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B&B-Audi S3 und MTM-Audi S3 im Vergleichstest

Ein scharfer Hund lässt sich schwer tunen

B&B-Audi S3, MTM-Audi S3 Foto: Achim Hartmann 28 Bilder

Ein normaler Audi S3 ist nicht genug? Dann sollten die über 300 PS starken Varianten von B&B und MTM für Abhilfe sorgen. Ein Vergleichstest klärt, ob sie dazu im Stande sind.

01.03.2007 Powered by

Er ist der schärfste Hund unter seinesgleichen. Bissig, gierig, angriffslustig – gegen die tollwütige Ader eines Audi S3 ist in der Kompaktwagenklasse momentan kein Kraut gewachsen. Ob BMW 130i oder Mazda 3 MPS, die Kombination aus Allradantrieb und 265-Turbo-PS ist keiner in der Lage zu knacken. Trotz der verhältnismäßig speckigen 1.500 Kilogramm beißt sich die S3-Konkurrenz  am Power-Bayern die Zähne aus.

Die Tuner nehmen den Audi S3 gerne unter ihre Fittiche

Dankbares Frischfleisch also für die Tunergilde. Zumal sich der aufgeladene 2,0-Liter-Direkteinspritzer als fruchtbarer Boden zum Schürfen von Leistungsresourcen zeigt. Und als in weiten Teilen bekannte Größe aus VW Golf GTI oder Audi A3 obendrein. Also nichts wie hinein in die Untiefen der Motorelektronik, um herauszukitzeln, was aus solch leistungsfördernden Parametern wie beispielsweise Ladedruck und Einspritzmenge noch zu holen ist. Rund 15 Prozent liegen in der Elektronik noch verborgen, da sind sich die Motorengurus von B&B Automobiltechnik und Motoren Technik Mayer einig. Wobei sich Letzterer im vorliegenden Vergleichsfall zusätzlich noch die Freiheit erlaubt, das komplette Abgassystem des S3 über Bord zu werfen um dem Vierventiler die Pressatmung zu nehmen. Stattdessen schnaubt der Direkteinspritzer nun freier aus. Durch ein modifiziertes Vorrohr, einen Metallkatalysator sowie einen neuen Mittel- und Endschalldämpfer brüstet sich das MTM-Derivat mit einer Leistung von 330 PS und einem maximalen Drehmoment von 420 Newtonmeter. Reichlich Holz, das mit rund 4.500 Euro auch nicht gerade wenig Schotter kostet.

Dann vielleicht doch nur Stufe 1? Das reine Elektronik-Tuning lockt mit einem Preis von knapp 1.200 Euro. Im Falle des B&B-Audi zerren als Gegenleistung dann immerhin 306 PS und 410 Newtonmeter an den Zügeln. Angesichts der serienmäßigen 265 PS und 350 Nm zweifellos schon eine gehörige Portion Zusatz- Power, und das auch noch zu einem annehmbaren Preis. Für eine Hand voll Euro mehr legt aber auch der B&B-S3 noch einige Kohlen nach.

Der Schalldämpfer lässt den S3 klingen wie einen ganz Großen

Allerdings nur subjektiv. Denn der verbaute Endschalldämpfer ist nicht dazu angetan, maßgeblich auf die Leistungsabgabe einzuwirken, wohl aber, um die akustische Präsenz des Motors zu fördern. Denn für die aufgerufenen 1.198 Euro gibt‘s gehörig was auf die Ohren. Dieselben schlackern gewaltig und suggerieren: gehörte 400 Pferde. Was da aus zwei Endrohren am Heck nach vorne schwappt, scheint mit vier Zylindern, Turbolader und zwei Liter Hubraum nicht mehr viel zu tun zu haben. Derart frisiert pröttelt der S3 schon im Stand wie ein Großer. Stampft so dumpf wie ein mächtiger V8 quer durch die ganze Drehzahlskala, und faucht auch noch kurz vor dem Eintauchen in den roten Bereich ähnlich biestig wie ein ausgewachsenes World Rally Car. Zudem zwitschert der überschüssige Ladedruck beim Gangwechsel so fidel wie ein frisch geschlüpftes Küken. Klanglich liegt der B&B-Bolide also ganz weit vorn. Jedenfalls für diejenigen, die gern richtig auf die Pauke hauen. Denn der nicht von der Hand zu weisende Dröhnfaktor im mittleren Drehzahlbereich erfordert schon ein gewisses Maß an Loyalität. Vor allem bei konstanten Geschwindigkeiten auf der Autobahn.

Dem akustischen Feuerwerk der B&B-Bigband begegnet die MTM-Kombo geradezu wie eine Zweimann-Kapelle. Sie sorgt für angemessene Unterhaltung, spielt sonor und stimmig. Erhebt mit ansteigender Drehzahl progressiv den Ton, ist gegen die orchestrale Durchschlagskraft des direkten Konkurrenten aber machtlos. Dafür ist die komplett modifizierte Auspuffanlage des MTMS3 im Stande, bei der Leistungsentfaltung für ein höheres Maß an Harmonie zu sorgen. Ab 2.500 Touren kommt langsam aber sicher richtig Leben in die Bude. Der orange Bayer schiebt ohne Punkt und Komma an, quirlig bis knapp vor 7.000/min. Ein Turbo-Musterschüler, der sich nach dem Schaltvorgang nur den klitzekleinen Hauch einer Gedenksekunde gönnt, um sich wieder gierig in die Arbeit zu stürzen. Dem B&B-Triebwerk fehlen Nuancen um gleich zu ziehen. Sein Antritt ist ebenso Top, die Leistungsentfaltung gefällig, von der Drehfreude ganz zu schweigen. Jedoch ist nicht zu übersehen, dass die Leistungspausen nach dem Schalten größer ausfallen. Daran kann auch die Tatsache nichts ändern, dass die Schaltwegverkürzung die Reise durch die sechs Gänge zum absolut knackigen und freudvollen Genuss gestaltet. Aber lassen wir das Schalten erstmal außen vor und widmen uns dem Szenario, bei dem sich der B&B-Audi mit Messtechnik bewaffnet durchs Hockenheimer Motodrom brüllt.

Die Tuning-Boliden können sich vom Serien-S3 teilweise nur schwer absetzen

Bei den Elastizitätsmessungen verhärtet sich, was sich beim Test des Serien-S3 andeutete: Das Ding ging bestialisch. Denn die getunte Pretiose kann sich lediglich im fünften Gang von der Serie absetzen. Auch beim Sprint aus dem Stand herrscht zunächst Gleichstand. Was jedoch nur darin begründet liegt, dass der B&B-Audi schlecht aus den Startlöchern kommt. Beim schlagartigen Einkuppeln fällt die Drehzahl und somit die Leistung ab. Schon auf den ersten Metern geht wertvolle Zeit verloren. Aber zumindest bis Tempo 180 erarbeitet sich die Tuning-Version wieder einen Vorsprung von 1,4 Sekunden. Die MTM-Variante springt hingegen perfekt vom Fleck, setzt die gebotene Kraft optimal um, hetzt in 5,2 Sekunden auf 100 km/h und immerhin 3,2 Sekunden schneller auf 180 km/h als die Basis.

Der technische Mehraufwand zeigt also nachhaltig Wirkung, was auch auf der schnellen Runde auf dem Kleinen Kurs Niederschlag findet. Während der B&B-Audi exakt auf Serienniveau bleibt, hebt sich sein Sparringspartner um eine knappe Sekunde ab. Dabei kommt der MTM-Kreation natürlich die höhere Leistung zu Hilfe, was die jeweils gemessenen Topspeeds untermauern. Aber auch in den Ecken verliert der B&B, trotz identischer Reifendimension von 235/35-19. Ihm mangelt es an jener Einlenkpräzision, die der MTM in der Lage ist an den Tag zu legen. Dies mag einerseits an den etwas höher gewählten Sturzwerten liegen. Andererseits spielt auch, wie so oft, der Reifen eine maßgebliche Rolle. Und da sind die bei MTM aufgezogenen Michelin Pilot Sport2 die etwas bessere Wahl, als die Dunlop SP Sport Maxx des B&B. Während sich der eine angenehm neutral um die Ecken zirkeln lässt, verfällt der andere deutlich früher dem Untersteuern. Um diese These zu festigen, empfiehlt sich ein Blick auf die Slalomwerte. Der eine knallt mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 69,4 km/h durch den Hütchenwald. Der andere wedelt mit 66,9 km/h deutlich hinterher. Zudem bleibt die MTM-Version im Grenzbereich verlässlich, während sich der B&B-Vertreter beim Tanz um die Pylonen nicht so recht zwischen Unter- und Übersteuern zu entscheiden weiß.

Große Bremsanlagen allein bringen keine Verbesserung

Bei den offerierten Fahrwerksabstimmungen sind sich beide jedoch nahezu einig. An einer gehörigen sportlichen Härte mangelt es weder bei B&B noch bei MTM. Wenngleich zweiter auf kurze Querfugen sensibler anspricht. Ansonsten aber tiefer daher kommt und einen Hauch straffer wirkt. Und jene Härte ist es auch, die den Einsatz der bei beiden Kontrahenten verbauten Bremsanlagen ad absurdum führt. 380 Millimeter große Scheiben hier wie dort. Mächtige Achtkolben-Zangen, und dann? Keinerlei Verbesserung gegenüber der Serienbremse. Weder bei der ersten, noch bei der zehnten Verzögerung aus Tempo 100. Um die Leistung der riesigen Stopper mit den Fahrwerken in Einklang zu bringen, wäre wohl eine Überarbeitung der ABS-Systeme notwendig.

Am eklatantesten schlägt sich die fehlende Feinabstimmung nach dem schnellen Linksknick der Querspange nieder. Exakt in der darauf folgenden Anbremszone ist die Piste so wellig wie ein Waschbrett, was eine Kettenraktion in Gang setzt: Die Fahrwerke filtern zu wenig, das ABS regelt zu stark, die Verzögerung fällt mau aus. Verlässlich sind beide Stopper. Daran gibt es nichts zu rütteln. Aber mit Preisen von 3.000 Euro (B&B) beziehungsweise 4.000 Euro (MTM), stellt sich dann doch die Frage nach deren Sinnhaftigkeit. Im Umkehrschluss bestätigt sich die eingangs erwähnte Sachlage, dass der Serien-S3 bereits ein derart scharfer Hund ist, dessen Verbesserung einen deutlich höheren Aufwand bedarf, als nur mal eben in die Niederungen der Motorelektronik abzutauchen.

Technische Daten
MTM S3B&B Audi S3
Grundpreis55.300 €51.900 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4214 x 1765 x 1399 mm4214 x 1765 x 1399 mm
KofferraumvolumenVDA281 bis 1031 L281 bis 1031 L
Hubraum / Motor1984 cm³ / 4-Zylinder1984 cm³ / 4-Zylinder
Leistung243 kW / 330 PS (420 Nm)225 kW / 306 PS (410 Nm)
Höchstgeschwindigkeit264 km/h278 km/h
Verbrauch9,1 L/100 km9,1 L/100 km
Testverbrauch12,1 L/100 km11,9 L/100 km
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