Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Audi TT Coupé 3.2 Quattro gegen Porsche Cayman

Deutsche Spurthilfe

Foto: Hans-Dieter Seufert 30 Bilder

Wer kommt besser aus den Blöcken: der Audi TT mit 3,2-Liter-V6 und Direktschaltgetriebe oder der Basis-Cayman von Porsche mit seinem 2,7-Liter-Boxer und Fünfgangautomatik?

22.01.2007 Jörn Thomas

Zweikommasieben Liter, weit über 200 PS, Schlüssel links: Da läutet das Pawlowsche Glöckchen Sturm in den Gehörgängen des ambitionierten Automobilisten. Jedenfalls war es einmal so. Etwa vor 34 Jahren, als ein Carrera RS mit 2,7-Liter-Boxermotor und 210 PS nicht nur nach der Konkurrenz schnappte, sondern sie auch nach Belieben fraß. Schnell, leicht und konsequent.

Heutzutage rollt bereits ein Basis-Cayman mit 245 PS in die Arena.

Wo ihn der Audi TT schon erwartet und ihm mit seinen serienmäßigen Bi-Xenon-Scheinwerfern provokant zublinzelt. Er hat mit dem Porsche so viel gemeinsam wie der Pawlowsche Hund mit Kommissar Rex. Schließlich steckt hinter dem in Generation zwei dramatisierten Antlitz mit schmalen Lichtschlitzen und Brachialkühlergrill ein 3,2-Liter-Motor mit 250 PS.

Selbst wenn die wegen des Quereinbaus nötige 15-Grad- V-Konfiguration nicht gerade das thermodynamische Optimum repräsentiert: Audi macht das Beste draus. Schon ab Standgas schiebt der Vierventiler sämig an und durchquert das Drehzahlband in einem Zug ohne merkliche Stimmungsschwankungen. Höchstens akustisch lässt sich erahnen, dass im Verborgenen einiges passiert, denn obenraus kippt der bis dahin tiefe Brummbass ins Metallische, hart an der Plärrgrenze, während der V6 Richtung 7000er-Marke dreht.
Der Sechszylinder-Boxer im Porsche geht noch weiter. Er fräst sich trompetend bis jenseits 7200/min. Drehfreude ist beim 2,7-Liter allerdings kein Kann, sondern ein Muss. Wie sagte Ferry Porsche: „Wenn man drauftritt, muss er schießen.“ Bloß dass beim Cayman das Pulver etwas feucht zu sein scheint, jedenfalls in den unteren Lagen.

Mindestens 4000 Umdrehungen sollten es schon sein, soll dem Schall auch Feuer folgen.

Aber dann saugt der Boxer in seinem Verlies direkt hinter den Passagieren nochmals freizügiger an. Dabei bedient er sich Resonanzklappen und variabler Einlass-Ventilsteuerung (Vario Cam), um die Abgase danach mit Macht ins Freie zu schmettern.
Und dennoch: Der Audi zieht ihm das Fell über die Ohren. Allein in der Beschleunigung von null auf 100 km/h: 5,5 zu sieben Sekunden. Wertvolle Zehntelsekunden versacken beim Porsche im Wandlerschlupf der Fünfstufenautomatik (2642 Euro). Der Audi spielt auch hier Maschinenbauingenieur und dreht Porsche mit seinem Doppelkupplungsgetriebe S-Tronic eine lange Nase (siehe Spotlight).

Zwei konventionelle Kupplungen statt Drehmomentwandler, insgesamt sechs Gänge und das Ganze auch noch verlustfrei und ohne Zugkraftunterbrechung beim Beschleunigen. Vorbei die Zeit pochender Schläfen und feuchter Handflächen beim Ampelstechen. ESP aus, Sportprogramm ein, den TT festbremsen und Vollgas geben. Die Elektronik serviert die passende Anfahrdrehzahl, und sobald der Fuß von der Bremse geht, schießt der Audi vorwärts. Schlupf? Nein, Quattro. Und 2,1 Sekunden bis Tempo 50.
Der Porsche lässt hier trotz ebenfalls effektiver Traktion – Mittelmotor plus Heckantrieb – fast ein Drittel mehr Zeit liegen. Doch das Leben besteht nicht nur aus Sprints, sondern auch aus Mittel- und Langstrecken. Express können beide, obwohl sich der Audi bei Tempo 250 der Selbstkasteiung beugen muss, während der Porsche noch drei km/h draufpacken darf. De facto also pari. Anders beim Komfort. Hier brüllt der Porsche herrischer, kommen Wellen und Querfugen krasser. Zwar fördert hohes Tempo das Ansprechverhalten der Ferdern, an den Komfort des TT kommt der Cayman aber nicht heran.

Kontrolliert und vermittelnd absorbiert dessen Fahrwerk mit Magnetic Ride
(1230 Euro Aufpreis) im Normalmodus kleine wie große Unebenheiten. Man ahnt, wie sich die drei bis zehn Mikrometer großen Magnetpartikel im synthetischen Kohlenwasserstofföl durchflussfördernd kleinmachen, um sich auf elektrischen Befehl querzulegen und unerwünschte Karosseriebewegungen zu bremsen.

Bremsen – hier schenken sich beide wenig.

Obwohl Porsche beim Basis-Cayman im Vergleich zum stärkeren S vorn kleinere Scheiben einsetzt, verzögert er auf hohem Niveau. Ebenso wie der TT, der mit einem deutlich transparenteren Pedalgefühl auffährt. Transparenz – da kommen die Lenkungen ins Spiel. Die des Porsche gibt sich schwergängiger, dafür mitteilsam wie ein Teenie beim Sonntagnachmittag-Telefonat mit der Freundin. Straße lesen und bei Bedarf ehrlich und zackig abwinkeln, das liegt der Hydraulikanlage quasi im Öl.

Die des Audi kontert mit geringerer Stößigkeit, ausgeprägter Leichtgängigkeit und einer Präzision, die Gusseiserne ratlos zurücklässt: Schließlich fließt hier Strom statt Öl. Den Fluss der Geschwindigkeit fördert auch die S-Tronic. Sie mimt beim Halbgas-Gleiten glaubhaft den Stufenlos- Automaten, verliert erst bei Sportstellung und schwerem Gasfuß ein wenig die Contenance. Hochdrehzahl und Zwischengas-Fanfaren, das kommt bei Ortsdurchfahrten ungefähr so stilvoll wie Zuspätkommen beim ersten Date.

Ansonsten erweist sich der Audi aber als schlitzohriger Tempo-Verführer.

Sein Allradantrieb – Kraftverteilung standardmäßig 85 Prozent vorn, bei Bedarf stufenlos bis zu 100 Prozent vorn oder hinten – macht die Traktionskontrolle weitgehend arbeitslos, erleichtert das Lavieren am Grenzbereich. Neutral und nur mäßig untersteuernd, zeigt er dem Porsche sowohl auf der Straße als auch beim Fahrdynamik-Test das Heck. Und das mit geringerem fahrerischen Aufwand. Obwohl der Cayman sportlich-gierig einlenkt und einen mittelmotortypisch hohen Grenzbereich besitzt, verlangt zügiges Tempo nach einem sensiblen Popometer.
Beim harschen Herausbeschleunigen hängt stets das Damoklesschwert des Heckschwenks über dem Piloten – trotz des elektronischen Stabilitätsprogramms. Überdies bettet der TT seine Passagiere schon serienmäßig in körpergerechte Sitze, umgeben von solider Verarbeitung, Klimaautomatik und einer Anmutung, die bereits ohne teure Extras Premiumcharakter vermittelt.

Porsche verlangt nicht nur einen deutlich höheren Einstandspreis, sondern kassiert sogar für Sechsganggetriebe und Klimaautomatik extra, von Lederbezügen und dem weiteren, umfangreichen Wohlfühl-Arsenal ganz zu schweigen. So erklärt ein Blick in die Aufpreisliste, warum Porsche VW kaufen kann: Die Kunden haben es bezahlt.

Fazit

1. Porsche Cayman
405 Punkte

Herbe Niederlage für das Davidprinzip: Der TT fährt dem teuren Basis-Cayman um die Ohren. Allerdings hängt der Fünfstufenautomat wie ein Mühlstein am durchzugsschwachen 2,7-Liter-Boxer. Aber Charakter hat er.

2. Audi TT Coupé 3.2 Quattro
488 Punkte

Ob agiles, sicheres Fahrverhalten, guter Komfort, druckvoller Motor samt akkuratem Getriebe oder referenzartige Verarbeitung: Der TT sammelt überall gnadenlos Punkte. Ein kühler Perfektionist.

Technische Daten
Audi TT Coupé 3.2 QuattroPorsche Cayman
Grundpreis43.750 €51.521 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4178 x 1842 x 1352 mm4341 x 1801 x 1305 mm
KofferraumvolumenVDA290 bis 700 L410 L
Hubraum / Motor3189 cm³ / 6-Zylinder2687 cm³ / 6-Zylinder
Leistung184 kW / 250 PS (320 Nm)180 kW / 245 PS (273 Nm)
Höchstgeschwindigkeit250 km/h253 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h5,7 s7,0 s
Verbrauch9,4 L/100 km10,3 L/100 km
Testverbrauch12,8 L/100 km13,9 L/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Neu Registrieren

Erstellen Sie ein kostenloses Profil und profitieren Sie von vielen Vorteilen

  • Zugriff auf alle technischen Daten
  • Artikel kommentieren
  • Teilnahme an Gewinnspielen
  • Schneller PDFs kaufen
  • 360° Ansichten von Autos
  • Exklusives PDF-Bonus-Programm
Kostenlos anmelden
Login mit Ihrem Profil
    Anzeige
    Audi TT 2.0 TFSI Quattro, Frontansicht Audi TT ab 317 € im Monat Leasing & Vario-Finanzierung Jetzt Fahrzeug konfigurieren
    Audi TT Audi Bei Kauf bis zu 24,61% Rabatt Jetzt Fahrzeug konfigurieren
    Kommentar schreiben

    Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

    Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
    Empfehlungen aus dem Netzwerk
    Gebrauchtwagen Angebote
    Whatsapp
    Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden