BMW 118i Cabrio vs. Mini Cooper S Cabrio

Zwei Cabrios aus dem BMW-Konzern im Vergleichstest

BMW 118i Cabrio, Mini Cooper S Cabrio

Vier Plätze an der Sonne plus beschwingte Agilität für knapp 30.000 Euro gibt es bei BMW im Doppelpack: als offener 1er mit Basismotor oder als kleineres, aber stärkeres Mini Cooper S Cabrio. Zwei ungleiche Brüder.

Okay, man muss sie mögen, diese Farbe. Wer keine reife Limone ist und sie trotzdem zur Schau trägt, verdient einen Preis für Zivilcourage. Auch das dicke schwarze Make-up des Mini erfordert eine gefestigte Persönlichkeit. Sie muss zwar nicht unbedingt hübsch, weiblich und unter 30 sein, um so viel Aufmerksamkeit verkraften zu können, aber es hilft ungemein. Allen anderen bleibt nur, den Farbnamen "Interchange Yellow" wörtlich zu nehmen und einen dezenteren Ton zu wählen - oder von vornherein ein anderes Oben-ohne-Modell. Das BMW 1er Cabrio aus demselben Hause zum Beispiel. Als Basistyp 118i für 29.250 Euro fängt es etwa da an, wo der kleine Bruder in der offenen Cooper S-Version (26.500 Euro) aufhört.

BMW und Mini nähern sich nicht an

Trotz gleicher Herkunft und Preisklasse treffen damit zwei Welten aufeinander: Hier der knuffige, quirlige Fronttriebler mit 175 PS starkem Turbo- Vierzylinder, dort der fünf Zentner schwerere Hecktriebler mit seinem Zweiliter-Sauger und 143 PS. Selbst der einheitliche Verzicht auf ein versenkbares Metallklappdach sorgt da nicht wirklich für Annäherung.

Mit 65 Zentimeter mehr Länge und Stufenheck wirkt der BMW gestreckter und eleganter, das Stoffverdeck unterstreicht die klassischen Proportionen. Dafür bietet der Mini die Möglichkeit, die Gewebekapuze zunächst nur vorne wie ein Schiebedach zu öffnen, bevor sie sich hinter den Rücksitzen zusammenfaltet. Die zwei Etappen verlängern jedoch die Prozedur, während die Textilhaut beim Einser auf Knopfdruck vollautomatisch in einem Rutsch unter der festen Klappe verschwindet - und das bis knapp 50 statt 30 km/h.

Schlechte Rück-Sicht im Mini Cabrio

Ihr völliges Abtauchen verbessert neben der Ästhetik besonders die Rück-Sicht, die beim Briten zusätzlich von den Überrollbügeln behindert wird. In geschlossenem Zustand ist der Blick nach hinten wegen der breiten seitlichen Stoffbahnen und des stark verschmutzenden Heckfensters dann vollends dahin. Naturgemäß fallen auch Kofferraum (125 bis 170 Liter) und Ladeluke wirklich mini aus, aber die geteilt umklappbare Rücksitzlehne und das zum Beladen anhebbare Dach erleichtern zumindest die Nutzung.

Zumal die beiden Fondplätze eher für weiteres Gepäck als für Erwachsene taugen. Kaum Beinfreiheit, sehr steile Lehnen und kurze Kopfstützen laden noch weniger zum Verweilen ein als im BMW 1er Cabrio, der insgesamt luftiger geschnitten, aber ebenfalls kein vollwertiger Viersitzer ist. Und während hinten stets die Elemente toben, lässt sich der Luftstrom in der ersten Reihe per Seitenscheiben und optionalem Windschott jeweils feinfühlig dosieren.

Der Mini zeigt sich etwas lebhafter

Hinter der steilen, weit entfernten Frontscheibe des Mini Cooper Cabrio geht es jedoch immer etwas turbulenter zu, was durchaus als Hinweis auf sein lebhafteres Wesen verstanden werden darf. Wer sich gerne von Designgags wie den beiden Kippschalterleisten oder dem überfrachteten Zentraltacho unterhalten und auf Entdeckungsreise nach versteckten Funktionen schicken lässt, bekommt hier ein erfrischendes Kontrastprogramm zum Gewöhnlichen. Bedienlogik und klare Informationen müssen sich allerdings ebenso dem allgegenwärtigen Spieltrieb unterordnen wie der teils billige Materialmix. Zudem knistert es auf holprigen Pisten hörbar im Gebälk - anders als im 1er, der bereits bei der Cockpitgestaltung zu erkennen gibt, dass er Ruhe als erste Bürgerpflicht erachtet.

BMW 1er mit hohem Kraftstoffverbrauch

So wird der Fahrer schonend darauf eingestimmt, was er vom müden Zweiliter- Benziner mit Direkteinspritzung zu erwarten hat. Wenn 143 PS und 190 Nm Drehmoment bei 4.250/min mit einem Leergewicht von 1.540 Kilogramm in den Clinch gehen, steht das markentypische Temperamentsversprechen als Verlierer fest. Trotz Start- Stopp-Automatik und Bremsenergie- Rückgewinnung verfehlt der Testverbrauch ebenso klar die Werksangabe (9,9 statt 6,6 L/100 km). Nur wenn es cabriotypisch ganz entspannt zugeht, reichen weniger als sieben Liter aus.

Mit ähnlicher Spritspartechnik lässt sich das fröhlich laderpfeifende Mini Cooper S Cabrio nicht nur genügsamer, sondern auch deutlich spritziger bewegen. Zwischenspurts und Überholmanöver absolviert er dank der um Klassen besseren Elastizität seines 1,6-Liter-Turbomotors meist in weniger als halber Zeit, und beim Druck auf die Sporttaste jubelt der kultivierte, drehfreudige Vierventiler noch spontaner in lichte Höhen. Zudem geht hier der Wechsel der sechs gut gestuften Gänge eine Spur leichter von der Hand.

Allerdings kann der Mini nie verhehlen, dass seine Kräfte auf die Vorderräder einwirken. Schon beim forschen Beschleunigen auf gerader Strecke zerrt es in der sehr direkten Lenkung - erst recht natürlich in Kurven, wo sich seine Kopflastigkeit (61 Prozent) in dezentem Untersteuern bemerkbar macht. Er will eben am festeren Zügel geführt werden, entschädigt dafür aber mit animierender Leichtfüßigkeit und Agilität, die sich schon wegen seines spät eingreifenden ESP auch in erheblich schnelleren Zeiten bei den Fahrdynamiktests niederschlägt.

Beide Cabrios liegen gut

Da wirkt der Hecktriebler aus dem Mutterhaus vergleichsweise träge und gesetzt, behelligt den Fahrer indes weder mit traktionssuchendem Scharren noch mit Antriebseinflüssen in der vorbildlich präzisen Lenkung. Zum kleinen Plus an Beherrschbarkeit kommen ein paar Punkte für die etwas bessere Sicherheitsausstattung (aktive Kopfstützen, Fernlichtassistent etc.), die er mit seiner schwächeren Verzögerung sowie dem nervöseren Bremsverhalten auf μ-split gleich wieder verspielt. Trotzdem: Unabhängig von ihrem unterschiedlichen Konzept handelt es sich bei beiden um sehr gut liegende, selbst in kritischen Situationen problemlose Autos.

Die Preise sind alles andere als mini

Im Fahrkomfort profitiert der BMW 1er naturgemäß von längerem Radstand, höherem Gewicht und seiner weicheren Federung, die sogar grobe Stöße willig kassiert. Zudem halten sich Karosserie und Wind akustisch stärker zurück, obwohl der Mini Cooper mit seinem leiseren Motor tendenziell niedrigere Messwerte vorweisen kann. Angesichts dessen straffer, aber keinesfalls übertrieben harter Abstimmung muss man nicht einmal um die Bandscheiben fürchten. Eher schon um die finanziellen Reserven, denn bekanntlich sind auch beim Kleinsten im BMW-Konzern die Preise alles andere als mini.

Seiner Verbreitung hat das bislang kaum geschadet, und dank seiner Charakterstärke dürfte daran zumindest die schwächste Version des seriösen, insgesamt erwachseneren BMW 1er Cabrios wenig ändern. Es empfiehlt sich als zivile, entspannte Alternative für abgeklärte Genießer, während der stürmische britische Wadenbeißer vorwiegend bei Lifestyle-Jüngern punktet. Gut möglich, dass sich aber auch reifere Jahrgänge von diesem Temperamentsbündel mitreißen lassen.

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Bernd Stegemann

Autor:

auto motor und sport, Heft 11 / 2009

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