Audi S4 3.0 TFSI und BMW 335i im Test

Lader-Pfeifen im Doppelpack

Audi S4 3.0 TFSI, BMW 335i Sport Line, Kurvenfahrt

Audi S4 und BMW 335i - zwei Power-Limousinen mit eingeschworener Fangemeinde. Die einen preisen Allradantrieb und V-Motor, für die anderen verdient der Reihensechszylinder Heldenstatus. Doch wer liegt vorn?

Neulich irgendwo im Hohenlohischen. Knisternde Motoren, glänzender Asphalt – und aufgekratzte Tester. "Meine Güte, wie ruhig der Audi S4 3.0 TFSI auf dem welligen Stück dort lag. Sogar nach der Kuppe: kein Zucken, kein Nachschwingen. Die schnelle Rechts ging mit einem Lenkeinschlag, ohne Stoßen und Zicken. Klasse. Und die Wahnsinnstraktion, da hilft ihm das Sportdifferenzial." "Ja, aber hast du gehört, wie locker der BMW 335i bis sieben dreht? Druck von unten bis oben. Schiebt an wie ein Diesel, dreht wie ein Sauger. Nicht zu vergessen das ultradirekte Handling, diese Lenkung erzählt dir alles."

Sie ahnen es bereits, im Folgenden geht es nicht ums Ablagenzählen im Familienvan. Stattdessen lassen wir Audi S4 3.0 TFSI und BMW 335i um den Sieg in der sportiven Mittelklasse rangeln. Hier der neue BMW 3er mit 306, wie immer vollzählig angetretenen Turbo-PS in einem vergleichsweise dezenten Karosseriekleid. Dort der jüngst aufgefrischte Audi S4 mit Kompressormotor und 333 PS im S-typischen zarten Trainingsdress samt Metallic-Grill und Vierrohr-Auspuff. Okay, eine Stufe tiefer gäbe es noch eine Incognito-Version des A4 mit 272 PS, doch für den BMW 335i sollte schon der Audi S4 ran. Er bringt für knapp 54.900 Euro Grundpreis bereits Allradantrieb, Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe und mehr mit, der BMW 3er (Grundpreis 43.600 Euro) begnügt sich mit Hinterradantrieb, kassiert für die Achtgangautomatik extra.

Kompressor im Audi S4 3.0 TFSI druckvoll und krawallarm

Dennoch wandeln beide Limousinen noch an der Grenze der finanziellen Erreichbarkeit, geben so etwas wie den RS4 light oder turbofeuriges M3chen. Bloß dass sie verbindlicher auftreten als die Sportsfreunde. So schiebt der Dreiliter-Kompressor im Audi S4 3.0 TFSI ebenso druckvoll wie krawallarm an. Warum Kompressor? Weil das Roots-Gebläse platzsparend ins Zylinder-V schlüpft und weniger thermische Probleme bereitet als ein heißer Lader. Außerdem schaufelt er gleichmäßiger Extra-Luft in die Brennräume, kommt ohne Ansprechverzögerung aus. Sein Drehmoment liegt trotzdem nicht früher an, die maximal 440 Nm sprudeln ab 2.900/min, während der BMW 335i seine 400 Newtonmeter schon ab 1.200/min loslässt.

Der turbogeladene Dreiliter-Reihensechszylinder des BMW 335i optimiert seine Atmung per Valvetronic, die eine konventionelle Drosselklappe überflüssig macht, sowie mittels einer zweiflutigen Laderansteuerung (Twin Scroll). Nur Feinfühlige spüren seine minimale Ansprechverzögerung, bevor er minimal vibrierend, aber umso energischer bis 7.000/min dreht. Ganz so gierig beißt der 90-Grad-V6 des Audi S4 3.0 TFSI nicht zu, dafür läuft er sämiger und kultivierter, gibt seine Kraft etwas gleichmäßiger, nutzbarer ab. Bis hin zur Traktion: Die leicht hecklastig ausgelegte Verteilung durch das Torsen-C-Mittendifferenzial plus das optionale Sportdifferenzial hinten setzen Befehle effizient um. Statt Regelsysteme glühen zu lassen, bemüht sich der Audi S4 um optimale mechanische Traktion. Das Sportdifferenzial arbeitet mit zwei Kupplungen und teilt jedem Hinterrad die fahrdynamisch zielführende Kraftportion zu, was zu einem dynamischen Mitlenkeffekt führt.

S4 und 3er im Fahrdynamik-Parcours gleich schnell

Traktionskontrolle und ESP haben beim Audi einen lauen Lenz, stattdessen muss die Tachonadel schuften. Denn wer nicht aufpasst, treibt sie in ungesunde Höhen, wobei es egal ist, ob die Straße glatt oder buckelig daherkommt, griffig oder rutschig ist. Konventionelle Dämpfer genügen dem Audi S4 3.0 TFSI für hervorragenden Bodenkontakt und hohen Komfort bei geringer Aufbaubewegung. Die Dynamiklenkung (1.000 Euro extra) hält sich mit wechselhaftem Auftreten zurück, unterstützt die entspannte, pfeilschnelle Fortbewegung ohne feuchte Handflächen.

Da muss sogar der hinterradgetriebene BMW 335i zurückstehen. Im Fahrdynamik-Parcours etwa gleich schnell, fällt er auf verwinkelten Landstraßen mit zerfurchten Oberflächen ab, woran selbst seine optionalen Adaptivdämpfer nichts ändern können. Grundsätzlich komfortabel ausgelegt, bewegt sich der rund 180 Kilogramm leichtere BMW 3er stärker, wirkt unruhiger, verlangt höhere Aufmerksamkeit. Auch deshalb, weil sein Fahrwerk Unebenheiten stärker an die Lenkung weitergibt. Beim Einlenken deutlich untersteuernd, gewinnt er im Kurvenverlauf an Neutralität, um bei entsprechendem Leistungseinsatz bei deaktivierter Hilfselektronik zum Drift anzusetzen. Sportiv, aber weniger breitbandig als der Audi S4 3.0 TFSI, der neutraler und noch leichter beherrschbar bleibt.

Beide heiß auf der Piste und kultiviert beim Sonntagsausflug

Faszinierend bei beiden: die enorme Alltagstauglichkeit. Eben mit heißem Reifen über die Piste, jetzt mit Oma Erna auf Sonntagsausflug zum Schweinebraten-Lokal. Kultiviert, komfortabel, leise, mit bequemen Sitzen und dienstbereiten Getrieben. Der BMW 335i mit Achtgang-Wandler, der Audi S4 3.0 TFSI mit Siebengang-Doppelkuppler. Beide arbeiten schnell, geschliffen und treffsicher, der Audi noch einen Tick fixer. Dafür verweigert er im Dynamic-Modus den siebten Gang, hält die niedrigen Stufen manchmal etwas zu lang.

Zwar besitzt auch er einen Effizienz-Modus, doch der BMW 335i zeigt hier größeres Potenzial, wechselt seinen Charakter von Sport+ zu Eco Pro so blitzartig, dass man einen Menschen dafür in die Klapse stecken würde. Hier aber hilft es per trägerer Gasannahme, reduzierter Klimaleistung und Anzeige der fiktiv erknauserten Extra-Kilometer beim Spritsparen. Rund sieben L/100 km sind drin, der Audi S4 3.0 TFSI kommt nur mit Mühe unter neun.

Doch wer denkt bei Limousinen mit Fahrleistungen auf dem Niveau historischer Turbo-Porsche schon ans Spritsparen? Da lassen wir doch lieber die Lader pfeifen und die Motoren knistern. Ach ja, am Ende gewinnt der Audi S4 3.0 TFSI, wenn auch knapp.

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Jörn Thomas

Autor:

auto motor und sport, Heft 09 / 2012

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