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Audi Q5 2.0 TDI vs. VW Tiguan 2.0 TDI

SUV-Brüder im Vergleich

Foto: Rossen Gargolov 22 Bilder

Sie treibt beide die gleiche Turbodiesel-Kraftmaschine mit 350 Nm Drehmoment an, aber ansonsten gehen die Konzernbrüder Audi Q5 und VW Tiguan technisch und fahrdynamisch eher unterschiedliche Wege.

13.02.2009 Alexander Bloch

Liebhaber teurer Automatikuhren kennen das System: Bis auf kleine Details steckt oft ein und dasselbe Uhrwerk (meist Valjoux 7.750) oder, wie Profis sagen, Kaliber in den kleinen Zeitmessern. Differenziert wird über Äußerlichkeiten und Finesse.

Längs- gegen Quermotor

Das Käufermurren ob der weit gespreizten Preise bleibt trotzdem gering. Gefühl und Verarbeitung zählen in der Edelklasse meist mehr als nur die Funktion. Auch der Volkswagen-Konzern tauscht seit Jahrzehnten fröhlich Plattformen und Motoren. Besonders Audi exerziert es mit dem Golf-Ableger A3 konsequent vor: Anderes Design, etwas mehr Ausstattung und ein wenig Chichi - fertig ist das Edel-Derivat. Und so manchen beschleicht der Gedanke, auch der neue Q5 könnte für rund 6.000 Euro mehr eine aufgemotzte Version des VW Tiguan sein.

Ist er aber nicht. Die einzig größere Gemeinsamkeit ist der 170 PS starke 2.0 TDI. Schon beim Einbauprinzip trennen sich die Wege: Der Q5 trägt wie der bauverwandte A4 seinen Motor stolz und klassisch, aber nicht ganz raumoptimal längs über der Vorderachse. Trotzig reckt sich der extrovertierte Single-Frame-Kühlertempel dem Verkehr entgegen.

Beim Tiguan lässt der Gengeber Golf Plus grüßen: Der Vierzylinder steht platzsparend quer und wird von einem zierlicheren Fronthäubchen überdeckt. Macht bei annähernd gleichem Raumgefühl satte 17 Zentimeter Außenlängen-Vorteil im harten Parklückenkampf. Abzüge in der Imposanz-Note nimmt er dafür locker in Kauf. Der Tiguan ist das introvertiertere Auto. Er protzt weniger mit Chrom-Glanz und Detail-Gloria, sondern einfach mit einer sauberen Verarbeitung und praktischen Details wie großen Türtaschen und der in Position wie Neigung verstellbaren Rückbank.

Sein bayerischer Cousin hat das auch in petto, möchte aber zum Beispiel für das variable Fondgestühl 200 Euro extra. Zum Ausgleich bietet er den praktischen doppelten Ladeboden mit Verzurrsystem aufpreisfrei, wofür der Tiguan wiederum 160 Euro aufruft. Intimer spannt sich das hochwertige Q5-Armaturen-Ensemble um die Passagiere und verwöhnt mit einer Extraportion Weichheit und Eleganz - rein fürs Gefühl versteht sich. Pragmatisch gesehen spielen beide beim Transport von Menschen und Gütern auf dem gleichen hohen Niveau. Beide assistieren auch gerne ihren Fahrern, jedoch auf unterschiedliche Weise: Vom Tiguan gibt es aktive Hilfe beim Einparken, obwohl der Fahrer diese weniger nötig hat als beim Q5.

Der dagegen verlangt für etwas optische und akustische Rangierhilfe frech bis zu 1.230 Euro, unterstützt dafür lieber exklusiv beim Spurwechseln und Abstandhalten (zusammen 2.350 Euro). Unabhängig davon kommt er früher zum Stehen als der Wolfsburger Kraxler, aus 160 km/h sind es gar zehn Meter.

Unterschiedliche Allradkonzepte

Von den üblichen SUV-Schwächen wie schlechten Bremsen und behäbigem Handling distanziert sich der Audi offensiv. Putzmunter gehorcht der Q5 den Pilotenbefehlen. Fast aufreizend lässig zirkelt der 1,7-Tonner mit seiner übersetzungsvariablen Lenkung um Kurven und verwöhnt mit scheinbar endloser Traktion. Sein ebenso einzelradaufgehängter Cousin verzichtet auf eigentlich artfremde Heißsporn-Allüren, wankt eine Spur mehr, bleibt gelassener, aber objektiv kaum langsamer. Es ist mehr die Allradtechnik, die beide trennt: Im Audi rotieren die Schneckenräder eines kupplungslosen, rein mechanisch sperrenden Torsen-C-Mittendifferenzials. Sie verteilen die Kraft in der Basis zu 60 Prozent hecklastig. Der Rahmen ist begrenzt: maximal 65 Prozent vorne oder 85 Prozent hinten.

Der Tiguan bleibt im Grundlayout ein 90-prozentiger Fronttriebler. Erst wenn die Vorderräder zu wühlen anfangen, erhöht eine Ringkolbenpumpe den Druck auf die Lamellenkupplung (Haldex) des Mittendifferenzials und ruft die Hinterräder um Hilfe - im Extremfall bis zu 100 Prozent. Trockene Theorie - in der Praxis drängt der Audi bei Lastwechseln nur einen Hauch mehr mit dem Heck als der Tiguan. Bei beiden greift das zweistufige ESP spät, aber harmonisch ein. Vor allem das schwierige Unterdrücken von Untersteuern beherrschen die Stabilitätssysteme meisterlich.

Der Audi ist die teurere Alternative

Keine Einigkeit herrscht bei der Auslegung des technisch ähnlichen Getriebes. Wer fleißig runterschaltet, lässt den VW stürmen, während sein Kontrahent elastischer aus der prallen Kraft des laufruhigen, bei Kälte aber etwas phlegmatisch anfahrenden Common-Rail-Diesels lebt. Trotz gleichem Motor brummt er vernehmlicher, aber seine Gänge flutschen sanfter.

Zum Ausgleich lässt der Tiguan Spritsparkönige grinsen: Sehr zurückhaltende Fahrweise belohnt er mit 5,6 Liter Verbrauch. Der Q5 schafft solche Minimalwerte nicht, aber immerhin sehr ähnliche bei normaler Fahrweise. Über schlechten Langstreckenkomfort muss man sich hier wie dort keine Gedanken machen. Mit den optionalen adaptiven Dämpfern (1.025 Euro) schwingt der VW jedoch im Comfort-Modus entspannter über fiese Frostaufbrüche. Eine Investition, die sich sensible Fahrer auch beim ruppiger dämpfenden Q5 gönnen sollten.

Doch das drückt den Preis des sowieso schon teureren Audi schnell über 40.000 Euro. Immerhin liegen die sonstigen Kosten kaum über denen des Tiguan, und so profitiert der Audi von seinem satten Punktepolster aus der Eigenschaftswertung und holt den Sieg. Preisbewusste, die auf das letzte Quäntchen Anmutung und Handling verzichten können, fahren mit dem Tiguan aber kaum schlechter.

Fazit

1. Audi Q5 2.0 TDI Quattro
502 Punkte

So geschickt wie der Q5 jongliert in der SUV-Mittelklasse derzeit kein anderer zwischen Handling und Komfort. Seine exzellenten Bremsen spielen sogar in der Sportwagen-Liga. Dazu gibt es einen perfekt passenden Turbodiesel, exzellente Verarbeitung und ein gutes Imagegefühl. Ein Sonderangebot ist er freilich nicht.

2. VW Tiguan 2.0 TDI 4Motion
489 Punkte

Der Tiguan ist ein stolzer zweiter Sieger. Er verliert nicht wegen eigener großer Schwächen, sondern wegen der Stärke des Gegners. Wer sich von sportlichen Allüren und Klassendenken lösen kann, erhält mit dem VW einen genügsamen, fahrsicheren und sehr komfortablen SUV, der zudem einige Tausend Euro weniger kostet.

Download Audi Q5, VW Tiguan im Vergleich (PDF, 4,60 MByte) Kostenlos
Technische Daten
Audi Q5 2.0 TDI QuattroVW Tiguan 2.0 TDI CR 4Motion
Grundpreis40.500 €32.700 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4629 x 1898 x 1655 mm4427 x 1809 x 1683 mm
KofferraumvolumenVDA540 bis 1560 L470 bis 1510 L
Hubraum / Motor1968 cm³ / 4-Zylinder1968 cm³ / 4-Zylinder
Leistung130 kW / 177 PS (380 Nm)125 kW / 170 PS (350 Nm)
Höchstgeschwindigkeit204 km/h201 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h9,0 s8,9 s
Verbrauch5,9 L/100 km6,6 L/100 km
Testverbrauch8,9 L/100 km8,8 L/100 km
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