BMW 316d und Mercedes C 180 CDI im Test

Duell der Basis-Diesel

BMW 316d, Mercedes C 180 CDI, Seitenansicht

Wie gut lässt es sich mit den Basis-Dieselmotoren in BMW Dreier und Mercedes C-Klasse leben? Mit 116 und 120 PS nahezu gleich stark, überraschen beide Kandidaten mit ihren feinen Unterschieden.

Das Duell ist so alt wie die beiden Mittelklasse-Baureihen: BMW gegen Mercedes, 3er-Reihe gegen C-Klasse, Propeller gegen den Stern. Doch bleibt die Entwicklung ja nicht stehen, und nie ist alles über eine aktuelle Test-Paarung gesagt.

Die Basismotorisierung der bayerischen Diesel-Limousine besteht aus einem aufgeladenen Zweiliter-Vierzylinder, der 116 PS bei 4.000/min mobilisiert und sein maximales Drehmoment von 260 Newtonmeter bei 1.750/min erreicht. Der schwäbische Konkurrent wohnt im Hochhaus der Drehzahlen bildlich gesprochen eine Etage tiefer. Schon bei 1.400/min liegen 300 Newtonmeter Drehmoment an, und für die Höchstleistung lässt sich der Common-Rail-Turbodiesel nicht lange bitten: Seine 120 PS leistet der 2,1-Liter-Vierzylinder im C 180 CDI bei 2800/min.

Mercedes C180 CDI mit besseren Fahrleistungen

Während der BMW-Motor im Fahrbetrieb etwas drehfreudiger und agiler wirkt, überzeugt der Mercedes-Antrieb gemäß der Weisheit: In der Ruhe liegt die Kraft. Auf dem Dragstrip der Beschleunigungsmessung wartet dann die erste Überraschung: Die Standarddisziplin, aus dem Stand auf 100 km/h zu sprinten, erledigt der Mercedes mit 9,9 Sekunden eine halbe Sekunde hurtiger als der immerhin rund 100 Kilogramm leichtere BMW. Den Stuttgarter Antriebsspezialisten ist es damit offenbar gut gelungen, die Übersetzungen der Drehmomentkurve des Motors anzupassen.

Als zweite wichtige Kategorie bei der Auto-Diskussion am Stammtisch gilt die Höchstgeschwindigkeit. Beide Limousinen verfügen über den gleichen niedrigen cW-Wert von 0,26, aber da der BMW mit 2,2 Quadratmetern ein wenig mehr Stirnfläche aufweist als der Rivale, spricht die Theorie eher für einen Mercedes-Erfolg, auch in Anbetracht der vier zusätzlichen Pferdestärken. Die Werte passen: 202 km/h für den 3er, 208 km/h für die C-Klasse.

Geht es freilich um den Verbrauch, liegt der BMW trotz seiner größeren Stirnfläche mit 6,5 Litern auf 100 Kilometer wieder vorn; der zusätzliche Doppelzentner Gewicht fordert bei der C-Klasse seinen Tribut, der einen zusätzlichen Aufguss von 0,4 Liter für die gleiche Distanz nötig macht.

Laufruhig sind beide Diesel

Volle Punktzahl heimsen die Limousinen im Fach Reichweite ein: Mehr als 800 Kilometer sind bei beiden mit einer Tankfüllung drin. Bleiben die haarscharfen Messwerte einmal außen vor, erstaunen und erfreuen die gebotenen Qualitäten der jeweils kleinsten Selbstzünder im Angebot der Baureihen.

Dass unter den Hauben Selbstzünder arbeiten, vermögen beide nicht zu verbergen, jedoch gehen die Geräusche sowohl außen als auch im Inneren keinesfalls auf die Nerven. In kaltem Zustand produziert der BMW bei niedrigen Drehzahlen ein leichtes Scheppern, das ein wenig an die Kolbenkipper früher Käfer-Generationen erinnert. Der Mercedes C-Klasse-Diesel räuspert sich beim Beschleunigen nach dem Verlassen der Dörfer zwar durchaus vernehmlich, aber nicht lästig. Das leichte Ruckeln kann dem Vierzylinder nachgesehen werden. Auf der kurzen Liste mit den Minuspunkten notierten die Mercedes-Fahrer allein an den vorderen Türen störende Windgeräusche.

Beide Motoren versahen ihren Dienst arbeitsfreudig und mit solch einer angenehmen Unauffälligkeit, dass ein Griff zur Preisliste die Frage aufkommen lässt, ob es denn überhaupt die nächststärkere Version sein muss. Bei BMW kosten 27 zusätzliche PS im 318d exakt 2.000 Euro mehr, bei Mercedes beträgt der 16-PS-Zuwachs im C 200 CDI immerhin noch rund 1.900 Euro. Kompetente Sozialpartner sind in jedem Fall schon die beiden kleineren Aggregate.

Knapper Punktvorsprung für den BMW 316d

Und die übrigen Eigenschaften? BMW versteht sich auch im 3er  auf eine hochpräzise und messerscharf reagierende Lenkung, der Mercedes lässt es beim Richtungswechsel etwas mittelbarer angehen. Das Sechsgang-Getriebe schaltet sich im BMW mit etwas kürzeren Wegen und einer strammeren Rastung. Auch ist im 3er das Raumgefühl eine Nuance besser als im Mercedes, der etwa auf den hinteren Plätzen weniger Fußraum bietet. Der Tachometer ist in der C-Klasse bei Tag schlechter ablesbar, und die Schalter- und Hebelanordnung im Mercedes kann ebenfalls verwirren: Statt des Blinkers ist rasch der Tempomat erwischt.

Obwohl der 316d nach Punkten knapp vorne liegt, schlägt sich der Mercedes C 180 CDI fabelhaft: Immerhin ist der 3er im letzten Jahr als F30 neu erschienen, wogegen die aktuelle Mercedes C-Klasse schon auf das Jahr 2007 zurückgeht. So gesehen sitzt der Mercedes dem BMW überraschend dicht auf den Fersen.

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Malte Jürgens

Autor:

auto motor und sport, Heft 05 / 2013

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