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BMW 325 Ci Cabrio gegen Volvo C70 T5

Blech-Lawine

Foto: Hans-Dieter Seufert 25 Bilder

Nach dem Volvo-Cabrio hat das Metall-Klappdach auch den BMW Dreier erwischt. Sind die Viersitzer C70 T5 und 325i nun besonders cool oder bloß lauwarmer Mainstream?

17.08.2007 Jörn Thomas

Die Winter am Volvo-Stammsitz Göteborg sind eher mild. Was die Schweden aber nicht davon abhält, ihrem Cabrio C70 einen Schlüssel zu verpassen, der mit seinem Plastik-Bart eine 1a-Standheizungs- Fernbedienung abgäbe. Immerhin kann der schwarze Knubbel eine pfützendetektierende Umfeld-Beleuchtung im Außenspiegel aktivieren – sinnvoll angesichts von 70 Zentimeter Jahres-Niederschlag im Norden. Das 3er-Cabrio von BMW muss ohne diese Galanterie auskommen. Dafür kann sein Schlüssel gegen Aufpreis den Dachteil-Strip befehlen, der ansonsten wie beim Volvo auf Knopfdruck beziehungsweise -zug im Innenraum beginnt. Grundsätzlich nur im Stand und mit Geduld, denn während die Choreographie aus Pumpen, Hydraulik-Zylindern und Scharnieren im BMW beim Öffnen nach 22 Sekunden, beim Schließen nach 23 Sekunden erledigt ist, dauert die Nummer im Volvo zähe 30 Sekunden.
Genug Zeit also, um sich Gedanken über die verwirrend ingenieusen Konstruktionen zu machen. Und darüber, ob so ein dreiteiliges Blechdach wirklich schicker sitzt als die knackigen Stoffe, die bei den Vorgängern noch üblich waren. Schließlich kann man bei manchen zeitgenössischen Cabrio-Coupés Front und Heck nur durch die Lage des Auspuffs einwandfrei identifizieren. In unserem Fall allerdings nicht: BMW und Volvo erfüllen ihre Rolle als Stil-Hybriden. Der Dreier pflegt sogar den klassischen Hofmeister-Knick in der C-Säule. Ebenfalls kein Thema ist der stramme Sitz der Innenhimmel. Sie spannen dank spezieller Seile wie eine badewannengestraffte Jeans über dem Hintern von Jennifer Lopez.
Die verlängerten Rücken der Insassen sinken beim 45 480 Euro teuren C70-Topmodell T5 Summum in weiche Polster mit glattem Lederbezug. Auch beim Interieur bleiben sich die Nordmänner treu, garnieren den großzügig verteilten dunkelgrauen Kunststoff mit einer silbernen Mittelkonsole. Das BMW-Interieur ist nicht nur knisterfreier verarbeitet, sondern wirkt auch einen Tick hochwertiger. Die Sportsitze packen mit ihren verstellbaren Wangen fester zu, kosten aber extra. Klima- und Stereoanlage sowie Xenonlicht bringt der 45 400 Euro teure 325i serienmäßig mit, während der C70 in der Topversion überdies Nettigkeiten wie Klimaautomatik, Lederpolster, Tempomat und Einparkhilfe besitzt. Beim weiteren Aufrüstungs- Angebot ist der Dreier wieder vorn: Ob Abstandsregeltempomat oder Fernlichtassistent – nach oben sind kaum Grenzen gesetzt.

Doch bereits die Basis passt.

Agil und spurtreu zugleich, folgt der Dreier Befehlen durch die feinfühlige Servolenkung. Im Gegensatz zum elektrohydraulischen Pendant des Volvo: Richtungsänderungen am großen Lenkrad verlangen zwar wenig Kraftaufwand, dafür missfallen die indifferente Mittellage und das synthetische Gefühl. Auf kurvigen Strecken möchte man lieber Passagier als Fahrer sein und ausschließlich die wiegende Federung genießen. Willig kassiert sie kurze und mittlere Unebenheiten, kapituliert erst bei fiesen Brechern. Im Gegenzug fährt der von Antriebseinflüssen gepiesackte C70 schon auf der Geraden Schlangenlinien, folgt jeder Anregung. Mit Schmackes bewegt, wirkt er wie ein zappeliger Power- Fronttriebler aus längst vergangenen Zeiten.
Anders der heckgetriebene BMW: Er nutzt seinen Konzeptvorteil und lässt dem Volvo keine Chance. Bis auf ein holziges Abrollen auf kurzen Unebenheiten (Runflat-Reifen) gibt er sich beim Cruisen charmant, beim Sporteln entschlossen. Lenkradzerrende Antriebseinflüsse kennen 325i -Besitzer nur von Fronttriebler-Stammtischen. Auch die Sorge, einen starken Dreier mit ausbrechendem Heck rückwärts in die Planke zu setzen, ist dank der Elektronik längst passé. Das DSC gibt dem Piloten Leine bis hin zum smarten Driftansatz, bremst ihn erst dann sanft und sicher ein.

Mensch und Maschine werden schnell eins, der Fahrer zum Piloten – wozu auch der Reihensechszylinder beiträgt. Obwohl die Typenbezeichnung auf einen 2,5-Liter-Motor schließen lässt, hat das 325i Cabrio einen 218 PS starken Dreiliter mit Alu-Magnesium- Gehäuse und Direkteinspritzung. Letztere injiziert das Super Plus mit hohem Druck direkt in den Brennraum und erzeugt dabei eine spezielle Gaswolke, die den sparsamen Magerbetrieb ermöglicht. Effizienz ohne Verzicht, wie der günstige Testverbrauch von zehn L/100 km und eine gleichmäßige Leistungsentfaltung bis zum 7000/min-Limit beweisen. Mit Höhen und Tiefen – Der C70-Motor hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck, denn der 2,5 Liter große Turbo- Fünfzylinder des T5 ist mit durchschnittlich 12,2 L/100 km zwar durstig, hängt sich aber schon bei niedrigen Drehzahlen richtig rein. Seine milde Aufladung ermöglicht eine bekömmliche Drehmomententfaltung bei gedämpft-brodelnder Geräuschkulisse. Hypnotisches Pfeifen oder Abblas-Zwitschern überlässt er jedenfalls anderen – und das kultivierte Erklimmen der Drehzahlleiter dem frei saugenden BMW.

Fahrdynamisch lässt der BMW dem Volvo keine Chance

Aber an Bord viersitziger Cabrios möchte man ja nicht primär am roten Bereich kratzen, sondern unter blauem Himmel flanieren. Schade, dass dabei die stabil gebauten Frontscheibenrahmen – vor allem beim Volvo – etwas im Weg stehen. Effektive Frischluftzufuhr liefern jedoch beide. Von wild bei heruntergelassenen Fenstern über mild bei heraufgefahrenen bis still bei zusätzlichem Windschott-Einsatz. Damit ist sogar zackiges Autobahntempo angenehm. Jedenfalls für die Vornsitzenden, denn im Fond tobt der Orkan. Dabei sind die Möbel dort ganz kuschelig, selbst wenn Größergewachsenen der Beinraum ausgeht. Noch weniger Platz bieten allerdings die Kofferräume bei geöffnetem Dach. Wegen der dort abgelegten Dachteile passen nur rund 200 Liter hinter die briefschlitzartigen Öffnungen.

Daran kann auch das elektrische Anheben der Dachpakete beim Beladen wenig ändern. Bleibt die Reise im geschlossenen Zustand, die aus der Cabrio-Not eine Coupé-Tugend macht: mit angemessenem Gepäckraum, langstreckentauglichem Innengeräuschpegel – beim BMW noch angenehmer als beim Volvo – und luftigen, B-Säulenfreien Flanken. Durchaus möglich also, dass sich selbst Stoffkapuzen- Fans von der Blechlawine mitreißen lassen. 

Fazit

1. BMW 325 Ci Cabrio
489 Punkte

Bewegungstalentiert, solide und angemessen sparsam: Mit einer rundum sauberen Leistung markiert der offene Dreier seinen Platz im Blechdach-Revier

2. Volvo C70 T5 Summum
442 Punkte

Entspannter Schweden-Stil trifft Turbo-Fünfzylinder: Federungskomfort liegt dem 230 PS starken Fronttriebler deutlich besser als messerscharfe Präzision.

Technische Daten
Volvo C70 T5BMW 325i Cabrio
Grundpreis44.500 €46.350 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4582 x 1820 x 1400 mm4580 x 1782 x 1384 mm
KofferraumvolumenVDA404 L350 L
Hubraum / Motor2521 cm³ / 5-Zylinder2996 cm³ / 6-Zylinder
Leistung169 kW / 230 PS (320 Nm)160 kW / 218 PS (270 Nm)
Höchstgeschwindigkeit240 km/h245 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h7,6 s7,6 s
Verbrauch8,9 L/100 km7,5 L/100 km
Testverbrauch12,2 L/100 km10,0 L/100 km
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