kann. Einen Verlierer indes sollte man bei der Güte auch dieses Produkts nicht in ihm sehen. Er gehört zu Deutschlands Auto- Sternen und damit auch aufs Treppchen.

Fazit

1. Mercedes S 430
618 Punkte
2. BMW 740i
605 Punkte
3. Audi A8 4.2
598 Punkte
Technische Daten
Audi A8 4.2 Quattro
Grundpreis67.900 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe5034 x 1880 x 1440 mm
KofferraumvolumenVDA525 L
Hubraum / Motor4172 cm³ / 8-Zylinder
Leistung228 kW / 310 PS (410 Nm)
Höchstgeschwindigkeit250 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h6,9 s
Verbrauch12,9 L/100 km
Testverbrauch14,2 L/100 km
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