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Audi Q3, BMW X1 und Evoque im Vergleichstest

In der Hölle des Allrad-Alltags

Audi Q3 2.0 TDI Quattro, BMW X1 x-Drive 20d, Range Rover Evoque SD4 Foto: Hans-Dieter Seufert 43 Bilder

Ob Range Rover Evoque und Audi Q3 dem erfolgreichen BMW X1 gefährlich werden können, klärt der Vergleichstest der drei Allradler mit durchzugskräftigen Vierzylinder-Dieselmotoren.

25.11.2011 Powered by

Sie sind schüchtern? Horchen vor Verlassen der Wohnung erst ins Treppenhaus, ob Sie allein sind? Können beim Tanken keine wildfremden Bewunderer Ihres Autos gebrauchen? Dann kaufen Sie bloß keinen Range Rover Evoque. Für Sozialphobiker wird der Alltag mit dem kleinen Range zur Hölle. Und für alle anderen gilt: Ziehen Sie Sonntagmorgen zum Brötchenholen was Vernünftiges an – Sie könnten jede Menge neue Leute kennenlernen.

Mit stechenden Lichtschlitzen, flachem Dach und testosteron-gestärkter Silhouette fällt der Evoque neben seinen Konkurrenten Audi Q3 und BMW X1 auf wie Sascha Lobo im Bankenviertel. Ein Glück, dass der Baby-Range hält, was die mutige Studie LRX von 2008 versprach. Umso mehr, als die kreative Ader der Designer auch im Innenraum nicht versiegt. In der getesteten Prestige-Version empfängt der Viertürer seine Passagiere mit einem in dieser Klasse einzigartigen Ambiente, das den Vergleich mit den Luxus-SUV des Hauses nicht scheuen muss. So sticht das mehrfarbige Leder mit Ziernähten am Armaturenbrett ebenso hervor wie die massiven Alu-Planken, die nicht nach aufgeklebtem Dekor aussehen, sondern wie tragende Teile einer massiven Konstruktion. Die Gesamtshow rundet ein von Jaguar übernommenes Automatik-Wählrad ab, das der Fahrerhand nach dem Anlassen langsam entgegensurrt.

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Vergleichstest Audi Q3, BMW X1, Range Rover Evoque Fein raus
auto motor und sport 24/2011
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Einzeltest Range Rover Evoque 5:21 Min.

Hartkunststoff im Range Rover Evoque

Erfreulicherweise halten sich die praktischen Einschränkungen der gewagten Form beim Range Rover Evoque in Grenzen. Trotz gedrungenen Daches steigen Erwachsene mühelos ein und sitzen vorn wie hinten sehr entspannt. Zudem schluckt der Range Rover jede Menge Gepäck, das zwar über eine hohe Ladekante gewuchtet werden muss, dann aber auf dem – auch bei umgeklappter Rückbank – nahezu ebenen Kofferraumboden in Verzurrschienen vertäut werden kann. Das haben selbst viele Kombis nicht mehr drauf.

Wer sich so viel Mühe gibt, dem verzeiht man, dass im unteren Interieurbereich des Range Rover Evoque nur Hartkunststoff zum Einsatz kommt und schmale Sehschlitze das Sichtfeld nach hinten einschränken.

Bei der umständlichen Multimediaeinheit mit träge reagierendem Touchscreen wird es mit der Nachsicht beim Evoque schon schwieriger, zumal sie mit Problemen bei der Handy-Koppelung und schlechtem Radioempfang nicht ausgereift wirkt.

Dererlei Probleme sind dem schnell und sicher bedienbaren Infotainment des Audi Q3 fremd. Und das, obwohl der Testwagen nicht mit der teuren MMI-Navi, sondern dem günstigeren Navigationspaket für 1.160 Euro inklusive Musik-Interface und Bluetooth-Freisprecheinrichtung antrat. Überhaupt wirkt der Audi Q3 im Vergleich zum Range Rover wie ein professionelles Tagungshotel neben einem Designer-Landhaus. Was durchaus seine Vorteile hat: Durch die weit herabgezogene Heckscheibe lässt sich der kompakte Audi Q3 selbst nach hinten problemlos überblicken, macht seinem Fahrer das Leben mit präzise klickenden Schaltern und perfekt ablesbaren Instrumenten leicht und erfreut seine Fondpassagiere mit der bequemsten Rückbank.

Ärger mit Gepäckraum des Audi Q3

Ganz hinten ist es jedoch mit der Freude schnell vorbei: Wer größere Gegenstände in den Audi Q3 laden will, muss nämlich erst die fest einrastende Hutablage ausbauen, sie neben das Fahrzeug legen und dann das Gepäck über eine hohe Brüstung wuchten. Anschließend nicht vergessen, die Hutablage wieder einzuclipsen. Da bei umgeklappter Rückbank im Audi Q3 zudem eine mächtige Stufe entsteht, ist auch nichts mit Eben- mal-durchschieben. Das schwer zugängliche Ladeabteil verwundert umso mehr, als in bester Q7-Tradition das halbe Heck mitsamt der Rücklichter nach oben schwenkt.

Auch wenn niemand einen BMW wegen der Umklapperei kauft, gibt sich das X1-Gepäckabteil voll freizeittauglich. Wird nur das mittlere Element der 40:20:40-Rückbank flachgelegt, lässt sich selbst bei Fahrten zu viert noch jede Menge Wintersport-Ausrüstung mitnehmen. Überhaupt gefällt der Innenraum mit durchdachten Details wie den breiten Gummibändern in den Türtaschen zum Fixieren von Kleinteilen, griffgünstigen Ablagen und MP3-Player Anschlüssen, die nicht in den dunklen Untiefen irgendwelcher Mittelkonsolen ertastet werden müssen, sondern schön im Sichtfeld des Fahrers liegen.

Top positionierte Sportsitze umschließen im BMW X1 Fahrer und Beifahrer zudem mit viel Seitenhalt. Doch auch die tolle Bestuhlung des Testwagens mit griffigem M-Paket-Alcantara kann die enttäuschende Qualitätsanmutung nicht übertünchen. So setzte sich die Controlling-Abteilung nicht nur an wenig prominenten Stellen mit dem Wunsch nach günstigen Materialien durch. Selbst die Abdeckung über den Instrumenten besteht aus einem wackeligen Hartkunststoffteil, an der Innenseite der Motorhaube hat sich BMW Lack und Dämmmatten gleich ganz gespart. Dem Erfolg hats anscheinend nicht geschadet, immerhin belegt der BMW X1 nach dem VW Tiguan Platz zwei der deutschen SUV-Charts. Warum dies so ist, wird schon nach wenigen Metern klar. Leidenschaftlich wie kein Zweiter in dieser Klasse wirft sich der X1 in Kurven, ohne dabei nervös oder zappelig zu wirken, verkneift sich Untersteuern sowie Wanken bis an die Grenzen der Physik.

BMW X1 mit präziser und gefühlvoller Lenkung

Der Fahrer nutzt die vollen 177 Diesel-PS jedoch auch deshalb so gern aus, weil ihm die präzise und gefühlvolle Lenkung stets den Eindruck vermittelt, Herr der Lage zu sein. Zudem glückte den BMW-Entwicklern selbst beim kleinsten X eine nahezu perfekte Gewichtsbalance von 50 zu 50. Federungskomfort hielten sie jedoch offensichtlich für so entbehrlich wie Limonaden-Ausschank auf der Wiesn. So fragen sich durchgerüttelte Insassen auf schlechten Pisten schnell, ob die Nachteile der gebotenen Dynamik nicht zu groß sind.

Beim Umstieg auf den Audi Q3 ist die Antwort gefunden: Mit seiner etwas gefühlloseren Lenkung treibt es der Audi Q3 zwar nicht ganz so wild, doch dafür beherrschen seine adaptiven Dämpfer bestens den Spagat zwischen wankarmer Attacke und geschmeidigem Dahingleiten. Auch das zackig, jedoch weich schaltende Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe erfreut Sport- wie Komfortliebhaber gleichermaßen.

Zur beeindruckenden Gesamtreife des Audi Q3 trägt der überarbeitete Zweiliter-TDI bei: Wirkungsvoll gedämmt und mit neuem Fliehkraft-Pendel im Schwungrad läuft der Vierzylinder wunderbar kultiviert, um nochmals wuchtiger durchzuziehen als der gleich starke BMW-Motor. Nebenbei lässt sich der Audi Q3 als Einziger mit weniger als sechs Litern pro 100 Kilometer bewegen – ein Wort für den umfangreich ausgestatteten Allrad-Hochsitz.

Audi Q3 und BMW X1 wuseliger als Evoque

Und der Range Rover? Mit fast 200 Kilo mehr auf dem Stahl-Gerippe bleibt ihm im Vergleich mit seinen wuseligen Konkurrenten X1 und Audi Q3 nur das Nachsehen. Die leichtgängige Lenkung ist zwar um Handlichkeit bemüht, aber weniger präzise, und in Kurven schiebt der Evoque viel früher über die Vorderachse. Selbst der Komfort überzeugt nicht ganz: Die geschmeidigen Dämpfer filtern immerhin kurze Verwerfungen aus, sorgen auf langen Wellen jedoch für ausgeprägte Hubbewegungen. Auch wegen dem etwas angestrengten 2,2-Liter-Diesel und der fadingempfindlichen Bremsen genießen Evoque-Fahrer lieber das entspannte Trutzburg-Gefühl und träumen von der großen weiten Welt.

Mit den zur Serienausstattung gehörenden Gelände-Fahrprogrammen sorgt der Range immerhin für die Illusion von fernen Abenteuern, während Audi Q3 und BMW X1 ihre Allradantriebe von vornherein als pure Traktionshilfen im Winter begreifen.

Überhaupt hält die Ausstattung der Prestige-Version, was ihr Name verspricht: Während die Prospekte der deutschen Konkurrenz X1 und Audi Q3 Normalsitze, Sicherheitsgurte oder ein Handschuhfach für erwähnenswert halten, lässt der Range Rover mit digitalem Soundsystem, 19-Zoll-Rädern und Xenon-Lampen wenig Wünsche offen. Doch das ändert nichts daran, dass sich der selbst ausstattungsbereinigt teure Evoque hinter dem impulsiven X1 und dem geschliffenen Audi Q3 einreihen muss. Die netten neuen Leute, die man mit ihm kennenlernt, fließen schließlich nicht in die Gesamtwertung ein.

Fazit

1. Audi Q3 2.0 TDI Quattro
514 Punkte

Sein beachtliches Komfort-Niveau erreicht der sparsame Audi Q3 mit nur geringen Handling-Abstrichen. Das Gepäckabteil enttäuscht jedoch.

2. BMW X1 x-Drive 20d
491 Punkte

Der BMW X1 wedelt motiviert wie ein Kompaktsportler und überzeugt mit praktischem Interieur. Bei Komfort und Qualität fällt er hingegen ab.

3. Range Rover Evoque 2.2 SD4
449 Punkte

Auch wenn er nicht ganz so gut fährt wie er aussieht, gewinnt der Range Rover Evoque viele Sympathien. Bei den Bremsen besteht jedoch Nachholbedarf.

Technische Daten
Land Rover Range Rover Evoque Coupé 2.2 SD4BMW X1 20d xDriveAudi Q3 2.0 TDI Quattro
Grundpreis47.670 €37.250 €37.450 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4355 x 1900 x 1605 mm4454 x 1798 x 1545 mm4385 x 1831 x 1608 mm
KofferraumvolumenVDA420 bis 1350 L420 bis 1350 L460 bis 1365 L
Hubraum / Motor2179 cm³ / 4-Zylinder1995 cm³ / 4-Zylinder1968 cm³ / 4-Zylinder
Leistung140 kW / 190 PS (420 Nm)130 kW / 177 PS (350 Nm)130 kW / 177 PS (380 Nm)
Höchstgeschwindigkeit185 km/h213 km/h212 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h10,8 s8,6 s8,2 s
Verbrauch5,7 L/100 km6,2 L/100 km5,9 L/100 km
Testverbrauch8,9 L/100 km8,2 L/100 km7,9 L/100 km
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