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Audi S5 Coupé, BMW 335i Coupé, Mercedes CLK 500 Coupé

Feine Formsache

Foto: Hans-Dieter Seufert 57 Bilder

Die viersitzigen Coupés Audi S5, BMW 335i und Mercedes CLK 500 bezirzen alle, denen zwei Türen reichen, mit allürenfreier Eleganz. Um Leistung kümmern sich zwei V8-Sauger und ein Biturbo-Sechszylinder.

03.09.2007 Jörn Thomas

Normalerweise goutiert der in blaues Protektorleder gewandete Pilot der Yamaha R6 Drehzahlen Marke 14 000 plus. Bis er in die akustische Wirbelschleppe des S5 – und schlagartig in Ekstase gerät. Das dumpfe Pochen aus den vier Auspuffrohren packt den Sportsmann, lässt ihn begeistert gestikulieren und zum Abschied den Daumen recken.
Es geht halt nichts über ein gepflegtes V8- Akustik-Vollbad, im Fall des Audi-Coupés dargebracht von einem 4,2 Liter großen Direkteinspritzer mit 354 PS. Schon bei Schleichfahrt gurrt er wie Carolin Reiber nach einer Milch-Honig-Gurgelkur, um auf Gaspedal-Druck ansatzlos nach vorn zu schnalzen.

Frei saugend und per Hochdruckleitung stets mit homogenem Gemisch versorgt, flitzt er unverzüglich durch die mittleren Lagen bis zum 7000er- Gipfel – ohne Höhenangst und Atemnot. Der 306 PS starke BMW 335i kontert Drehfreude und Subbass-Timbre mit rockigen Rhythmen.
Der biturbogeladene Dreiliter scheint seine Stimmbänder mit Whisky zu pflegen, um danach die Erfolgsmelodie dieses BMW-Reihensechsers rauszuschmettern. Hochprozentig, rau und filterlos. Roth-Händle meets Super Plus. Raucherhusten ist dennoch nicht zu befürchten: Sobald jeder der beiden Lader seinen drei Zylindern Druck gibt, schiebt der Otto wie ein Diesel.

Kein Wunder bei 400 Newtonmetern ab 1300/min. Eine Drehzahl, bei der sich sonst höchstens LKW angesprochen fühlen. Bloß dass der BMW noch rund 5500 Touren mehr kann, wenn er vom fetten Drehmoment-Plateau aus zum Power-Höhenflug startet. Turbountypisch drehfreudig feuert er bis jenseits 6500/min, tobt aber am liebsten um 4000/min herum, verbindet dort bissiges Ansprechverhalten mit Turbo-Punch.
Dabei gönnt ihm die strahlgeführte Direkteinspritzung sogar meist nur Mager-Gemisch, ablesbar am günstigen Minimalverbrauch, der fast drei Liter unter dem des Audi und zwei Liter unter Mercedes-Niveau liegt.

Aber der Mercedes CLK 500 setzt als Kontrapunkt zum juvenilen Bayern-Sturm ja auch auf die Macht des Hubraums.

Aus 5,5 Liter Volumen fließen wummernd 530 Nm Drehmoment und 388 PS – mehr als bei der inzwischen eingestellten 55 AMG-Version und auch mehr als bei den Test-Kombattanten. Dennoch verzichtet das Coupé auf zeitgenössische Power-Insignien wie Korona-Lichtringe oder LED-Leuchtleisten und hält damit die Linie des ehemaligen Designchefs Karl Wilfert, für den Eleganz bedeutete, sich in Rufweite der Mode aufzuhalten. Nur dass die Mode angesichts des Inkognito-V8 schon ganz schön laut rufen muss.

Im Gegensatz zum Audi S5, der speziell in Weiß mitten ins Herz der Meinungsbildner knallt. Ingolstadt trifft Metrosex. Designer de Silva hat dem Coupé einen Linienmix aus Donnerkeil und Flusskiesel mitgegeben, der je nach Blickwinkel zwischen Audi (Front), Bentley (Seitenfenster, Lichtkante) und Dreier-BMW (Rückleuchten, Heckdeckel) changiert.
Allerdings trägt die S-Variante ein bisschen dick auf. Zumindest reißen Hammerhai-Frontspoiler, silbrig verstrebter Maxi-Grill und stierende LED-Leuchtleisten Fußgänger- Gutmenschen bereits beim ausparkenden S5 zu mäßigenden Gesten hin. Im Innern geht es dynamisch weiter mit neuen Variationen bekannter Themen.
Egal ob Playboy oder Brigitte – die dem Piloten zugewandte schwarze Schnellfahrerhöhle saugt jeden an. Nicht nur wegen der klemmfrei geschnittenen, fürsorglich stützenden Sportsitze und des griffigen Lenkrades mit den fein kitzelnden Ziernähten. Denn auch der Rest stimuliert: holzfrei, pianolackiert, mit Metall-Intarsien akzentuiert. Da sitzt jede Fuge, jeder Reglerklick, jeder Tastendruckpunkt.
Apropos Tasten: Die Bedienung gelingt dank klarer Beschriftungen auf Anhieb, allerdings stört es selbst erfahrenere Nutzer, zur Infotainment-Bedienung stets nach unten schauen müssen.

Ha, da jubelt der i-Drive-Fanclub:

Bei BMW gibt es das nicht. Stimmt, wer den Dreh am exakt mechanisch klickenden Steller raus hat, muss den Blick nur noch Richtung Monitor wenden. Ansonsten schweift er über eine akkurat verarbeitete Cockpit-Landschaft, die im Vergleich zur detailverliebten Opulenz des Audi allerdings noch kräftig nach Mittelklasse riecht.
Ist schon recht, schließlich kostet der 335i ja auch rund 10 000 Euro weniger als der S5. Die Differenz zum Mercedes beträgt sogar fast 16 000 Euro – bis auf den V8-Zuschlag plus Automatik ohne nennenswerte Unterschiede bei Ausstattung oder Verarbeitung. Im Gegenteil. 335i und S5 liefern Bi-Xenon-Licht frei Haus, Mercedes kassiert extra.

Und auch die Kunststoff-Oberflächen sowie einige Tasten im Cockpit erscheinen eher altbacken als oberklassig. Pluspunkte bekommt der CLK für seine vorbildliche Bedienung und die praktische mechanische Einstiegshilfe in den Fond. Dort hält der CLK als Einziger im Vergleich menschenwürdige Platzverhältnisse bereit.
Die Audi-Sitze sind zwar kuscheliger, die limitierte Beinfreiheit stoppt jedoch bereits Mittelgroße. Aber wer will – außer hundesteuerpflichtigen Passagieren – in einem Coupé schon hinten sitzen? Vorn gilt es. Etwa wenn beim S5 die 18-Zöller von Bridgestone krallig Haftung aufbauen, sich Federn, Dämpfer und Stabis ebenso stoisch gegen die Querkräfte stemmen wie die Sitzwangen gegen die träge Körpermasse.
Ob im Fahrdynamik-Parcours oder auf der Landstraße: Wo der S5 ist, ist vorn. Bis auf die fitzelige Schaltempfehlung als viel zu kleines Feigenblatt über dem trinkfreudigen V8-Motor hat Audi fast alles richtig gemacht.

Allrad-Traktion mit stärkerer Kraftzuteilung zur Hinterachse sowie ein leicht nach hinten gerückter Motor tilgen lästiges Untersteuern. Der 1,7-Tonner bremst grandios, bleibt lange neutral, pfeilt mit der leichtgängig-präzisen Lenkung über die Ideallinie, überrumpelt im schnellen Ausweichtest sogar Heroen wie Audi RS4 oder Lamborghini Gallardo Spyder.
Daneben bietet er sogar einen – nach S-Maßstäben – bekömmlichen Federungskomfort.

Der BMW verlangt schon mehr Sportsgeist.

Runflat-Reifen und eine straffe Fahrwerksabstimmung informieren die Besatzung offensiv, manchmal sogar ehrlicher als nötig – etwa wenn der 335i auf kurzen Wellen Spontan-Kicks austeilt.
Aber genau diese Spontaneität zeichnet den Dreier aus. Wie er sich in den Kurvenradius verbeißt, Einlenkvertrauen und Grip bis über den Scheitelpunkt hinaus aufbaut, hochfrequent mit den Vorderrädern pfeifend den Grenzbereich ankündigt – das hat was. Oder wenn er im sportlichen DTCModus des Stabilitätsprogramms auf Gaspedalbefehl das Heck heraushängt, im Notfall sanft wieder einfängt und damit sogar mäßig Versierte an den Grenzbereich heranführt.
Grenzbereichs-Erfahrungen? Die vermeidet der CLK nach Möglichkeit. Dynamische Avancen dämpft er mit Untersteuer- Protest und ESP-Eingriff, macht sich in Wechselkurven deutlich breiter als die anderen, lehnt sich mit seiner Parameterlenkung spürbar gegen allzu zackige Richtungswechsel auf. Lieber presst er in weiten Sätzen vorwärts und die Insassen in die Sitze, während der Siebenstufenautomat stets dezent nachlegt. Selbst Unebenheiten können dem dahinströmenden CLK wenig anhaben, sein Fahrwerk degradiert sie in die Nähe der Bedeutungslosigkeit. Ein gediegener Charakter genügt aber nicht, um an der Konkurrenz vorbeizukommen.
Die ersten Plätze machen Audi und BMW daher unter sich aus, wobei der 335i auch den S5 kostenmäßig klar ausbremst.

Fazit

1. BMW 335i
489 Punkte

Mitreißend agil und sportlich jagt der Sechszylinder-Underdog den S5 - um ihn und vor allem den CLK im Kostenkapitel deutlich zu deklassieren.

2. Audi S5
468 Punkte

Im S5 verschmelzen metropoler Coupé-Chic, kompetente Fahrdynamik und hohe Alltagstauglichkeit zu einem - nicht ganz billigen - Ganzen.

3. Mercedes CLK 500 Avantgarde
441 Punkte

Just cruisin': Der hubraumstarke CLK befördert seine Passagiere abseits von jedem Stress. Sport und Sparen liegen ihm weniger.

Technische Daten
Mercedes CLK 500BMW 335i CoupéAudi S5 4.2 FSI Quattro
Grundpreis62.564 €48.250 €58.600 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4652 x 1740 x 1415 mm4580 x 1782 x 1375 mm4635 x 1854 x 1369 mm
KofferraumvolumenVDA435 L430 L455 L
Hubraum / Motor5461 cm³ / 8-Zylinder2979 cm³ / 6-Zylinder4163 cm³ / 8-Zylinder
Leistung285 kW / 388 PS (530 Nm)225 kW / 306 PS (400 Nm)260 kW / 354 PS (440 Nm)
Höchstgeschwindigkeit250 km/h250 km/h250 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h5,2 s5,7 s5,1 s
Verbrauch11,4 L/100 km9,2 L/100 km12,1 L/100 km
Testverbrauch13,6 L/100 km12,3 L/100 km13,8 L/100 km
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