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Audi TT Roadster und Opel GT im Vergleichstest

Deutsche Qualität kann der GM-Spross nicht erreichen

Audi TT Roadster 3.2, Opel GT Foto: Rossen Gargolov 18 Bilder

Unter dem Pontiac-Label ist der Opel GT in den USA längst kein Unbekannter mehr. Nun geht der Deutsch-Ami in Europa auf Kundenfang - und trifft auf so etablierte Konkurrenten wie den Audi TT Roadster 3.2 quattro.

22.05.2007 Anja Wassertheurer Powered by

Der Zeitpunkt zum Angriff ist gut gewählt. Während die amerikanischen Ureinwohner einst bevorzugt im Herbst auf die Jagd gingen – ein Umstand, der dem farbenfrohen Jahresausklang in den USA einer weit verbreiteten Theorie zufolge den Namen Indian Summer bescherte – schickt General Motors seine neue Speerspitze im Kampf um die Käufergunst pünktlich zum Frühlingserwachen über den großen Teich.

Der Opel GT soll einer Legende zu neuem Leben verhelfen

Unter dem Namen Opel GT soll der in den Vereinigten Staaten als Pontiac Solstice vertriebene Zweisitzer eine deutsche Automobil-Legende wiederbeleben: Zwischen 1968 und 1973 überraschte der damals noch autarke Rüsselsheimer Hersteller die Fachwelt mit einem wahlweise 60 (GT 1.100) oder 90 (GT 1.900) PS starken Coupé, das mit seiner knapp und extrovertiert geschnittenen Karosserie so gar nicht zum ansonsten doch eher biederen Image der Hessen passen wollte. Heute genießt die nur 1,22 Meter hohe Flunder mit den Klappscheinwerfern unter Opel-Fans schon deshalb Kultstatus, weil die Rüsselsheimer Autobauer nur selten Ausflüge in derart sportliche Gefilde unternahmen.

Der letzte diesbezügliche Versuch datiert aus dem Jahr 2000. Damals schickte der VW-Konkurrent den zwar auf dem Lotus Elise basierenden, im Detail aber durchaus eigenständigen und fahrdynamisch hervorragend konditionierten Opel Speedster ins Rennen. Auch dem diesmal als puristischem Roadster konzipierten, bis zu 200 PS starken Sportwagen war mit nur fünf Jahren Bauzeit ein vergleichsweise kurzes Leben beschieden. Die angepeilte Stückzahl von 10.000 Exemplaren hat der in Deutschland als Opel und in England als Vauxhall verkaufte Zweisitzer nie erreicht. Der Bau des zu Unrecht als weich gespülter Lotus verrufenen, weil in Hethel gefertigten Hecktrieblers wurde im Juli 2005 mangels Nachfrage mit Auto Nummer 7.996 eingestellt. In Anbetracht der nicht wirklich von Erfolg gekrönten deutschbritischen Zusammenarbeit erstaunt die Entscheidung pro US-Import. Liegen doch die Anforderungen des amerikanischen und des deutschen Marktes bekanntlich noch weiter auseinander.

Die Qualität in den USA liegt unter europäischen Standards

Was am US-Standard gemessen gut und auf nordamerikanischen Rüttelpisten tauglich ist, muss hier zu Lande noch lang nicht reüssieren. Das mussten nicht zuletzt jene deutschen Automobilbauer schmerzhaft erfahren, die zwecks Kostendämpfung Teile ihrer Produktion in die Vereinigten Staaten verlagert haben und in der Folge mit Reklamationen gleichsam überschwemmt worden sind. Die Fertigungsqualität lag weit unter den europäischen Standards. Umso interessanter erscheint folgender Vergleich: Audi TT trifft Opel GT. Deutsch bis ins Mark, selbstredend mit modernster Technik bestückt und stolze 43.800 Euro teuer der eine, uramerikanisch mit deutschem Firmensignet, deutscher Motorentechnik und deutscher Legende versehen der andere.

Dank seines deutlich niedrigeren Grundpreises von lediglich 32.180 Euro und seiner um 14 PS höheren Leistung zieht letzt Genannter in der Preis-/Leistungskategorie der sport auto-Wertung gleich einmal mit einem Punkt davon. 1 : 0 für Opel also. Auch die zweite rein numerische Disziplin, die des Leistungsgewichts, kann der 264 PS starke, hinterradgetriebene Deutsch-Amerikaner mit dem Vierzylinder-Turbo unter der lang gestreckten vorderen Haube für sich verbuchen: Während der Opel GT mit jeder Pferdestärke 5,3 Kilogramm fortbewegen muss, hat der 250-PS-V6 des allradgetriebenen Audi TT Roadster mit 6,1 Kilogramm pro PS schon ein größeres Päckchen zu tragen. Bei der Sprintwertung macht dies allerdings kaum einen Unterschied – beide Autos erreichen binnen 6,3 Sekunden Tempo 100 und passieren nach gut 20 Sekunden die 180-km/h-Marke.

Beim Durchzug hat der Ingolstädter Saugmotor-Roadster die knuffige Nase dank des knackig kurz übersetzten und ebenso zu schaltenden Sechsganggetriebes gar geringfügig vorn. Der unten herum nicht wirklich spritzige Turbomotor des GT leidet diesbezüglich unter einer Sparmaßnahme: Der Schaltbox des Opel fehlt eine Fahrstufe. Zudem gehen die Gangwechsel im nicht eben wertigen Umfeld des GT-Cockpits deutlich weniger glatt von der Hand als im TT. Insbesondere der Schwenk vom vierten in den fünften und letzten Gang erfordert Muße und Aufmerksamkeit. Der Weg zum Ziel ist vergleichsweise lang und hakelig.

Niedriger Preis geht zu Lasten der verarbeiteten Materialien

Dass das Augenmerk der Entwickler beim Pontiac Solstice alias Opel GT weit mehr auf einen möglichst gesellschaftsfähigen Kaufpreis denn auf ein hohes Maß an Qualität gerichtet war, zeigt sich auch an anderer Stelle. Das manuell zu betätigende Verdeck schlägt in geschlossenem Zustand seitlich ähnlich starke Wellen wie einst das Käppi des Ferrari 360 Spider. Dass sich der GM-Roadster so gesehen in durchaus illustrer Gesellschaft befindet, dürfte Ästheten kaum trösten. Noch unverhohlenere Kritik verdienen der lieblos mit billigstem Vlies ausgeschlagene Kofferraum, der wegen des mittig darunterliegenden und dem Kapstädter Tafelberg gleich darin aufragenden Tanks streng genommen gar keiner ist, und die scharfen Kanten der insgesamt billig anmutenden, dafür aber großzügig verwendeten Kunststoffe im Innenraum.

Auch an anderer Stelle wurde scheinbar nicht wirklich mitgedacht: Verwinkelte Handschuhfächer, in denen selbst DIN-A5-Hefte nicht knitterfrei Platz finden, und nur mittels sportlicher Verrenkungen erreichbare Fensterheber sind ebenso wenig zeitgemäß wie friemelige, nur mit Hilfe des Schlüssels zu öffnende Tankverschlüsse oder die an betagte Leder-Fauteuils erinnernden Sitze des GT. Im europäischen Automobilbau haben derartige Entgleisungen inzwischen Seltenheitswert.

Im Vergleich zum Opel-Interieur herrscht im Audi unbedingtes Wohlfühlklima: Von den Materialien über die Verarbeitungsqualität bis hin zur Ergonomie herrscht im TT nicht nur bei geöffnetem Dach eitel Freude und Sonnenschein. Auch wer gut behütet über die Autobahn fliegt, wird die Tugenden des Bayern zu schätzen wissen. Als da wären: vergleichsweise niedriges Innengeräuschniveau bei hohen Tempi, straffe und gut konturierte Sitze, ordentlicher Federungskomfort. Dass sich die Bedienelemente am rechten Platz befinden und das Verdeck auf Knopfdruck den Blick auf den Himmel freigibt, versteht sich in diesem im vollen Ornat 20.000 Euro teureren Umfeld fast von selbst.

Schwächer und schwerer - Dennoch ist der TT in Hockenheim schneller

Die eigentliche Überraschung gelingt dem Audi TT quattro jedoch auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim. Angesichts seines im Vergleich zum GT rund 120 Kilo höheren Gewichts und 14 PS weniger Leistung hätte man dem V6-Roadster auf diesem Terrain kaum derart viel Verve zugetraut – zumal sein geschlossener, immerhin 80 Kilogramm leichterer Allradbruder in derselben Prüfung anno 2006 nicht wirklich brillierte (siehe sport auto 10/2006). Mit 1.19,8 Minuten war das damals zum Vergleich mit dem Alfa Brera 3.2 V6 angetretene 250-PS-Coupé ein gutes Stück langsamer als sein 200 PS starker frontgetriebener Bruder. Ein Umstand, den sich die Ingolstädter Fahrwerksingenieure scheinbar zu Herzen genommen haben. Von der durch einen Hang zum Untersteuern hervorgerufenen, ehedem bemängelten Schwerfälligkeit im Vergleich zum Fronttriebler ist im Quattro-Roadster nichts mehr zu spüren. Der TT präsentiert sich leichtfüßig, absolut neutral und narrensicher. Er lenkt bravourös ein, bleibt seiner Linie unter allen Umständen treu und umrundet den 2,6 Kilometer langen Kurs im Badischen im Sportmodus des Magnetic-Ride-Fahrwerks in der Folge in beeindruckenden 1.18,2 Minuten.

Der mit recht viel Gummi im Fahrwerk versehene Hecktriebler mit dem Blitz im Kühlergrill hat dem wenig entgegenzusetzen. Mit 1.19,1 Minuten ist der leichtere und stärkere Roadster fast eine Sekunde langsamer. Zwar lenkt auch der GT gut ein, anschließend legt der gebürtige Amerikaner jedoch eine zeitraubende Untersteuerneigung an den Tag. Das sich im Laufe der zweiten Runde verhärtende Bremspedal weckt gleichfalls kaum Vertrauen, wenngleich die Verzögerungsleistung selbst – einen erhöhten Kraftaufwand vorausgesetzt – einigermaßen konstant bleibt. Das knorpelige Fünfganggetriebe mit seiner wenig passgenauen Übersetzung und den großen Drehzahlsprüngen zwischen dem dritten und vierten und dem vierten und fünften Gang trägt seinen Teil zur nicht sonderlich überzeugenden Vorstellung des Opel GT in Hockenheim bei.

Der Opel GT fordert häufig den Einsatz des Schalthebels

Auch im Alltag ist an Bord des US-Imports deutlich mehr Aktivität gefragt als im Umgang mit dem Audi TT. Auf der Autobahn lässig im fünften Gang davonspritzen, ist im GT nicht drin. Unter 3.500 Touren hat der Opel wenig Biss. Der häufige Griff zum Schalthebel ist unumgänglich, wenn Überholmanöver mit einer dem extrovertierten Auftritt des Zweisitzers entsprechenden Überzeugungskraft gelingen sollen. Dass das zur artgerechten Fortbewegung erforderliche hohe Drehzahlniveau Auswirkungen auf die Trinksitten des 1.407 Kilogramm schweren GT hat, passt ins Bild. Mit 14 Liter Durchschnittsverbrauch gönnte sich der Amerikaner mit dem deutschen Namen auf 100 Testkilometern exakt 1,2 Liter mehr Treibstoff als der Bayer. Dem durchzugsstärkeren Audi TT reichten 12,8 Liter Super Plus zum insgesamt flotteren Aufgalopp. Autobahnüberflüge mit 240 km/h laut Tacho sind im TT 3.2 locker drin, die Windgeräusche bei diesem Tempo immer noch erträglich. Im Opel GT geht es alles in allem eine Spur lauter und mit 229 km/h Vmax schlussendlich auch langsamer zu. So gesehen passt die größere Stimmgewalt des kernig-sonor klingenden V6-Roadsters also ins Bild: Der Audi TT hat im vorliegenden Vergleich das Sagen, der insgesamt enttäuschende US-Roadster das Nachsehen – auch wenn die Punktewertung auf Grund der numerischen Vorteile des Opel in Sachen Leistungsgewicht und Preis-Leistungsverhältnis eine andere Sprache spricht.

Technische Daten
Audi TT Roadster 3.2 QuattroOpel GT
Grundpreis44.450 €32.400 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4178 x 1842 x 1358 mm4100 x 1813 x 1274 mm
KofferraumvolumenVDA250 L157 L
Hubraum / Motor3189 cm³ / 6-Zylinder1998 cm³ / 4-Zylinder
Leistung184 kW / 250 PS (320 Nm)194 kW / 264 PS (353 Nm)
Höchstgeschwindigkeit250 km/h229 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h6,1 s5,7 s
Verbrauch10,4 L/100 km9,1 L/100 km
Testverbrauch12,8 L/100 km14,0 L/100 km
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