BMW 120i gegen VW Golf 2.0 FSI: Kontrastmittel

BMW macht Jagd auf die Kompaktklasse. Zur Klärung der Sachlage tritt der neue Einser mit Zweiliter-Vierzylinder-Motor und 150 PS gegen den gleich starken Bestseller von VW an, der von einem Benzindirekteinspritzer angetrieben wird.

Alles hat einmal ein Ende, selbst die Treue der Golf-Käufer. Und kaum ein Neuzugang in der Golf-Klasse schürt die Lust auf Abwechslung so sehr wie der Einser von BMW. Hauptgrund: Er nimmt für sich in Anspruch, kein Langweiler zu sein. Was könnte verführerischer klingen? Doch wenn Gelüste lodern, kommt der Verstand leicht unter die Räder. Aber das macht es für den Golf nicht leichter. Sind Golf- Besitzer also gut beraten, der Versuchung nachzugeben? Zur Klärung der Sachlage stellt sich Deutschlands Bestseller dem 120i, wobei als BMWkompatible Variante der Golf 2.0 FSI Sportline das Duell ausficht.

Seinen ersten Treffer landet er bereits beim Vergleich der Basispreise: In viertüriger Ausführung kommt der VW auf 21 975 Euro, für den BMW muss man 1625 Euro mehr hinblättern. Das sind immerhin 25 Tankfüllungen. Dabei beschränkt sich die Serienausstattungen in beiden Fällen auf das in dieser Klasse übliche Minimum. Annehmlichkeiten wie Radios oder auch nur eine Höhenverstellung für den Beifahrersitz werden gesondert berechnet. Das gilt im Prinzip auch für die Klimaanlage: Dass VW zur Zeit keinen Aufpreis verlangt, sollte der Kunde zunächst als Jubiläumsgeschenk verstehen (30 Jahre Golf).

Beide Kontrahenten bieten den gleichen Hubraum (zwei Liter), gleiche Leistung (150 PS) und gleiches Drehmoment (200 Nm) – kein Plus für BMW. Um so größer der sichtbare Unterschied: Neben dem Golf kommt einem der fünf Zentimeter flachere Einser wie ein Coupé vor. Der Eindruck verstärkt sich im Innenraum. Wer hinten Platz nehmen muss, ist im BMW arm dran. Zur artgerechten Unterbringung ausgewachsener Menschen ist der Einser-Fond nicht geschaffen. Aber auch im vorderen Teil der Fahrgastzelle ist es eng. Dafür erwartet den Fahrer auf schmalen, aber bequemen Polstern eine vorzügliche Sitzposition, und so fühlt man sich doch gut aufgehoben.

Angenehm: Anders als beim Golf befindet sich die BMW-Haube im Blickfeld. Den entscheidenden Vorteil des Golf vermag dies aber nicht zu schmälern: Wer mit dem Gedanken spielt, längere Fahrten mit mehr als zwei Erwachsenen zu unternehmen, sollte den Einser besser vergessen. Verglichen mit den Sitzen des BMW kommt sich der Fahrgast im rückwärtigen Abteil des Golf vor wie erster Klasse im Jumbo. Auch vorn ist mehr Luft, man sitzt höher, aber bequem, und die Sitze lassen sich leichter verstellen. Viel mehr Gepäck darf man aber auch nicht mitnehmen.

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Wolfgang König

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