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Audi S8 Quattro, Jaguar XJR 4.0, Mercedes E 50 AMG

Die Motorleistung der stärksten Sport-Limousinen liegt weit über 300 PS. In der Fahrleistung übertreffen sie manchen Sportwagen. Welche Stärken sie noch bieten, zeigt der Vergleich zwischen Audi S8, Jaguar XJR und Mercedes E 50 AMG.

02.04.2003

Groß, stark und schnell sind normale Oberklasse- Limousinen auch. Aber sind sie auch sportlich? Natürlich nicht. Sportlichkeit ist nun einmal weder primäres noch sekundäres Entwicklungsziel im Oberklasseoder gar Luxus-Segment. Was also treibt die Hersteller dazu, ihre Nobelkarossen in der Leistung hochzurüsten auf das Niveau reinrassiger Sportwagen, das Fahrwerk zu verhärten und das Outfit jener Geschmacksrichtung anzupassen, die gemeinhin als sportlich gilt? Der Kundenwunsch. Er ist zweifellos vorhanden. So rechnet Mercedes im Jahr 1996 mit rund 1800 Verkäufen für den 347 PS starken E 50 von AMG, Jaguar vermarktet rund zehn Prozent der XJ-Limousine in der von einem Eaton-Kompressor beflügelten R-Version.

Und Audi hofft mit der auf 340 PS gelifteten Sportvariante namens S8 den etwas schleppenden Absatz des Flaggschiffs A8 zu beleben. Im Auftritt weist der S8 relativ dezent auf seine inneren Werte hin. Glänzendes Aluminium ziert den Doppelrohrauspuff und die beiden Außenspie- gel, der grau abgesetzte Grill sowie die großen 18 Zoll-Räder im Avus-Styling sind weitere Differenzierungshilfen. Der Jaguar XJR dagegen hat jeglichen Chromglanz abgelegt. Tiefergelegt kauert er flach wie eine Katze vor dem Sprung auf der Straße und beeindruckt mit seiner üppigen 17 Zoll-Bereifung. Im Rückspiegel allerdings wirkt die nunmehr chromlose Front leider auch konturlos. Mercedes tut sich beim E 50 naturgemäß schwer, die Taxi-Anmutung der E-Klasse zu verschleiern. Tiefgezogene Front- und Heckschürzen, lakkierte Seitenschweller und überdimensionierte Räder lassen jedoch rasch ahnen, daß hier keine gewerbsmäßige Personenbeförderung stattfindet. Im Innenraum glänzen alle drei Konkurrenten serienmäßig mit nobler Lederausstattung. Auch sonst fehlt es an nichts: Klimaanlage, elektrische Sitzverstellung und andere Luxus- Accessoires sind Standard. Beim Jaguar vermißt man die Sitzheizung und den Tempomat, letzterer kostet auch bei Audi, ebenso wie das Xenonlicht, Aufpreis. Bei Mercedes schließlich gibt es Xenonlicht, Tempomat und Scheinwerfer- Reinigungsanlage serienmäßig, aber keinen Bordcomputer.

Dennoch: Der Mercedes bietet die beste Ausstattung, der Audi und der Jaguar hinken da hinterher. Dafür glänzt der S8 mit dem größten Innen- und Gepäckraum. Doch nicht viel weniger kann der E 50 vorweisen, der bekannt knapp geschnittene Jaguar verliert hier, auch wegen seiner zu geringen Zuladung (407 Kilogramm), die meisten Punkte. Insofern endet das Karosseriekapitel mit einer klaren Wertung: Der Audi liegt vorne, knapp gefolgt vom Mercedes, und der XJR bucht, auch wegen seiner nicht ganz so überzeugenden Karosseriequalität, seinen ersten Punkterückstand. Beim Fahrkomfort sieht es ganz anders aus. Hier erreichen alle drei Konkurrenten die gleiche Punktzahl, aber auf völlig verschiedene Weise. Der Jaguar verwöhnt bei aller Straffheit durch den insgesamt besten Federungskomfort, mit deutlichen Anklängen an das wesentlich weicher gefederte Basismodell. Der relativ straff ausgelegte AMG-Mercedes federt nur dann gut, wenn er richtig schnell bewegt wird.

Angesichts der heutigen Verkehrsverhältnisse und Tempoeinschränkungen auf Dauer eine unbefriedigende Lösung. Noch weniger gefällt die Abstimmung des S8, dessen schlechter Langsamfahrkomfort bei höherem Tempo von einer ständig stoßenden Federung abgelöst wird, die insbesondere mit langen Bodenwellen schlecht fertig wird. Doch Komfort besteht nicht nur aus Federung. Mit niedrigem Innengeräusch, weichem Abrollen und gutgeformten Sitzen kompensiert der Audi teilweise seine Federungsschwächen. Noch etwas kom- fortabler sind die Sitzgelegenheiten im Mercedes, die etwas knapp bemessenen Sitze des Jaguar sind vor allem für größere Personen auf Dauer unbequem. Um so mehr stört da der hohe Lärmpegel im E 50, der vor allem durch Rollgeräusche, aber auch von Windgeräuschen und der hörbaren Gaswechselarbeit des Fünfliter-Achtzylinders verursacht wird.

Da bringt auch die funktionelle und einfache Bedienung keinen nennenswerten Ausgleich, zumal der Jaguar und der Audi in diesem Punkt keine gravierenden Schwächen zeigen. Was bleibt, ist ein Patt im Komfort auf hohem Niveau mit der klaren Anmerkung, daß hier eine relative Wertung vorliegt. Verglichen mit den Ausgangsprodukten sind die Einbußen im Federungskomfort im Grunde nicht akzeptabel. Über Leistungsmangel in dieser Klasse sollte selbst die anspruchsvollste Klientel nicht klagen dürfen. Schließlich muß das nochmals gesteigerte Leistungsangebot als ein wesentlicher Kaufgrund herhalten. So gibt es den Fünfliter-V8 für die E-Klasse nur im E 50 AMG, dazu noch in einer auf 347 PS erstarkten Variante. Mit seinem maximalen Drehmoment von 480 Newtonmetern ist er zugleich der eindrucksvollste Hammer in diesem gewiß nicht schwächlichen Trio – er legt sich mit einer Vehemenz ins Zeug, die immer wieder verblüfft. Die Fahrleistungen sprechen für sich: Nach sechs Sekunden erreicht der E 50 AMG 100 km/h, nur 21,6 Sekunden vergehen bis zur 200 km/h- Marke. Auch dazwischen sind Beschleunigungsvorgänge vom stets abrufbaren hohen Leistungs- und Drehmomentüberschuß geprägt, der von der nahezu perfekt arbeitenden Fünfgangautomatik mühelos in Vortrieb umgesetzt wird.

Ganz so leicht fällt dies dem Audi S8 nicht. Zwar hält auch dessen Achtzylinder beeindruckende 340 PS parat, aber sie kommen aus deutlich kleinerem Hubraum (4,2 Liter). Mehr Drehzahl und reger Gebrauch des Sechsganggetriebes sind für vergleichbare Fahrleistungen vonnöten. Faszinierend sind die Laufruhe und Drehwilligkeit des V8, die erst bei 7000 Umdrehungen ein Ende findet. Andererseits muß man sich gerade beim direkten Vergleich fragen, warum Audi den S8 nicht wenigstens alternativ mit der Fünfgang-Tiptronic anbietet.

Enggestufte Sechsganggetriebe sind in großen Limousinen ohnehin ein Anachronismus. Im Motorkapitel fällt der Jaguar im Vergleich zu seinen deutschen Wettbewerbern nicht so weit zurück, wie man auf Grund der Meßwerte und des Antriebskonzeptes vermuten könnte. In der Praxis erweisen sich der aufgeladene Sechszylinder und die nicht einmal adaptiv gesteuerte Viergangautomatik als geglückte Kombination. Die bullige Charakteristik des 320 PS starken Kompressormotors, der schon bei rund 3000/min über 500 Newtonmeter liefert, überdeckt hier man- chen Drehzahlsprung.

Als wesentlicher Nachteil bleibt der auch durch den Leistungsbedarf des riesigen Eaton-Kompressors verursachte hohe Verbrauch. Die Fahreigenschaften werden durch den Quattro-Antrieb des S8 dominiert. Wäre da nicht eine vor allem im Stadtverkehr störende Unhandlichkeit, die einmal von der schieren Karosseriebreite, zum anderen durch den zu großen Wendekreis (knapp 13 Meter) verursacht wird, hätte der Audi die Maximalpunktzahl verdient. Doch nicht weit hinter ihm rangiert der Mercedes E 50, der sogar mit Antriebsschlupfregelung massive Traktionsprobleme offenbart und auch in ganz schnellen Kurven und im Geradeauslauf etwas Boden verliert. In den gleichen Kriterien bucht der Jaguar noch höhere Punktverluste, der auch beim scharfen Bremsen nicht ganz so richtungsstabil reagiert wie seine deutschen Konkurrenten. Klare Reihenfolge also im Kapitel Fahreigenschaften: Audi, Mercedes, Jaguar.

Das Schlußlicht markiert der Jaguar XJR auch bei Wertung Sicherheit und Umwelt. Sein hoher Verbrauch und seine von den Konkurrenten weit überbotene Sicherheitsausstattung lassen ihn zurückfallen. Zwar besitzt er zwei Airbags, aber Gurtstraffer oder gar Sidebags, von denen der Audi sogar vier vorweisen kann, kennt der Jag nicht. Wirtschaftlich sind die drei Sportlimousinen alle nicht. Der hohe Verbrauch, hohe Fixkosten und auch der nicht gerade niedrige Wartungsaufwand belasten die laufende Bilanz, von etwaigen Reparaturen einmal ganz abgesehen. Und den im Grunde überhöhten Anschaffungskosten stehen zudem happige Wertverluste und schlechte Wiederverkaufschancen gegenüber. Doch manchmal sind Kundenwüsche eben auch unvernünftig.

Fazit

1. Audi S8
106 Punkte
2. Mercedes E 50 AMG
103 Punkte
3. Jaguar XJR
97 Punkte
Technische Daten
Audi S8Mercedes E 50 AMGJaguar XJR Sport 4.0 Kompressor
Grundpreis68.257 €75.850 €69.485 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe5034 x 1880 x 1420 mm4795 x 1799 x 1411 mm5023 x 1798 x 1303 mm
KofferraumvolumenVDA525 L500 L430 L
Hubraum / Motor4172 cm³ / 8-Zylinder4973 cm³ / 8-Zylinder3980 cm³ / 6-Zylinder
Leistung250 kW / 340 PS (410 Nm)255 kW / 347 PS (480 Nm)235 kW / 320 PS (512 Nm)
Höchstgeschwindigkeit250 km/h250 km/h250 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h5,5 s6,2 s6,3 s
Verbrauch14,3 L/100 km13,3 L/100 km
Testverbrauch14,8 L/100 km16,7 L/100 km17,6 L/100 km
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