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Der AC Schnitzer ACS1 3.5i gegen den BMW 135i Performance

Bayrisches Werkstuning gegen externe Spezialbehandlung

Foto: Frank Herzog 20 Bilder

Tuning macht Schule. Mit der Performance-Linie steigt BMW ins sportliche Nachrüstgeschäft ein. Der werksgedopte 135i stellt sich dem Establishment – dem ACS1 3.5i von AC Schnitzer.

14.08.2008 Jochen Übler Powered by

Nicht etwa, dass diese Beziehung von einem steten Hauen und Stechen geprägt wäre. Mehr von einem Sticheln, teils einem Belauern – im Extremfall wirft der Große dem vermeintlich Kleinen zuweilen dann aber doch einen Knüppel zwischen die Beine. Es ist eben ganz wie im richtigen Leben, dieses spezielle Verhältnis zwischen den Tunern und den Herstellern. Eine Beziehung jedenfalls mit Brisanz, die sich im Fall von BMW von teilweisem Miteinander nun zum direkten Gegeneinander zuspitzt.

Duell der Mittelgewichtsklasse

BMW Performance lautet die Parole, mit der die Bajuwaren der Tuner-Szene kompromisslos den Kampf ansagen. Und zwar in Form von Tuningkomponenten reinsten Wassers. Von wegen sportlich angehauchtes Zubehör oder vorkonfiguriertes M-Paket als Ausstattungslinien für den Neuwagen. Es dreht sich um vielschichtige und geradezu liebevoll arrangierte Komponenten als individuelle Nachrüstkost. Zunächst wird sie für die Einser- und Dreier-Reihe angeboten, weitere Portionen könnten sicherlich folgen. Womit der Stein beim direkten Schlagabtausch zwischen Hersteller und Tuner zunächst also erstmal langsam ins Rollen kommt. Aber er nimmt immerhin genug Fahrt auf, um den Ring freizugeben für das direkte Duell BMW Performance gegen AC Schnitzer in der Mittelgewichtsklasse BMW 135i Coupé.

Die erste Runde beginnt zaghaft, mit einem gegenseitigen Abtasten. Wenngleich die Kontrahenten beim Muskelspiel in die Vollen gehen. Optische Raffinessen, aerodynamische Feinheiten sind hüben wie drüben en masse vorhanden. Der Schnitzer-Einser, alias ACS1 3.5i, verfolgt die Taktik, beim serienmäßigen M-Paket zusätzliche Akzente zu setzen. Im Heckbereich in Form eines eleganten Schürzeneinsatzes. Vorn geht‘s mit den wuchtigen Spoilerecken etwas rustikaler zur Sache. Das optische Imponiergehabe endet mit einem dezenten Dachflügel und einem filigran aufgesetzten, weit nach hinten hinausstehenden Heckspoiler. Dem Schnitzer-BMW ist die nachträgliche Muskelbildung also unweigerlich anzusehen, während der Performance-135i mehr wie aus einem Guss wirkt. Seine Muskelfasern muten feingliedriger an. Mit einer neuen Frontschürze, unter der zarte Spoilerecken aus Kohlefaser hervorspitzen.

Entscheidung des persönlichen Geschmacks

Die Taille zieren Seitenschweller mit einem angedeuteten Lufteinlass. Und der Hintern ist zum Anbeißen. Mit einer schicken Heckblende und einem ebenso brillant in die Linienführung integrierten Heckbürzel – beides aus Kohlefaser, versteht sich. Der Sieger in Runde eins? Eine Entscheidung des persönlichen Geschmacks. Ebenso wie die Vorlieben bei den feilgebotenen Felgendesigns. Wenngleich sich der Performance-Einser mit der auch in der Serie angebotenen 18-Zoll-Mischbereifung begnügt, während der Schnitzer-Schüler auf 19-Zöllern steht und rundum mit 225 Millimeter breiten Sohlen bestückt ist. Womit sich schon ein kleiner Hinweis darauf abzeichnet, dass sich der ACS1 3.5i fahrdynamisch einiges vorgenommen hat. Runde zwei: die inneren Werte. Auch hier sind die Trainingsmethoden ähnlicher Natur – hier wie dort perfekt verarbeitete Kohlefaser-Applikationen am Instrumentenbrett und den Türen. Zudem gleitet die vordere Besatzung in identische Sportsitze, die ihrem Namen alle Ehre machen.

Fast schon Rennschalen ähnelnd verdienen sich die Recaros in puncto Ergonomie und Seitenhalt absolute Bestnoten. Die Schnitzer-Besatzung bettet sich in Vollbelederung, die Performance-Crew teils in Alcantara, was die großen preislichen Unterschiede zumindest im Ansatz erklärt. Was hingegen unaufgeklärt bleibt, ist die zu hohe Sitzposition im Performance- BMW. Eine Möglichkeit zur manuellen Höhenverstellung fand sich auch nach eingehender Begutachtung nicht. Hingegen überzeugt das Performance-Lenkrad mit feinen Gimmicks wie einer griffigen Wildlederbespannung und zwei im oberen Lenkradkranz verlaufenden, frei zu programmierenden Schaltblitzen. Dazwischen funkelt ein kleines Display, das die Motortemperaturen anzeigt, eine Stoppuhrfunktion bietet und sogar die Längs- und Querbeschleunigungswerte einblendet. Obwohl Letztere bei beherzter Gangart schwer abzulesen sind. Schließlich dreht man in Kurven am Lenkrad und somit auch irgendwann die Anzeige aus dem Blickfeld. Trotzdem ein schönes Spielzeug. So, wie auch der schicke, in Wildleder gefasste Schalthebel eines ist.

Wahre Stärken des AC Schnitzer

Stummelartig spitzt er aus dem Mitteltunnel, rastet aufgrund der Schaltwegverkürzung auf kleinsten Wegen knackig ein. Was im Endeffekt dazu führt, dass die Innenraumwertung ans Werkstuning geht. Zwar ist auch das extrem aufgepolsterte Schnitzer-Volant schön anzusehen, liegt aber nicht so gut in der Hand. Die Schaltwege im ACS1 3.5i sind serienmäßig, andererseits gibt‘s eine schicke Pedalerie und einen feinen Handbremsgriff. Aber Schluss nun mit dem Vorgeplänkel. Derartige Schönheits-Accessoires haben ihren Reiz, doch keinen fahrdynamischen Tiefgang. Sie sind ein nettes Pflichtprogramm zur nachfolgenden Kür, die lautstark angekündigt wird. Am prägnantesten gar vom Performance-Derivat. Aus dessen Doppel-Endrohren entspringt vom ersten Zündfunken an ein garstiges Bellen, das erst mit dem letzten Zündfunken wieder verstummt. So viel Stimmgewalt hätte man dem weißen Schönling gar nicht zugetraut.

Ob tiefes Grummeln im Drehzahlkeller oder frivoles Reihen- Sechser-Geschrei im Orbit von über 6.000 Touren – der Performance-Einser beherrscht die Soundpartitur perfekt. Dagegen flacht sogar die grundsätzlich sonore Stimmlage des AC Schnitzer-Endtopfs ab. Beeindrucken lässt sich der Wagen aus Aachen davon jedoch nicht. Er weiß um seine wahren Stärken – und die liegen zunächst in einer motorischen Kraft, die einem die Freudentränen ins Gesicht treibt. Zweifellos wuchten den 135i schon die serienmäßigen 306 PS und 400 Newtonmeter vehement nach vorn. Was die Schnitzer‘schen 360 Pferde und 500 Nm anstellen können, hat dann allerdings fast schon etwas Böses an sich. In 4,8 Sekunden sind 100, in 17,7 Sekunden 200 km/h passé. Das Ding geht wie der Leibhaftige, das kleine Turboloch sei ihm verziehen. In Anbetracht der Leistungsunterschiede war selbstredend von vornherein klar, dass der ACS1 3.5i die Serie längsdynamisch in den Schatten stellt. Jedoch gibt es noch weitere Tugenden, als lediglich stürmisch geradeaus. Die negative Beschleunigung zum Beispiel, die ebenso zu einem allumfassenden Tuningprogramm gehört. Diesbezüglich vertraut AC Schnitzer auf den Einsatz spezieller Bremsbeläge.

Performance-135i hält seine Treue

Zwar leidet dabei etwas der Komfort, was sich beim leichten Verzögern in Quietschgeräuschen ausdrückt. Andererseits spricht die Bremse präziser und schneller an. Beim ersten Stopp aus Tempo 100 hat der Schnitzer-BMW dann auch entsprechend die Niere vorn. Bei warmer Anlage schlägt der Performance-Einser jedoch gekonnt zurück. Ihn zieren die Standard-Bremskomponenten bis auf die Ausnahme gelochter Nachrüst-Scheiben an der Vorderachse, die sich thermisch belastbarer zeigen. Denn sowohl bei der zehnten Vollbremsung aus 100 km/h als auch beim Verzögern aus 200 km/h liefert der Herausforderer doch tatsächlich die besseren Verzögerungswerte. Eine Niederlage, die der Schnitzer-Einser nicht auf sich sitzen lässt. In der letzten Runde mobilisiert er nochmal seine Kräfte. In einem Metier, auf das er speziell abgerichtet wurde – auf fahrdynamische Höchstleistungen. Und so deklassiert er den Performance-Einser auf dem Kleinen Kurs um über 1,5 Sekunden. Begründet teilweise durch seine Mehrleistung, aber auch durch die aufwendigen Modifikationen am Fahrwerk.

Direkt und spitz lenkt er ein, neutral bis leicht übersteuernd tanzt er im Grenzbereich. Er ist eine exzellente Fahrmaschine, die aber eine kundige Hand verlangt. Während der Performance-135i im Grenzbereich der Serie die Treue hält. Er schiebt tendenziell über die Vorderachse und bleibt trotz leicht nachgeschärften Federn und Stabilisatoren zeitlich auf unverändertem Niveau. Im 18-Meter-Slalom ist das konservative Fahrwerks-Setup dann aber hilfeich, um leichter, sicherer und schlussendlich schneller auf Kurs zu bleiben. Von einer übertriebenen Härte bezüglich der Fahrwerksänderungen kann hier wie dort jedoch nicht die Rede sein. Was hingegen deutlich härter wird, das beweist der erste direkte Schlagabtausch zwischen Hersteller und Tuner unmissverständlich, sind die Bandagen, mit denen gekämpft wird. Dies gilt auch – oder besser gesagt – erst recht für die Zukunft: Schließlich wird sogar von geplanten Leistungssteigerungen bei BMW Performance gemunkelt.

Technische Daten
AC Schnitzer ACS1 3.5iBMW 135i Coupé
Grundpreis74.960 €62.408 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4360 x 1748 x 1408 mm4360 x 1748 x 1408 mm
KofferraumvolumenVDA370 L370 L
Hubraum / Motor2979 cm³ / 6-Zylinder2979 cm³ / 6-Zylinder
Leistung265 kW / 360 PS (520 Nm)225 kW / 306 PS (400 Nm)
Höchstgeschwindigkeit294 km/h250 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h5,3 s
Verbrauch9,2 L/100 km9,2 L/100 km
Testverbrauch13,2 L/100 km13,2 L/100 km
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